wann
wann kommt der Bus?
tausende
tausende Mücken
RUMMS!
RUMMS! Frust!
wieder
wieder LKW
Gepäck
Gepäck abgerödelt

So richtig tiefgehender Frust

Kasachstan  Wir sind wieder auf der Strasse, die wir auf der Herfahrt schon genutzt haben. Und somit kennen wir ja Plätze zum Frühstücken, wie z.B. den Burgerladen in Atyrau, denn mit all den Mücken wollten wir da so schnell wie möglich weg und ich brauche langsam einen Kaffee. Diese Stadtgurkerei mit nicht funktionierenden Standgas ...aehm - ich glaube das hatte ich schon oben mal geschrieben... nervt und ist darüberhinaus vollkommen überflüssig, denn Mc Burger hat noch zu. Rechts und links mal wieder das Nichts - geradeaus Asphalt mit LKW Spurrinnen und etwas bewölkter Himmel, während wir hier mit knapp 100km/h vorankommen. Thomas erwischt das Schlagloch voll - ich sehe wie seine Maschine einen Hüpfer macht und schon bin ich auch bei dem Loch und habe keine Chance mehr dem Schlag auszuweichen.

"Klack!" macht es vorne und "RUMMS!" hinten, aber dieser zweite Rumms hat dann doch etwas mehr Power. Urplötzlich sitze ich eine ganze Ecke tiefer, habe so gut wie keine Kontrolle mehr über das Motorrad und male mir aus, dass ich wohl das Hinterrad verloren habe. Tausend Gedanken schiessen mir durch den Kopf, während ich versuche die Maschine gerade zu halten und in dieser LKW Spurrinne irgendwie zum Stehen zu kommen. Als ich schliesslich die Füsse von den Rasten nehme, sind die nur wenige Zentimeter vom Boden entfernt und das Motorrad steht fast von alleine auf den Seitenkoffern.

"Was ist denn da passiert? Das Rad ist noch dran, aber warum ist die Kiste soviel tiefergelegt?"

Da sehe ich, dass die untere Federbeinumlenkung in der Luft hängt. Das entsprechende Gegenstück am Rahmen ist ausgerissen.

"Das war's dann wohl!",

ist mein erster Gedanke, während ich langsam realisiere was da eben passiert ist.

"Wie komme ich hier jetzt noch weg? Zumindest bis nach Russland muss ich kommen, damit der ADAC aktiv werden kann. So eine Scheisse! Wie komme ich hier bloss weg?"

Ich versuche die Maschine aus der Spurrinne zu heben, aber das klappt nicht, schieben geht auch keinen Millimeter.

"Wie komme ich hier denn weg?"

kreisen die Gedanken um DAS Thema. Ich fange an die Maschine abzupacken, während ich auf Thomas warte, der ja irgendwann zurückkommen müsste. Ich bin wie betäubt, als ich nochmal versuche den Bock alleine an den Strassenrand zu bekommen.

"Das war es dann wohl!"

meine ich zu Thomas, der inzwischen wieder umgedreht ist

"Wir brauchen einen LKW".

Gemeinsam wuppen wir die Maschine auf den Seitenstreifen, denn das Hinterrad bewegt sich kein Stückchen, weil es sich irgendwie im Radkasten verkeilt hat. Langsam wandelt sich die Benommenheit in richtig ausgeprägten Frust und meine Packtasche muss so einige Fusstritte über sich ergehen lassen.

100$ will der Kasache haben, sonst nimmt er uns nicht mit. Thomas hat den kleinen Pritschenwagen angehalten, auf der Ladefläche wäre noch Platz und der kann uns zumindest bis zur nächsten Werkstatt schleppen, denn da der Rahmen eh kaputt ist, können wir das evtl auch Schweissen. Die Alternative Flugzeug scheidet aus, da der nächste Zollflughafen in Almaty ist und das liegt nun auch schon wieder fast 2500km hinter uns. Ein LKW bis nach Hause wird finanziell wohl kaum sinnvoll sein, abgesehen von den Zollformalitäten. Und ob der ADAC bis nach Astrachan in Russland kommt, um ein Motorrad mit einem Zeitwert von evtl 7000EUR abzuholen, bezweifel ich auch mal, also bleibt uns nichts anderes übrig, als zu versuchen es hier wieder zu flicken.

Nachdem wir zu viert das Motorrad auf die Ladefläche gewuchtet haben und ich mich irgendwie daneben gesetzt habe, geht die Heizerei los. Ohne jedwede Rücksicht auf die ungesicherte Ladung brettert der Fahrer über jedes Schlagloch und die Piste. Plötzlich stoppt er abrupt und nimmt eine Frau mit Kind als zusätzliche Anhalter mit (die müssen aber keine 100$ zahlen) und etwas später wird wieder schon wieder angehalten, weil alle aussteigen um an einer Erinnerungsstätte für einen Iman zu beten.

Irgendwelche Geräusche kommen aus dem Bereich des Computers unter der Sitzbank - das sehe ich mir an, wenn die Kiste wieder abgeladen ist. Nach knapp 70km brettert der Fahrer schliesslich von der Strasse in den Sandweg und stoppt vor einer Werkstatt, die in einer kleinen Baracke untergebracht ist. Kurzes Palaver mit dem Chef und dann muss es ganz, ganz schnell gehen. Motorrad runter, Gepäck runter und alles begleitet von ein paar hämischen Hinweisen auf Ural und andere russische Qualitätswaren.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12