Pontonbrücke
Pontonbrücke
5-Sterne
5-Sterne Restaurant
Mistwetter
Mistwetter
Sonneblumenfelder
Sonneblumenfelder
Fähre->Usbekistan
Fähre->Usbekistan

Hält es?

Kasachstan  Vertrauen...das fehlt mir im Moment und so eiere ich extremst vorsichtig weiter bis zu dem Hotel mit dem warmen Duschwasser. Die Motorräder stehen verschlossen auf einem bewachten Parkplatz und ich brauche erstmal ein Bier, bevor es ins Bett geht. Mein Bordcomputer funktioniert nicht mehr, aber das sehe ich mir an, wenn wir irgendwo etwas mehr Zeit haben. Eigentlich will ich nur noch nach Hause, aber der Weg ist noch weit und in Odessa wartet man auf uns. Wir beschliessen deshalb auf die Krim zu fahren und dort ein paar Tage Auszeit zu nehmen, bevor es weiter zu unseren Freunden geht. Zeit genug haben wir ja, da der Pamir nicht klappte und wir sogar einen Tag vor unseren geplanten Zeitplan liegen und darüberhinaus noch über eine Woche Puffertage haben.

Russland  Die Einreise nach Russland ist wieder recht problemlos und diesmal ist das Wetter auch nicht ganz so krass wie beim letzten Mal. In Astrachan gibt es lt Thomas Navi einen Mc Donald - wir wollen in erster Linie dahin, weil die WiFi haben und ganz ehrlich: Der Big Mac hat wirklich lecker geschmeckt und war nach all dem Schaschlick, den Suppen und anderen zentralasiatischen Delikatessen eine schöne Abwechslung. Die Fahrerei durch diese monotone Landschaft ist zwar kaum mit Nichts drumherum zu beschreiben, aber es wird ebenfalls recht trist und öde. Ganz langsam bekomme ich wieder Vetrauen in das Fahrwerk, die geschweissten Stellen scheinen gut zu halten und optisch sind keine Veränderungen zu bemerken. Zur Sicherheit mache ich öfter Fotos um sie zu vegleichen - so ein Erlebnis muss wirklich nicht noch einmal sein.

Und schon wieder eine dieser unzähligen Polizeikontrollen. Thomas ist schon durchgewunken worden, ich war eigentlich auch fertig, aber der nette Kollege des Polizisten, der hinter mir mit dem Auto fuhr, hat meinem Kontrolleur was zugerufen und ich soll jetzt an den Rand fahren. "What's wrong? Any Problem?" frage ich und hoffe noch davonzukommen, aber er besteht darauf, dass ich an den Rand fahre und zeigt auf mein Hinterrad. "Oh Scheisse - irgendwas an der Schweissarbeit?" Ich fahre an den Rand, steige ab und sehe die Bescherung - das Nummernschild baumelt so gerade eben noch an einer einzigen Schraube. Die untere Schraube ist weg und die beiden oberen Haltelöcher sind vollkommen ausgerissen. "Spassiba!" rufe ich dem Polizisten zu und verschraube den Kram mit dicken Unterlegscheiben aus den Tiefen meiner Ersatzteilwühlkisten. Das hätte jetzt auch noch gefehlt, dass ich das Nummernschild verliere - ein paar Grenzen stehen noch auf dem Programm. Da wird wohl eine Aluplatte unter das Schild müssen, denn diese Blechteile scheinen immer dünner zu werden.

Gestern sind wir den ganzen Tag im Nieselregen gefahren, aber jetzt auf dem Weg zur Krim ist es einigermassen trocken und die Landschaft wird abwechslungsreicher. Diesmal wollen wir die Grenze per Fähre überqueren und stehen nun vor dem Ticketgebäude, nachdem wir vorher etwas orientierungslos die richtige Einfahrt gesucht haben. So richtig ausgeschildert ist das hier nämlich nicht.

Knapp 500Rubel kostet die Überfahrt - soviel habe ich nicht mehr, der Geldautomat vor Ort ist defekt, Kreditkarten sind auch unerwünscht und ausländische Währung wollen sie auch nicht. Thomas quatscht nochmal mit der Verkäuferin, da wir ansonsten einen grossen Umweg fahren müssen. Sie willigt schliesslich ein, auch Dollars zu nehmen. Damit haben wir jeder ein Ticket, aber die Ausreise aus Russland steht uns noch bevor. Die hübsche Frau an der Passkontroll scannt meinen Pass, fragt den üblichen Kram ab und blickt dann auf das Passbild, auf mich, auf den Monitor, wieder auf mich, wieder in den Pass und so geht das einige Sekunden lang. Schliesslich reicht sie meinen Pass an den Nachbarschalter und die Kollegin dort soll mich nochmal mustern. Die nickt und ich darf passieren. OK - auf so einer Tour verändert man sich schon etwas, aber sowas habe ich bisher auch noch nicht erlebt - das war wohl eine 200%ige.

Beim Zoll gibt es noch ein Problem, weil die Kasachen einen Stempel auf die russische Deklaration gemacht haben. Zum Glück haben wir auch noch eine kasachische Deklaration dabei, die im übrigen fast eine Kopie der russischen ist. Was diese ganze Zettelwirtschaft soll, wird sich mir wohl nie erschliessen, aber es scheint vielen Leuten den Job zu sichern und Bürokratie mögen die hier im Osten wohl alle. Die Fährfahrt ist unspektakulär, da wir beide bei den Motorrädern bleiben, denn so ganz sicher stehen die hier auf dem Autodeck nicht.

Ukraine  Die ukrainsche Grenzkontrolle ist erstmal nur von weiten zu sehen, denn wir stehen in einer Schlange von Autos. Ein paar Grenzer sammeln alle Pässe ein und dann heisst es in der - inzwischen wieder prallen - Sonne zu warten. Eine Beamtin bringt uns und nur uns die Pässe zurück und wir dürfen ohne jede weitere Kontrolle einreisen. Die Autos bleiben zurück und müssen wohl noch etwas länger warten. So liebe ich das, denn als Motorradfahrer wird man an Grenzen schonmal bevorzugt behandelt - nicht immer, aber doch ... so liebe ich das.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12