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Almaty
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Skoda
Skoda Techniker

Das darf echt nicht wahr sein...

Kasachstan  Der uns bekannte LKW kommt erst morgen früh aus Almaty hierher und somit verbringen wir die Nacht im besten Hotel am Ort. Die Tiger wurde mit einem Kleintransporter der einem unserer Reparaturfans gehört, hierher gebracht. Als Rampe diente eine alte Tür - ich hätte nicht gedacht, dass die das aushält, aber ohne weitere Schäden stehen nun beide Motorräder im Hotelhof. Die oberen Stockwerke sind allerdings geschlossen und von aussen sieht man Grünzeug aus den Zimmer wachsen, aber die unteren Etagen werden noch vermietet und sind sogar in einem besseren Zustand, als die Herberge in Aralsk. Auf jeder zweiten Etage gibt es so etwas wie einen Kiosk mit Sitzgelegenheit und schmackhaftes, mikrowellenerhitztes Nahrhrhaftes wird unser Abendbrot. Etwas laut ist es, da die kasachische Jugendnationalmanschaft hier in der Stadt irgendein Fussballturnier spielt. Die Jungs versuchen sich uns mit ihren Englischkenntnissen verständlich zu machen, was aber unter lauten Gekicher der anderen eher nicht so richtig gelingt.

Der LKW aus Almaty ist da, aber der Fahrer braucht noch etwas Schlaf und so warten Thomas und ich eine weitere Stunde hinter dem Hotel bei den Motorrädern. Endlich ist es soweit, der Fahrer ist wieder in der Realität und die Heckklappe fährt runter. Zum Glück ist es wieder ein LKW mit hydraulischer Laderampe und ein noch grösseres Glück, der LKW ist eine Nummer grösser, als vor 2 Jahren und somit bekomme ich meine Beine besser auf dem Motortunnel im Fahrerhaus unter.
Es ist aber trotzdem irgendwie vollkommen Kacke, dass wir diese Strecke, die über 5000km von zu Hause entfernt ist, ein zweites Mal mit dem LKW zurücklegen.
Die Fettschrift soll meine Gemütslage betonen - ich hoffe doch, das kommt rüber ;-)

Nach Stunden, diversen Polizeikontrollen und kurzen Pausen werden wir mitten in der Nacht an einer Einfallstrasse von Almaty ohne Motorräder ausgesetzt und nehmen uns ein Taxi zu dem uns bekannten Hotel in der Innenstadt. Das ist aber ausgebucht und so wandern wir die 100m zur benachbarten Herberge und kommen dort unter.

Werkstattbasteleien

Irina, die sich auch dieses Mal um den LKW und das Hotel gekümmert hat holt uns am Morgen ab, um sich dann mit dem LKW Fahrer zu treffen und anschliessend in die uns bekannte Werkstatt zu fahren. Wir wollten sowieso hierher kommen, um unsere neuen Reifen aufziehen zu lassen. Die liegen aber noch im Zoll am Flughafen und müssen geholt werden. Der Werkstattchef meint, dass er zum Thema Elektrik keinen Fachmann da hat, aber selbst schrauben dürfen wir natürlich.

In der Werkstatt wuseln massenhaft Leute rum, aber es ist so eine Art Selbstschrauberwerkstatt und nur einer hier ist angestellt und hilft uns ein bischen, aber insgesamt sind wir ratlos, warum die Tiger keinen Mucks von sich gibt. Kurzerhand besorgen sie einen Autoelektriker aus einer Skoda-Werkstatt. Der rückt etwas später mit PC und Datenkabel an, ich sauge im Büro auf die Schnelle die passende Software und voller Hoffnung klemmen wir das Mopped an, aber das Kabel ist wohl nicht 100% kompatibel - jedenfalls funktioniert es sowohl auf meinem, als auch auf seinem Rechner nicht. Bleibt nur noch mein Messgerät und nach zig Messungen an Sicherungen, Relaistausch, Kabelverfolgung stossen wir darauf, dass diese fehlende Lichtsicherung, die wir an der Strasse zum Strom sparen gezogen hat, dafür sorgt, dass das Starterrelais nicht angezogen wird. Mit Sicherung klackt es zumindest schonmal wieder. Welch idiotische Schaltung, die wohl auf irgendwelchen, praxisfremdem EU-Richtlinien beruht: Kein Licht - Kein Brumm!

Aber mit dem Klacken komme ich trotzdem keinen Meter weit und nach weiteren Kabelverfolgen stossen wir schliesslich auf den Sturzsensor, der sich unter der Gepäckbrücke befindet - die war bisher noch überhaupt nicht im Focus und daher auch noch nicht abmontiert. Und da liegt dieser %$-Sensor vor uns und gauckelt dem Motorradcomputer vor, dass der Tiger liegt und wenn er liegt, dann geht nix, ausser Klacken... Nach dem wieder Befestigen, machts nach dem Druck auf den Starterknopf plötzlich wieder Brumm! und der typische Dreizylindersound durchdringt die Werkstatt. Das war eine teure (Transportkosten) und schwere Wiedererweckung und ich danke dem Autoelektriker für seine Mühe - heute baue ich die Kiste aber nicht mehr zusammen.

Abzocke die Dritte...

Jetzt am Abend sollen wir noch ganz schnell zum Zoll, um die Reifen rauszuholen. "Njet!" - das geht morgen nicht, wird uns gesagt. Da ich schon 2 Bier intus habe und Thomas russisch kann, macht er sich mit einem Einheimischen auf den Weg und kommt nach 2 Stunden stinksauer wieder. Irgendwie haben da welche gemauschelt, die Reifen schon aus dem Zoll geholt/gestohlen und haben dann von Thomas nochmal den Warenwert kassiert. Wir hatten dem Werkstattchef die notwendigen Nummern gegeben, weil er sich drum kümmern wollte, dass wir dabei so abgezockt werden, war jedoch nicht geplant. Ein Motorradreiseveranstalter, mit dem ich in der angrenzenden Kneipe den Abend verbracht habe, meint, dass das hier vollkommen normal sei und sie deshalb Teile nach Bischkek statt nach Almaty schicken. Meine positiven Erfahrungen von vor 2 Jahren waren die absolute Ausnahme... jetzt wissen wir es...   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12