U-Bahn
U-Bahn
Thomas
Thomas am Canyon
Jurten
Jurten
Massiv
Massiv
Olaf
Olaf getroffen

Freude und Frust

Kasachstan  Am Morgen bauen wir das Motorrad wieder zusammen, während der Techniker die Reifen an Thomas KTM wechselt. Als ich fertig bin, bekommt meine ebenfalls frische Puschen. Ich will die Tiger rausfahren, damit endlich wieder das Gepäck angebaut werden kann. Der Tigeranlasser rödelt zwar, aber zündet gar nicht und meine gute Laune verwandelt sich wieder in depressiven Frust. Wieder den Tank runter, nochmal die Airbox ab, gestern ging es doch noch... Irgendwie bekommt der Motor kein Benzin und inzwischen mault der Werkstattchef rum, weil wir ihm wohl viel zu lange den Platz belegen und sein Techniker sich zu lange mit mit meinem Motorrad beschäftigt.

Wir spritzen von Hand etwas Benzin in die Ansaugschächte und es macht Brumm!, also bauen wir zu dritt wieder alles zusammenbauen und danach startet die Maschine zwar, aber man muss jetzt etwas Gas geben und dann halten, bis er in eine Art Notfallprogramm verfällt. Da ich schon vor ein paar Tagen mal kurzfristig kein Standgas hatte und jetzt zig Mal die Batterie abgebaut wurde, hängt das wohl irgendwie mit der Software zusammen und die muss wahrscheinlich neu lernen. Zumindest startet es mit obigen Trick sicher und ich kann, endlich wieder fahren. Weil mir der Techniker so viel geholfen hat, schenke ich ihm meinen Miniratschenkasten, den er wirklich liebt und virtuos benutzen kann. Thomas hat ja auch einen, aber den brauchen wir hoffentlich nicht mehr, denn dieses gefühlsmässige Auf und Ab geht mir inzwischen gehörig auf den Senkel!

Gestern nachmittag besuchte Thomas noch die neu gebaute U-Bahn in der Stadt, während ich mir eine Auszeit gönnte. Heute wollen wir aber eine kleine Tour zu den Canyons machen, die sich knapp 200km westlich von Almaty befinden. Aber wie zu erwarten: während der 2 Tage in der Werkstatt hatten wir Bombenwetter und jetzt regnet es. Gegen Mittag klart es jedoch etwas auf und wir machen uns auf den Weg. Nach 2 Stunden und sage und schreibe 50km, die wir durch dichten Verkehr und Staus zurückgelegt haben, meine ich zu Thomas, dass ich keinen Bock mehr habe und umdrehe, denn bei 25km/h sind wir gegen Mitternacht am Canyon. Thomas will aber weiter und so trennen wir uns. 10m Sichtweite, noch und nöcher Autos, Gischt, Sturzfluten vom Himmel und jetzt auch noch eine Polizeikelle.

"Och nöö...sacht mal Jungs, wollt ihr mich verarschen?"

murmel ich in den Helm, stoppe, klappe das Visier hoch und schaue den Polizisten vorwurfsvoll und böse an, um dann den Blick gen Himmel zu richten und mit meiner Hand dezent darauf hinzuweisen, dass es giesst. Er hat ein Einsehen und winkt mich sofort weiter ohne auch nur ein Wort zu verlieren - Soo muss das sein!

Es wird Zeit...

Kirgisien  Endlich wieder richtig unterwegs. Diese 3 Tage Almaty sind als Auszeit ja ganz nett, aber die Tiger muss einfach Auslauf haben, sonst wird Herrchen nölig. An der Grenze zu Kirgisien dürfen wir auf kasachischer Seite noch einmal die Koffer öffnen und und uns am Ausreiseschalter dumm stellen, als das ominöse Wort Souvenir fällt. Aber die kirgisische Seite: Wir sollen die Motorräder hier abstellen und mit Pässen in das Gebäude gehen. Eine lange Schlange von Menschen und wir hinten dran - heiss ist es und so richtig geht das auch nicht voran. Ein Beamter zeigt schliesslich auf uns und auf eine Tür - da sollen wir rein. Im Raum ist es schummrig, denn die Fenster sind abgeklebt und ausser zwei Computermonitoren gibt es hier nur das diffuse Licht durch die Scheiben. Zwei Beamte sitzen davor und gleich kommt bestimmt wieder das Wort Souvenir oder ein Zettel mit einer schnell hingekritzelten Zahl wird uns überreicht - das kennen wir alles schon und dieser Raum ist prädestiniert für so ein Vorgehen. Wir geben dem einen Beamten unsere Pässe, der macht Stempel rein, gibt sie uns wieder und wir können gehen. Keiner will in die Koffer sehen, keiner will eine in Schönschrift ausgefüllte Deklaration, keiner will irgendwelche dubiosen Zahlungen und keiner bestätigt mein Feindbild Grenzer. Wow! - das war die bisher schnellste Grenzkontrolle, die wir je hatten.

Die Tiger steht seit einiger Zeit immer gerader auf dem Seitenständer, ich werde wohl doch nach der Tour in ein neues Federbein investieren müssen, denn auch diese Feder scheint sich zu setzen, genau wie damals an der 955i. Zur Abhilfe und weil ich nicht überall mit dem Fuss eine Kuhle buddeln kann, erhöhe ich besser die Federvorspannung, aber so richtig viel bringt das nicht, dafür werden die Schlaglöcher unangenehmer. Auch Thomas hat jetzt mit bekannten Problemen zu kämpfen. Bei Hitze bilden sich scheinbar Blasen im Spritsystem und sein Gasannahme lässt zu wünschen übrig. Aber dass die KTM ausgeht, wenn er im Stehen fährt, fasse ich doch eher als Verarschung auf - woran soll denn das Motorrad erkennen, ob er steht oder nicht? Und dann noch mein Standgas - mal ist es da, dann wieder weg - irgendwas stimmmt da definitiv noch nicht, aber das habe ich einigermassen im Griff und grosse Städte stehen erstmal nicht auf dem Programm, denn Bischkek umfahren wir auf der Umleitungsstrecke.

Fünf Dollar kostet hier die Maut für den Tunnel und die Passstrassen. Schon etwas seltsam, dass es Dollar sind, aber der Betrag wird scheinbar nur von Ausländern kassiert. Dafür bekommt man aber etwas geboten. Eine spektakuläre Auffahrt auf über 3000m und einen hohen Tunnel mit überlauten Turbinen, die aber luftmässig nicht gerade viel bringen, denn die Scheinwerfer der uns entgegenkomenden Autos sehen von weiten eher wie Rücklichter aus. Irgendwie wirkt der Smog hier drinnen wie ein rötlicher Farbfilter. Weiter gehts über unzählige Kurven und Serpentinen runter auf eine weitläufige Ebene, die von hohen Bergen eingerahmt ist. Hier treffen wir Olaf wieder, der den Pamirhighway geschafft hat und nun Richtung Mongolei unterwegs ist. Gemeinsam suchen wir uns einen Zeltplatz an einem Fluss und beim Feierabendbier klönen wir über unsere Erlebnisse und Probleme. Die BMW ist mal wieder mit defekten Federbein unterwegs und Olaf will es in Almaty reparieren lassen. Ich lasse die Tiger am morgen 15min im Standgas laufen, um das Steuergerät zurückzusetzen - evtl bringt das ja was wegen diesem blöden Standgas.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12