Stimmung
Stimmung wie Wetter
Lichtblick
Lichtblick
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Blick zurück
wieder
wieder Hunde
Besuch
Besuch in der Nacht

Zurück nach Osh

Kirgisien  Die Route nach Tadschikistan über den Pamirhighway klappt ja nun leider technisch nicht und der direkte Weg nach Dushanbee steht uns auch nicht zur Verfügung, da die Grenze nur für Einheimische offen ist. Somit bleibt nur die Strecke über Usbekistan, um wieder gen Heimat zu kommen. Aber das usbekische Visum gilt erst in 3 Tagen und so beschliessen wir nach Osh zu fahren, um uns dort in ein Hotel einzuquartieren.

Inzwischen regnet es in Strömen und auf dem 3000m Pass nördlich von Sary Tash wird es Zeit, dass die Sommer- den Winterhandschuhen weichen, so kalt wird es. Und typisch für Passstrassen, hinter dem Gipfel wird es trocken und der Staub hat uns wieder. Jetzt fehlt eigentlich nur noch Sonne, um die Klamotten wieder trocken zu bekommen, aber die schickt sich so langsam an, hinter den Wolken unterzugehen. Olaf hat uns was von einer tollen Campingmöglichkeit erzählt. Eine Wiese direkt an einem Fluss, der die Strasse abtrennt, aber wir sollen da fragen, ob wir zelten dürfen. Wir finden die Wiese, Thomas fragt und wir dürfen da zelten. Olaf ist bekannt und hat wohl bleibenden Eindruck hinterlassen - ich gehe da jetzt nicht näher drauf ein, aber zumindest würden sie sich freuen ihn mal wieder zu sehen.

Der Gehilfe der Bauern stösst abends zu uns und ist schon recht besoffen. Das mag der Wiesenbesitzer aber gar nicht und verscheucht ihn - schmollend zieht er von dannen, um in der Nacht an meinem Zelt rumzufummeln. Zu dem Zeitpunkt, als mein Reissverschluss aufgezogen wurde, wusste ich noch nicht wer das ist, bin aber aus dem Zelt rausgeschossen und habe in stockdunkler Nacht lauthals den Typen angemacht, dass er sich verpissen soll, sonst gibt es Ärger. Der hat sich so erschrocken, dass er nach hinten gestolpert und gefallen ist, während ich ihn weiter anschreie. Mein Auftritt zeigt Wirkung und er verzieht sich, allerdings höre ich ihn danach noch öfter mal schimpfend über die Wiese laufen. Am morgen beim Frühstück taucht er dann wieder nüchtern auf und setzt sich - ohne auf das Erlebnis in der Nacht einzugehen - zu uns. Sorry Bursche, aber wer sich an meinem Zelt zu schaffen macht, bekommt nunmal Ärger, aber ich schätze das hat er schon wieder vergessen.

Die Sonne kommt über die Berge und schnell trocknen die Zelte ab. Das ist optimal, da wir ja für eine paar Tage ins Hotel einziehen werden und nicht unbedingt feuchte Zelte einpacken wollen. Auf der Fahrt gen Osh treffen wir Christian auf seiner BWM, der Richtung Sary Tash unterwegs ist. Er ist auf Weltumrundung und will nur mal zum südlichsten Ort in Kirgisien, aber nicht auf den Pamirhighway.

Blockumkreisung

Mein Standgas ist mal wieder nicht da und das ist mehr als nervig im Stadtverkehr hier in Osh. Zum Glück ist die Batterie voll und der Anlasser funktoniert, aber auf Dauer ist das wirklich nichts. Es herscht brütende Hitze und wir finden einfach kein Hotel. Ein Taxifahrer fährt schliesslich voraus und führt uns zu einer Übernachtungsmöglichkeit, allerdings haben wir Thomas unterwegs verloren. Seine KTM will mal wieder nicht in der Hitze fahren. Da ich nicht weiss, ob er gesehen hat wo wir abgebogen sind, will ich zurück, aber das war eine Einbahnstrasse, also einmal um den ganzen Block und ihn suchen. Da vorne steht er auch schon im Schatten. "Ich fahre voraus - da vorne links ist es" meine ich zu ihm und los gehts, aber irgendwo ist Thomas schon wieder verloren gegangen, also noch einmal um den Block und suchen. So langsam ist mir jedes Haus, jede Ampel und anderes an diesem Block mehr als vertraut, aber wo ist er bloss? Ich stelle mich an die Abzweigung und warte... und warte... und... nochmal um den Block?

Da zeigen ein paar Wächter an einem Bankgebäude in die Strasse hinein und deuten mir an, dass Thomas wohl schon am Hotel steht. Auch gut, spare ich mir nochmal den Block. Schnell sind wir eingecheckt, Klimaanlage angeschmissen, Klamotten ausgepackt und geduscht. Internet per WLan geht nur in der Lobby oder im Restaurant, aber immerhin Internet. Etwas Bedenken macht uns der Fahrstuhl, der sage und schreibe für 2 Personen zugelassen ist und dessen Türgeräusch locker für Pink Floyds Welcome To The Machine genutzt werden könnte. Aber soviel vorweg - er funktionierte immer tadellos auch mit 2 Motorradfahrern inkl Gepäck.

Da fährt eine BMW auf den Platz vor dem Hotel - es ist Christian, der nach einer Nacht in Sary Tash jetzt Richtung Mongolei unterwegs ist und hier einen Austag einlegen will. Wir können so bei einem Bier etwas ausgiebiger klönen, als bei diesen Husch!Husch!-Smalltalks an der Strasse. Es waren bei mir aber wohl zuviele Bier, jedenfalls stolpere ich über einen Treppenabsatz und verdrehe mir irgendwie den Fuss, den Unterschenkel und was weiss ich.... Warum passiert mir immer irgendwas mit den Füssen oder Beinen, wenn ich mit Thomas unterwegs bin?

Jetzt am Morgen ist das Bein ausser für kurze Strecken nicht zu gebrauchen und dementsprechend gehen Christian und Thomas alleine zum Stadterkunden, während ich leise in mich hineinweine und mich meinem Schicksal hingebe. Hah! - ich hab immer was zu tun und keine Zeit zur Trauer. All die Onboardvideos wollen mal gesichtet werden, Fotobackups sind nötig und eigentlich könnte auch mal die Tiger etwas Zuwendung gut tun, aber die steht in der brütenden Hitze ohne jedweden Schatten - belasse ich es beim Computerkram. Etwas Freude kommt auf, als ich feststelle, dass unsere ganze Grenzgeschichte mit der Wiedereinreise komplett von der Onboardkamera aufgenommen wurde - hatte ich doch tatsächlich vergessen die aus zu machen ;-)   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12