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Hafenstadt in der Wüste

Kasachstan  Endlich in Aralsk angekommen, suchen wir uns das beste Haus am Platz - davon gibt es aber wohl nur eines, das seine besten Jahre schon lange hinter sich hat. In den Gängen könnte man einen Horrorfilm drehen, so heruntergekommen ist alles. Wir müssen allerdings noch Geld besorgen, denn die Chefin will nur einheimisches Bargeld und das haben wir nicht mehr in ausreichender Menge. Ein Bank-o-Mat ist schnell gefunden und schnell gefunden werden wir auch von den ganzen Kids hier in der Fussgängerzone, die wir einfach mit dem Motorrad befahren haben. Während Thomas über die eingefallene Mauer und über den Schotter zum Automaten klettert - irgendwie ist hier alles hinüber, denn der Automat ist wirklich nur so zu erreichen - beschäftige ich die Kids. Sie dürfen mal aufs Motorrad, dürfen den Helm aufsetzen und all die anderen Dinge die Kinder so einfallen, wenn etwas Neues auftaucht.

Thomas fragt sie, ob sie mal mitfahren wollen - erst will keiner, dann einer und schliesslich dreht er mit jedem der Nachwuchskasachen eine Runde durch die Fussgängerzone und wird dabei unter Gejole vom Rest der Bande verfolgt. Ich filme derweil und versuche den Überblick zu behalten wer schon mitgefahren ist und wer nicht. Die Passanten amüsiert das genauso wie die Kinder und als wir schliesslich zurück zum Hotel fahren sieht man nur strahlende und freundliche Gesichter. Das sind solche Momente, die einen die Strapazen und Verluste des Tages schnell vergessen lassen. Als Verlust muss ich diesmal meine selbstgenähte Tasche mit dem Seitenständebrettchen und der Tankrucksackregenhaube aufzählen. Das alles liegt jetzt sicherlich irgendwo traurig und einsam in der Wüste oder aber mit etwas Glück an der Tanke, die uns vorhin noch mit 95er beglückte...

Vor mir steht ein Fruchteis und vor Thomas ein Schokoladeneis und jeder hat ein Bier. Wir sitzen in einem Kaffee, Frauenhaus, Disco oder was weiss ich... zumindest gibt es hier unser Tagesabschlussbier und wir kennen jetzt auch den Unterschied der vielen Eissorten. Um es einfach zu machen: Es gibt nur Vanilleeis und die Geschmacksrichtung wird durch den Beilagen definiert. Bei Thomas ein paar Streusel Schokolade, bei mir sind es ein paar Früchte. Aber was das nun für ein Haus ist, wissen wir nicht so recht - es laufen, abgesehen von dem Mann hinterm Tresen, fast nur junge Mädchen rum und von oben klingt Mucke zu uns herunter. Ist aber auch egal, das Bett wartet auf uns, während die Motorräder auf einem privaten Hof gegenüber vom Hotel sicher weggeschlossen sind und von zwei Hunden bewacht werden.

Zurück gehts durch die Stadt, der man wirklich ansieht, dass sie seit der Austrocknung des Aral-Sees viele Einwohner verloren und heute eine der höchsten Arbeitslosigkeitsraten in Kasachstan hat. Das war hier mal eine grosse Fischereistadt, aber ausser dem ausgetrockneten Hafenbecken in der Nähe des Hotels, sieht man wirklich kaum noch etwas was darauf hindeutet. Eines der Hauptprobleme für den Wasserverlust sind die riesigen Baumwollfelder in Usbekistan, weswegen sich auch diese beiden Länder nicht sonderlich grün sind, wie eigentlich alle zentralasiatischen Staaten untereinander.

Wir schauen nochmal auf die Tanke nach meinem Täschchen, aber da ist erwartungsgemäss nichts. Dann schreibe ich das jetzt ab und will mal hoffen, dass es nicht regnet, denn sonst muss ich mit Plastiktütenbastelei anfangen. Ein paar Kilometer weiter, immer noch auf dem Zubringer zur M32, sehe ich etwas, dass könnte fast... "Mist! zu Schnell - schon vorbei..." Eine Kehrtwende, ein Blick und ein glücklicher Fahrer. Die Tasche liegt doch tatsächlich rechts der Strasse. Was für ein Glück, dass hier alles so eintönig ist, da sticht so etwas dreckigolives schnell ins Auge.

Abgerissen

Jetzt heizen wir mal wieder über schottrige Schlaglöcher, als plötzlich die Maschine massiv nach rechts zieht - mein Blick sieht nur die 50cm hohe Pistenkante rechts! "Da wo man hinsieht, fährt man auch hin!" schiesst es mir durch den Kopf und schaue bewusst in die Mitte der Piste, während ich versuche die Informationen aus den Augewinkeln zu ignorieren und irgendwie auf dem lockeren Schotter/Sandgemisch anzuhalten. Endlich stehend merke ich, dass die Maschine links erheblich schwerer als rechts ist... der Blick nach hinten zeigt aber nichts. Nichts heisst allerdings auch, dass da was fehlt - nämlich der rechte Seitenkoffer. Der liegt 100m hinter mir vollkommen unbeschadet auf der Piste.

"Gaaanz toll! Was ist denn da los?" Der eine Haltebolzen ist abgeschert - das darf eigentlich nicht passieren, aber ich gehe mal davon aus, dass ich die Touratech-Halterung nicht richtig in der Nut hatte und es etwas verkantet war, denn alle anderen Bolzen sind picobello in Ordnung und beide Koffer sind in etwa gleich schwer. Ein paar Spanngurte sorgen jetzt wieder für Halt und bei nächster Gelegenheit basteln wir da wieder einen Bolzen rein. Das war aber schon eine nette Erfahrung wie massiv sich so eine urplötzliche Gewichtsverlagerung auswirkt. Thomas meint noch, dass das von einem guten Fahrer zeugt, wenn man sich dann nicht hinlegt - na denn will ich mir mal selber auf die Schulter klopfen... möchte jemand ein Autogramm ;-)   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12