Platten
Platten
Idylle
Idylle
Schaschlick,
Schaschlick, Bier u.a.
frische
frische Krebse
nochmal
nochmal Schotter

Grillfest

Ukraine  Der rechte Vorderreifen von Saschas Wolga ist platt, richtig platt und jetzt muss da erstmal ein Ersatzreifen drauf. Wir schauen zu wie Sascha sich die Hände schmutzig macht. Wir heisst 2 Motorradfahrer aus Odessa plus eine Sozia, die Tochter von Sascha, die recht gut Deutsch spricht, Thomas und ich. Es soll ans Schwarze Meer gehen, um dort zu grillen, evtl zu baden und natürlich alkoholische Getränke zu sich zu nehmen. Valeria und Frau müssen leider wieder arbeiten. Nach dem Besuch einer Reifenwerkstatt und erneuten Umstecken der Räder stehen wir jetzt auf dem Gelände einer alten Fischkolchose. Eine kleine begrünte Landzunge, die ins Wasser hinein ragt, ist ein idealer Platz fürs Grillen und wäre auch was für ein Motorradtreffen mit Zelten. Aus Deutschland leider nur mit mindestens einer Woche An- und Abreise zu erreichen, die aber durch Rumänien, Donaudelta usw. gehen würde. Für einen 2wöchigen Urlaubstrip ideal - ich werde mal einen diesbezüglichen Vorschlag bei unserem Stammtisch machen.

So ein bischen angesäuselt bin ich ja jetzt schon, aber zumindest nicht alleine, denn zur Begrüssung gab es was Selbstgebranntes, das nach Quitten geschmeckt hat, dann viel Bier, Wodka und jetzt schon wieder einen selbstgebrannten Cognac. Heiss ist es auch noch und zum Glück stehen die Motorräder in Odessa in der Garage. Ein überaus klasse schmeckendes Schaschlick und frisch gefangene Krebse gab es. Wir haben viel geklönt (selbst ohne Russischkenntnisse geht das nach ein, zwei Wodka immer sehr gut ;-) und es war wirklich ein gelungener Tag, doch morgen gehts endlich nach Hause.

Was will denn jetzt der Fahrer vor mir? Hier ist doch nichts, aber er blinkt, wird langsamer und will sich wohl an den Strassenrand stellen. Ich ziehe dran vorbei, obwohl eine durchgezogene Linie das Überholen verbietet, aber was sollte man sonst machen? Die Polizeikelle ist dann eigentlich kaum eine Überraschung, aber erfahren wie wir sind, stellen wir uns erstmal dumm. Russisch kann jetzt natürlich keiner mehr von uns ;-) Schnell wird aber auch klar, dass es gar nicht das Vorbeifahrmanöver meint, sondern er wirft uns vor, dass wir nebeneinander gefahren wären und das ist nicht erlaubt. Aber Bursche, nicht mit uns.

Da der Ordnungshüter so schlau ist ein ukrainisch-englisches Wörter- und Phrasenbuch mit polizeilichen Vorwürfen und Forderungen als Argument ins Spiel zu bringen, aber immer nur auf den Begriff "Oneway" tippt, gehe ich darauf ein und schaue ihn bei jedem Auto, das in die andere Richtung fährt, fragend und vorwurfsvoll an. "Ich weiss genau, was du willst..." denke ich mir und lasse ihn ein ums andere Mal auflaufen um schliesslich so zu tun, als wenn ich begriffen hätte was er meint, Thomas und ich reden jetzt massiv auf ihn ein, malen Tracks in den Sand, bestreiten alles und so langsam tut der mir echt leid. Er gibt auf, aber nicht bevor er mir noch "I warn you" im Vokabelheftchen gezeigt hat. "Tschüss und Danke!"...

Moldawien  Rumänien  Die Irrfahrt über Arzis, der fast leere Tank, inkl Umfüllen meines Benzinkochers und die blöden 3km inkl Mautgebühren in Moldawien unterschlage ich mal und setze die Reise jetzt in Rumänien fort, denn wir wollen nur noch nach Hause. Diese Strecke wind wir schon oft gefahren, aber dass hier in den Südkarpaten die Strasse plötzlich unbefestigt weiter geht, erstaunt mich doch etwas. So richtig traue ich dem geschweissten Rahmen auf dieser Piste nicht und fahre betont vorsichtig. Thomas wartet und ich meine zu ihm, dass wir hier noch nie waren und evtl ist das Navi auf kürzeste Strecke unter Vermeidung von Schnellstrassen eingestellt. Beides trifft nicht, aber seltsam ist das schon, denn in der Vergangenhiet sind wir diesen Abschnitt defintiv auf Schnellstrassen gefahren. Die Strecke ist wirklich wunderbar, aber halt auch eine Kopf- und Vertrauenssache mit so einem Rahmen.

Ungarn  Slowakei  Tschechien  Die letzte Nacht in Rumänien liegt hinter uns und übermorgen sollten wir zu Hause sein. Kilometer um Kilometer fressen wir uns über die Autobahnen in Ungarn, der Slowakei und Tschechien. Bei Prag steht auch schon Dresden auf den Verkehrsschildern, aber Thomas fährt plötzlich in Richtung Prag City, was ich überhaupt nicht verstehe. Knapp 950km stehen schon auf der heutigen Uhr - 50km schaffen wir auch noch und hätten unsere bisher längste Tagesetappe aller Touren auf vierstellig geschraubt... und er fährt ab... ein Wort kontert dem anderen und ich habe echt die Schnauze voll. "Wir telefonieren...Tschüss!" und fahre los.

Da sind mir und wohl auch Thomas einfach die Nerven durchgegangen, denn die Tour war physisch und auch psychisch mehr als anstrengend und - wie meint Thomas - zum Streiten gehören immer Zwei. Kurz gesagt: das Thema ist inzwischen schon wieder vergessen und wir haben uns vertragen.

Deutschland  450km bin ich an dem Abend aber noch gefahren - es war sogar recht angenehm, denn nachts ist wenig los auf den Strassen, ein teilweise sternenklarer Himmel, nette LKW-Fahrer, die mir bei einem Stop Kaffee ausgegeben haben und das Gefühl ewig weiter fahren zu können. 1400km stehen als Tagesetappe auf dem Display, als ich um halb zwei Uhr morgens die Garage zu Hause aufschliesse und etwas später ins heimische Bett falle.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12