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Nachwuchskirgisen
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...Pamir
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Kirgisien

Kirgisien  Wie hoch wir hier eigentlich sind, weiss ich nicht (lt. Track nach der Tour knapp 2500m), zumindest ist es sehr frisch, als wir uns von Olaf verabschieden und weiter gen Süden fahren. Es gibt ja SMS um die Fortschritte bzgl Federbein mitzubekommen. Hier auf der Ebene gibt es zahlreiche Pferdezüchter, die ihre Jurten rechts und links der Strasse aufgebaut haben und am Strassenrand Stutenmilch, Käse und allerlei anderes verkaufen. Thomas besorgt sich irgendwelche trockenen Quark-Käse-Bällchen, aber die sortiere ich nach kurzen Geschmackstest in die Schublade "Bäh!" ein - er findet sie klasse.

Der zweite Pass mit über 3000m liegt hinter uns und die Vegetation nimmt zu, teilweise sieht es mit den Nadelbäumen wie im Harz aus, teilweise wie in der Heide. Es ist wirklich abwechslungsreich hier zu fahren und landschaftlich bietet Kirgisien so einiges. Die Strassen - zumindest die, die wir fahren - sind in einem sehr guten Zustand und so können wir all die Eindrücke ohne grossartige Ablenkung in uns aufsaugen. In Jalal Abad nehmen wir uns schliesslich ein Hotel, denn es war, nachdem wir die Ebene wieder verlassen hatten, extrem heiss und eine Dusche wäre nicht schlecht. "Ich nehme eins von denen" meine ich zu Thomas, der sich noch nicht so ganz entschieden hat, welches Schaschlick er wählt. Die verschiedenen Sorten sind in einer Verkaufsvitrine ausgestellt und werden nach Wahl des Kunden am Rand des recht grossen und vollen Strassenrestaurants gegart. Und die sind wirklich lecker, so lecker, dass wir jeder noch einen weiteren Spiess bestellen, denn einheimisches Geld haben wir wieder genug, weil der Ladenbesitzer uns ein paar Dollar getauscht hat.

"Oh Mann! was für ein Hitze!" der Schweiss rinnt in Strömen, die Konturen des Protektorenhemdes habe sich auf dem T-Shirt in Form von weissen Salzablagerungen verewigt, Thomas KTM will auch nicht mehr so richtig und benötigt öfter mal eine Abkühlpause. Die Tiger rennt und rennt und rennt ... abgesehen von dem seltsamen Standgas habe ich keinerlei Probleme und das Teil fährt sich wie ein Fahrrad, wenn ich da an den alten schweren Tiger denke... Die Strasse macht hier einen grossen Bogen um ein Wassereservoir namens Andyan, denn der direkte Weg ist durch eine usbekische Landzunge, die in Kirgisien hineinragt, versperrt.

Osh streifen wir nur am Rand, um zügig weiter gen Sary Tash und dem Pamirhigway zu fahren. Liebliche Landschaften wechseln sich auch hier mit schroffen Pässen über 3000m ab. Am letzten Pass wird allerdings gebaut und der Staub vorausfahrender LKW versperrt einem die Sicht. Thomas bleibt ab und zu Mal stehen, weil die KTM nicht so richtig will und aus geht. Nach den kurzen Pausen geht es dann wieder für ein paar hundert Meter höher und klack - Aus! Dabei ist es hier auf dem Pass gar nicht mehr so heiss. Da muss noch was anderes faul sein.

In Sary Tash tanken wir noch einmal und an einem kleinen Kaffee gehts der KTM an den Kragen. Thomas zerlegt alles mögliche, um dem seltsamen Verhalten in der Höhe auf die Schliche zu kommen. Mit telefonischer Rücksprache mit seiner Werkstatt werden zwar ein paar Sachen ausprobiert, aber ob das nun alles OK ist, können wir eh erst wieder in der Höhe feststellen. Was machen wir? Auf den Pamirhighway oder auf dem direkten Weg nach Dushanbee? Thomas entscheidet sich für den Highway, denn jetzt sind wir schon das zweite Mal hier und nun soll es auch endlich klappen, da das sonnige Wetter kaum für weggespülte Strassen sorgen wird.

Pamir-Highway

Die Anfahrt zum Highway geht über eine Ebene, an deren Ende sich soweit das Auge reicht, der Pamir von links nach rechts erstreckt. Was für eine mächtige Gebirgskulisse und gleich sind wir mittendrin. An der kirgisischen Grenzstation gibt es, da wir die einzigen Grenzgänger weit und breit sind, sehr zügig zwei Ausreisestempel und das war es dann auch schon. Die Strasse oder das was von ihr noch übrig ist, windet sich immer weiter in das Gebirge hinein.

Genau wie ich es in Erinnerung habe: Geröll, Schotter, Asphalt durchzogen von kleinen und grösseren Bachläufen. Das macht richtig Spass, wenn denn mein Standgas zuverlässig funktionieren würde. Vor einem kleinen Bachlauf, der sich ca 20cm tief in die Strasse gegraben hat, ziehe ich die Kupplung zum Runterschalten und der Motor ist mal wieder aus. Unter Gewürge schaffe ich es zwischen mir und dem Bachlauf wieder etwas Abstand zu gewinnen - 30cm davor will ich nicht unbedingt in ein 20cm tiefes Wasserbett reinbeschleunigen. Starten, Gas geben, Kupplung, gefühlvoll Gas halten und wieder aus...."Ich hasse es!" Wieder auf dem Geröllmatschgemisch zurückrangieren, wieder Gas, wieder aus - "Jetzt aber!" und beim vierten Anlauf klappt es dann endlich.
"Was für ein Mist - ich muss unbedingt dieses Standgas in den Griff bekommen!"   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12