Weggefährten
Weggefährten
Sandhose
Sandhose
da
da gibts nichts
...und
...und weiter
geradeaus
geradeaus

Nichts als Wüste

Usbekistan  Es soll genug Tankstellen bis zur Grenze geben, meinte jemand im Hotel, deswegen haben wir auch die Tankstellen in Nukus links liegen gelassen und sind nun etwas irritiert, als uns die beiden Männer am Strassenrand erzählen, dass es die nächsten 400km nichts mehr gibt. Sie stehen strategisch gut am Anfang der Wüste und ihre Autos sind vollgeladen mit diversen mit Benzin gefüllten Plastikflaschen und Kanistern. Und natürlich ist es Benzin von bester Qualität und weit über 90 Oktan. Fahren wir jetzt bei der Hitze die 40km zurück zum Tanken oder lassen wir uns auf das Risiko ein? Wir lassen uns auf das Risiko ein und kaufen ihnen ihre gesamten Vorräte ab - der 44l Tank bei der KTM und meine 29l inkl Reservekanister sind dann gut gefüllt, als wir uns in die Wüste aufmachen. Das Benzin scheint wirklich von guter Qualität zu sein, denn die Motoren laufen ohne irgendwelche Probleme, abgesehen von dem Hitzethema der KTM.

Immerhin hat Thomas jetzt herausbekommen, warum die KTM beim Stehendfahren ausgeht. Das war keine Verarschung, wie ich zuerst annahm, das ist ein Geometrieproblem. Wenn Thomas auf dem Motorrad steht, kommt er mit dem Absatz auf den Seitenständer, drückt ihn etwas herunter und betätigt dabei den Seitenständerschalter. Das führt dann zum Abschalten des Motors. Sachen gibt es ;-) Mein Standgasproblem ist übrigens immer noch nicht gelöst, immer mal wieder ist es weg und dann tuts wieder, als wenn nichts gewesen wäre. Ich weiss echt nicht, was ich da noch machen könnte. Das wird was für die Werkstatt und soviele Stadtdurchfahrten liegen ja nicht mehr auf der Strecke - werde ich schon irgendwie meistern.

"Nichts, hier ist wirklich absolut nichts..." schiessen mir triste Gedanken durch den Kopf. Schnurgerade führt das sehr gute Asphaltband bis zur sichtbaren Erdkante, rechts und links erstreckt sich die Wüste bis zum Horizont. Selten sind mal ein paar Büsche, ein paar Kamele oder Bebauungen zu sehen. Wir sind zumindest nicht alleine auf dieser Strasse, die hauptsächlich von LKWs genutzt wird und die man schon lange, lange vorher sehen kann. Hatte ich eigentlich mal die Hitze erwähnt?

Wir sind inzwischen unvernünftig und fahren ohne Protektorenhemd, selbst der Fahrtwind ist wie ein Fön und somit bringt auch Stehendfahren keinerlei Abkühlung. Auf der einen Seite ist es faszinierend sich diesem Meditationsfahren hinzugeben, auf der anderen Seite stinklangweilig und somit sind die Bäume und wenige Häuser, die schon von weiten als Oase erkennbar sind, eine willkommen Gelegenheit Pausen im Schatten einzulegen. Was muss das für ein Leben sein, hier ein Kaffee zu betreiben. Die nächste Stadt liegt Stunden entfernt und ringsherum gibt es nur das triste Nichts...

Endlich wieder Zelten - etwas abseits von der Strasse mitten im Nichts bauen wird die Zelte auf. Grossartigen Windschutz gibt es nicht und so kämpfe ich etwas beim Aufbau, aber nachdem es steht, können wir es uns im Windschatten gemütlich machen. Selbst Geräusche fehlen hier vollkommen, kein Vogelgezwitscher, kein Laubrascheln nur ab und zu Mal ein LKW, der auf der Strasse vorbeifährt. Thomas hat seinen Durchfall im Griff, ich leider noch nicht so ganz, wie ich bei einer Hockung in der uns umgebenden Tristigkeit feststellen darf. Wird aber besser.

Zurück in Kasachstan

Kasachstan  Vor der Grenze stauen sich die LKW. Der Grenzübetritt geht relativ zügig, allerdings standen die Fahrzeuge im kasachischen Grenzbereich kreuz und quer herum. LKWs haben jede Lücke gesucht, um voranzukommen, sind dann aber irgendwie zum Halten gezwungen worden und stehen schräg, quer, gerade ... halt kreuz und quer. Die PKWs wiederum haben die noch vorhanden Lücken genutzt, um irgendwie Richtung Usbekistan durchzukommen, bis auch da nichts mehr geht. Es bewegte sich absolut nichts mehr, ausser zwei Motorradfahrer, die sich einen Weg gebahnt haben. War schon heftig, aber mehrmaliges Rangieren auf engsten Raum bringt uns dann doch aus diesem Metallknäuel raus.

Auf der kasachischen Seite stauen sich ebenfalls die LKWs - rein gefühlsmässig würde ich mal von 20km Stau sprechen. Die armen Fahrer, die da ganz am Ende stehen - das dauert sicherlich ein paar Tage. Der schöne usbekische Asphalt ist weg und eine sehr schlechte Sandpiste lässt unseren Kilometerschnitt wieder in den Keller rutschen. Aber nach der Piste in Usbekistan kann mich nur noch wenig schocken.

Wir wollten evtl heute noch das Hotel schaffen, in dem wir auf der Herfahrt schon übernachtet hatten, denn so eine Dusche wäre was wirklich schönes. Aber es wird dann doch nur ein Zeltplatz am Strassenrand. Es war schon etwas schwer diesen Platz zu finden - die Strasse befindet sich auf einem Damm, weil rechts und links ausgetrocknete Seen hier in der Nähe des kaspischen Meeres, von einem eher weichen Untergrund zeugen. Somit war der einzige Fahrweg die einzige Einladung für uns hier runter zu fahren. Schwül ist es und Miriaden von Mücken haben nur auf uns gewartet. So ein Mist - schnell ins Zelt und den Abend abhaken. Die Schwüle ist allerdings mehr als pervers - ich liege splitterfasernackt diagonal im Zelt und nachdem alle Mücken gekillt sind, fallen mir auch bald die Augen zu.

"Oh Scheisse, was oder wer ist denn das jetzt?" Mein Zelt ist taghell erleuchtet und ich höre draussen Türen klappen. Schnell 'ne Unterhose an, das T-Shirt übergezogen und raus... Ein Geländewagen steht vor meinem Zelt und seine Scheinwerfer blenden mich, so dass ich kaum sehen kann, wer da zu mir auf russisch spricht. Irgendwas mit Sperrgebiet verstehe ich und das wir hier wohl nicht zelten dürfen. Da ruft eine weitere Stimme aus dem Fahrzeug etwas, die erste Stimme verabschiedet sich, steigt wieder ein und der Wagen fährt weiter.

Ich interpretiere das mal als Erlaubnis hier bleiben zu dürfen. Die Mücken ringsherum haben mich übrigens frühzeitig entdeckt und meine Beine und Arme sind inzwischen vollkommen zerstochen. Idealerweise habe ich auch das Zelt offen gelassen und bin nun wieder damit beschäftigt all die unerwünschten Besucher im Innenzelt zu killen, bevor ich bei der Schwüle wieder einschlafen kann. Wir haben sogar noch 2 Flaschen Bier übrig, als wir am morgen weiterfahren. Das kommt eigentlich nie vor, sagt aber einiges zu diesem Campingplatz und die juckenden Beine erinnern mich auch noch einige Zeit daran.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12