Plateau
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wie Norwegen
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Starthilfe
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A82
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Thomas fährt vor
Thomas fährt vor

Alleine unterwegs

Links ist Loch Ness... immer noch... immer noch... und das war's dann auch schon. Thomas ist durchgeheizt ohne anzuhalten, um nach Nessie Ausschau zu halten. Er ist krank und will so schnell wie möglich gen Newcastle und nach Hause. Ist irgendwie Mist, denn trotz meist miesen Wetter, fahre ich hier wirklich gerne und würde auch gerne mal mehr als gelegentliche Fotostops einlegen. In Tyndrum stoppen wir an so etwas wie einer Raststätte, ein extra für Motorräder abgesperrter Bereich ist zwar voll und scheinbar ein populärer Motorradtreffpunkt, aber für unsere Moppeds findet sich auch noch Platz. Ich besorge Thomas eine Suppe und mir einen Kaffee und dann planen wir ein B&B für die Nacht. Aber irgendwie ist nichts zu finden.

Thomas schwächelt immer mehr und so lasse ich ihn an einem ausgebuchten Hotel in Killin zurück und suche auf eigene Faust etwas. Ein Hotel in der Nähe hat noch ein Doppelzimmer und wir kehren dort ein. Da es noch früh ist, und ich in keinster Weise ausgelastet bin, wird der Tiger noch eine Runde gescheucht und endet an einem tollen Pass an einem Stausee. Bevor es jedoch ganz dunkel wird, geht's zurück ins Hotel um rechtzeitig zum Abendbrot da zu sein. Thomas meint es wäre besser, wenn er schon mal nach/vor Newcastle fährt, sich dort etwas für die restlichen Tage sucht und ich alleine weiter fahre. Ist war nicht schön, aber da ich nicht unbedingt Lust habe jetzt noch 4 Tage an einem Ort abzuhängen, stimme ich zu, gebe ihm mein Wörterbuch und am Morgen fährt er früh alleine los, während ich mir Zeit lasse...

Der gestrige Pass am Ben Lawers Dam wird heute komplett durchgefahren und lohnt sich wirklich - kilometerweit parallel zu einem Bergbach, Schafe noch und nöcher und schließlich geht's am River Lyon wieder Richtung Zivilisation. Es finden sich wirklich überall tolle kleine und kleinste Straßen, mögen sie noch so unscheinbar auf Karten erscheinen. Das werde ich die nächsten Tage tun - den Kleinkram abfahren, doch jetzt muss ich erst mal zwischen Glasgow und Edinburgh durch. Und genau wie ich es mir gedacht habe, Ort an Ort, öde Strecken und dazu noch massenhaft Baustellen und Umleitungen. Kurz vor Glasgow ( wo ich mit Tiger überhaupt nicht hin will) ist eine Autobahn Richtung Süden der Rettungsanker. Nach Karte und Navi klappt wegen der Baustellen gar nicht...

Rechts und links der Autobahn ist immer weniger Bebauung zu sehen und schließlich fahre ich nach Gefühl einfach ab und dann mal sehen. Ein Campingplatz in Melrose wird schließlich zum Tagesziel und das Zelt hat Chance wieder zu trocknen. Eigentlich hätte ich auch noch nördlich der Städte bleiben können, denn Newcastle ist nur noch eine Handbreit auf der Karte entfernt. Abends mit Thomas und einem Arzt telefoniert, um als Übersetzer zu fungieren. Er ist irgendwo ... habe es nicht auf der Karte gefunden und er hat Melrose nicht gefunden. Hauptsache wir finden uns wieder... spätestens in der Kabine auf der Fähre ;-)

Was für eine einsame Gegend und dieser Singletrack nimmt und nimmt kein Ende. Aber einfach nur toll zu fahren - durch grüne Täler, über Plateaus mit weiten 360° Rundumblicken, an Flüssen vorbei, an denen ich eine Stunde stoppe und den Benzinkocher anschmeiße (es nieselt mal 60min nicht) und hinter jeder Kurve Neues fürs Auge. Nur die Tankanzeige macht mich so langsam etwas nervös, der Reservekanister ist schon umgefüllt und auf diesem Track findet sich wirklich nicht eine einzige Tankstelle. Da muss ich wohl auf ein zweispurige Straße wechseln und nachdem alle Balken der Anzeige verschwunden sind, kann der Tiger endlich in Langholm seinen Durst stillen.

Dann fahre ich jetzt noch Richtung Küste, da dort ein paar Campingplätze eingezeichnet sind und ich morgen nach Holy Island möchte. Der erste Campingplatz ist ein Schock. Supermarkt, Burg, Unmengen von Wohnmobilen, zig Orientierungsschilder was wo zu finden ist und vollkommen überlaufen... neee - das ist wirklich nichts für mich, dann campe ich lieber wild.
In Schottland darf man wild campen - in England nicht... muss man also aufpassen, wenn man sich so wie ich im Grenzgebiet bewegt. In der Nähe von Waren Mill findet sich aber schließlich ein annehmbarer Platz mit Restaurant und guten Sanitärgebäuden. Abends kurzer Klönschnack mit Thomas, der nur knapp 30km von mir entfernt ein B&B gefunden hat. Das fahre ich aber erst morgen Abend an.   

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Text&Bilder ©2o15 - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o15