76er
76er hatten wir nicht
Skulptur
Skulptur
Bombenkrater
Bombenkrater
Minenfelder
Minenfelder
etwas
etwas Schatten

Löcher in der Strasse

Kasachstan  Hier sieht es aus wie nach einem Krieg - Krater an Krater reiht sich aneinander. Waren das Minen, Bomben oder gar Phaser? Wohl keins von allen - das sind Schlaglöcher mit einer Breite von bis zu 3m und manche weit über einen Meter tief. Wie sind wir hier bloss hergekommen? Gestern in Makat haben wir irgendwie die Strasse nicht gefunden, die zwar rein ging, aber nicht mehr raus. Stattdessen waren überall nur festgefahrene Sandpisten, die sich in alle Richtung zerstreuten. Nachdem wir ein paar Kreise gedreht hatten, musste ein Einheimischer uns mal erklären wo sich denn nun die A27, die sowohl auf dem Navi, als auch auf den Karten eingezeichnet ist, befindet. Der meinte nur, dass wir der Piste ein paar Kilometer bis zu einer Eisenbahnlinie folgen sollen und ab da würde die Strasse dann weitergehen.

Auf der Piste waren nur Baustellen-LKWs unterwegs - dementsprechend sah sie auch aus und eine sandige Kurve erforderte dann meinen Tribut. OK - einmal ist keinmal, denn wenige Kilometer weiter habe ich mich doch etwas verschätzt. Es hat ein paar Tage vorher geregnet, und einige Schlammlöcher waren noch zu sehen... die Oberflächenrisse scheinen zumindest von Trockenheit zu zeugen, wenn es auch minimal dunkler, als der Sand ringsherum, war. Böse Falle! darunter war Sandschlamm und ein zweites Mal durfte der Tiger sich zur Ruhe legen. Mist!, aber ich liege ja mit dem Kopf im Schatten - dann kann ich auch liegen bleiben, bis Thomas zum Aufheben zurückkommt...solch idiotischen Gedanken schiessen einem auch nur bei solch idiotischen Situationen in den Kopf ;-)

Oben auf dem Damm, den ich eigentlich nur rauffahren wollte, findet sich dann Asphalt. Ein paar Öffnungen - genannt Schlaglöcher - sind leicht auszuweichen, wenn auch ab und zu Mal die Wiederholfrequenz so heftig wird, dass ein Ausweichen nicht mehr drin ist und das wird irgendwie immer mehr... Beim Zelten entscheiden wir deshalb hoch nach Aktobe zu fahren, um auf der M32 Richtung Aralsk weiter zu kommen - wer weiss schon wie die eigentlich geplante Route aussieht und Zeit genug haben wir ja und soviel schlimmer kann es nicht kommen.

Auf und Ab

Denkste! - nach dem obligatorischen Campingkaffee und verpacken der Zelte, sind wir wieder auf der A27, die immer skuriler wird - minimale Asphaltreste zeugen davon, dass es hier echt mal eine Strasse gab, die den Namen verdient hatte, aber diese Krater, diese Sandlöcher, dieser ganze Mist...

"Jetzt fahre ich einfach durch die Schlaglöcher, anstatt drumherum zu zirkeln"

denke ich mir und Auf und Ab und Auf und Ab und

"... oh! etwas Asphalt ... und schon wieder vorbei"

und Auf und Ab gehts voran. Während wir noch unseren Kram nach einer Pause zusammenpacken, kommen 2 russisches Motorradreisende auch an dieses schattenspendende Bushäuschen. Wir plaudern kurz mit ihnen und brechen dann auf. Nur wenige später brettern die beiden wieder an uns vorbei. "Die haben ja ganz schön Speed drauf!" denke ich und konzentriere mich wieder auf die Strasse.

3 Stunden später und 100km weiter ist die Konzentration bei Null und die Lust aufs Motorradfahren erstmal vergangen, aber dafür wieder einigermassen brauchbarer Untergrund unter den Reifen. Ich hatte ja schon Schauergeschichten über Schlaglöcher in Kasachstan gehört, aber Hey! .. alle übertreiben doch manchmal etwas und bei unseren bisherigen Besuchen gab es zwar anstrengende aber immerhin fahrbare Strassen, aber jetzt kenne ich die Wahrheit und kann es mit Video dokumentieren. Es sind definitiv keine Schauergeschichten.

Da vorne stehen wieder die beiden Russen am Strassenrand. Leichter Nieselregen hat die Strasse an manchen Stellen mit einer schmierigen Schicht versehen und einer der Fahrer musste seinen Tribut in Form eines Sturzes bezahlen. Aber ausser einem abgerissenen Koffer und kleineren Sturzschäden ist wohl nichts weiter passiert. Hilfe wollen sie jedenfalls nicht, aber ab sofort gehts bei uns noch etwas vorsichtiger weiter.

Diesmal wählen wir einen Truckstop als Unterkunft. Wir sind die ersten in einem Raum mit 6 Betten. In der Nacht können noch weitere Schlafgäste dazukommen, aber damit hatten wir Glück. Die Fahrer mit denen wir am Abend klönen, schlafen im LKW. Es sind Ukrainer auf dem Weg von... nach ... keine Ahnung. Zumindest haben sie für ihre zigtausend Kilometer lange Reise theoretisch unbegrenzt Zeit. Die Ware muss nur irgendwann ankommen. So richtig planen kann man wohl auf diesen Strecken auch nicht. Das Material wird massiv beansprucht und es vergeht nicht ein Tag, ohne dass wir irgendwo am Strassenrand frustrierte LKW-Fahrer sehen.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12