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es regnet
Rückweg
Rückweg
DIE
DIE Richtung!
Grenzköter
Grenzköter

Kein Visum mehr

Kirgisien  Gleich müsste die tadschikische Grenzstation kommen, aber Thomas bleibt immer mal wieder stehen, der gleiche Scheiss wie auf den Pässen zuvor und auf über 4000m meint er, dass es so definitiv nicht geht und wir umkehren sollten. Bis auf 4600m geht es beim Karakulsee, der maximal noch 30km weit entfernt ist. Ein letzter Anruf beim Händler, ob der evtl noch eine Lösung hat, aber das ist leider nicht von Erfolg gekrönt und so drehen wir hier um und brechen das Abenteuer Pamirhighway zum zweiten Mal ab. Allerdings haben wir jetzt ein massives Problem - nach Tadschikistan gehts aufgrund der technischen Probleme nicht und für Kirgisien haben wir kein Visum mehr. Mal sehen was die an der Grenze sagen, wenn wir da wieder auflaufen...

Auf der Rückfahrt fängt es jetzt auch noch an zu nieseln - das ist sowas von geil, wenn sich am Wetter unsere Stimmung wiederspiegelt. Die Schranke ist dicht, kein Aas zu sehen, die sitzen wohl alle in ihrem kleinen Container und meiden den Nieselregen. Thomas geht rüber und bringt den kommandierenden Grenzsoldaten von vorhin mit zur Schranke, während er auf ihn einredet. Ich sehe nur seine Geste, die andeutet, dass es für uns nur eine Richtung gibt und das ist definitv nicht die, die wir jetzt fahren wollen. Aber er hat schliesslich ein Einsehen und Thomas darf zurück, aber ich soll gefälligst den Highway nutzen, denn mein Motorrad funktioniert ja. Zumindest ein minimaler Lichtblick, aber der mich natürlich in keinster Weise zufriedenstellt, denn ich fahre hier auf gar keinen Fall alleine weiter.

Wir werden die deutsche Botschaft in Bischkek anrufen und versuchen darüber etwas zu erreichen. Der ADAC hat so schöne Länderinfozettel, die ich jetzt das erste Mal aus den Tiefen der Koffer rauskrame. Thomas sucht derweil sein Telefon, das irgendwie nicht da ist, wo es sein sollte. Wir sollen unsere Motorräder jetzt an den Container stellen, da es immer mehr anfängt zu regnen und wir die Strasse blockieren. "Hah! die erste Schranke ist geschafft" denke ich mir, aber Thomas bekommt gleich Ärger mit mir, denn er fängt plötzlich an dem Grenzbeamten zu erklären, dass wir nochmal bis auf 4000m hoch müssen, weil da wohl sein Handy liegt.

"Sach mal, was soll der Mist? Schreib das Teil doch ab! Wir haben immerhin schon eine Schranke geschafft."

meine ich zu ihm, ausserdem fahre ich bei dem Regen da jetzt nicht hoch, wenn dann soll er die Tiger nehmen und es selbst machen. Ich würde das Handy vergessen und die Leute hier nicht noch mehr verwirren. Inzwischen hat der Grenzer mit seinem Handy die Botschaft angerufen und gibt es mir. Ich erkläre kurz das Problem und die Dame am anderen Ende meint nur, dass sich das wohl mit Geld klären lässt, sonst könnten sie auch nichts machen. Ich drück dem Offizier wieder das Handy in die Hand und er spricht mit ihr.

"Wir müssen nochmal da hoch, mein Handy..."

setzt Thomas wieder an

"Thoooomas! wie sollen wir das denn erklären? SCHREIB ES AB!"

Es regnet immer mehr und Thomas und ich werden mit den Container gebeten wo schon ein Soldat mit seiner Kalaschnikow auf einer der 2 Pritschen sitzt. An der rechten Wand steht ein Kanonenofen und Stehen kann man hier nur in gebügter Haltung. Wir setzen uns auf die Pritsche am Kopfende des Raumes und beobachten den Soldaten, der an 2 Handies gleichzeitig rumdaddelt, während sein Vorgesetzter weiter mit der Botschaft klönt oder evtl auch schon jemand Anderes an der Strippe hat.

So ganz kann ich jetzt nicht mehr folgen, mit wem er das bespricht, das Wort Konsul fällt mal, dann wieder Bischkek, dann sitzt er nur da und lauscht. Ab und zu Mal werden wir etwas gefragt, während der Soldat jetzt ein paar Klingeltöne abspielt. Danach bittet er mich um eine Zigarette, geht mit seinem Gewehr nach draussen und wird sofort abgelöst vom grenzeigenen Veterinär, der sich auch für uns interessiert und sich neben den Offizier setzt. Der Soldat kommt wieder, quetscht den Gewehrlauf irgendwie so in der Gegend rum, dass er sich wieder setzen kann und so langsam wird das hier in der Butze richtig eng und kuschelig, aber immerhin ist unser Wunsch wieder einzureisen noch das aktive Thema.

Nach gefühlten Stunden, sollen wir mit dem Chef ins Gebäude gehen und dort macht er den Ausreisstempel ganz einfach ungültig und wir dürfen tatsächlich wieder einreisen - geht doch. Geld wollte er nur für die Benutzung seines Handies haben - wir geben ihm 20$ mit denen er voll und ganz zufrieden ist. Ach ja: Thomas Handy hat sich inzwischen auch wieder angefunden, er hat es in eine Tasche getan, wo er es sonst nie hinsteckt...und die Situation wegen kaputter KTM, Mistwetter, Diskussionen hat ihn immer wieder zum Handysuchen gedrängt. Ich war kurz davor ihn zu killen ;-)

Das Tor Richtung Kirgisien ist zu und keiner kommt, um es zu öffnen, während auf der anderen Seite bereits ein PKW wartet. "Und nun?" - ich steige ab, gehe schliesslich zum Tor und öffne es selbst - der Wind scheint es zugeworfen zu haben. Die grenzeigenen Strassenköter warten schwanzwedelnd darauf, dass wir endlich los fahren, damit sie uns unter lauten Gekläffe auch so richtig schön verjagen können. Das ist wirklich seltsam, sobald man steht, kann man die meisten Hunde locker streicheln, sie freuen sich, die Rute wedelt mit Hochfrequenz, aber sobald ein Motorradmotor an ist, verwandeln sie sich zu Bestien, die alles dafür geben, dass man zügig Land gewinnt. Ich habe wirklich keine Ahnung was an Motorräder nun so besonderes ist, aber das Verhalten lässt sich überall beobachten.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12