Korruption
Korruption
Strasse
Strasse zu Ende
durch
durch das Nichts
Abkühlung
Abkühlung
Abkühlung
Abkühlung

Tschetschenien, Abzocke und miese Karten...

Russland  Thomas besorgt Bier für den Abend, Olaf und ich warten an der Strasse auf ihn, als jemand anhält und uns berichtet, dass einige Kilometer voraus ein Motorradfahrer verunglückt ist. Scheisse! Olaf fährt los und ich warte auf Thomas. Als wir schliesslich an der angeblichen Unfallstelle ankommen, ist Olaf von 2 Polizisten und einigen Zivilisten umringt. Von einem Unfall ist weit und breit nichts zu sehen. Thomas und ich halten nach Aufforderung von Olaf etwas Abstand - wir sehen wie sie verhandeln und schliesslich fährt einer der korrupten Polizisten eine Runde mit der BMW und Olaf darf daraufhin weiter.

Am Lagerfeuer erzählt er -immer noch vollkommen stinkig - dass sie ihm massig Geldstrafe wegen einer Lapalie aufbrummen wollten, oder der eine dürfte mal fahren. Das ist natürlich der WorstCase, denn wenn der sich hinlegt oder gar verletzt hat Olaf ein echtes Problem, aber der Bulle wusste was er tat, scheint schon öfter Motorradtouristen in die Falle gelockt zu haben. Anders ist diese ganze Geschichte nicht zu erklären. Wir haben unseren Zeltplatz zumindest so gewählt, dass man ihn nicht von der Strasse aus sieht und nach dem Genuss des von Thomas besorgten Bier unter einem klaren Himmel mit Vollmond, ist das Thema auch bald abgehakt.

"Was nun?..also...nunja..." ...nach Karte geht hier die Strasse direkt nach Astrachan, aber der Asphalt hört mitten in der Pampa auf und dahinter gehts auch nirgendwo als Piste oder zumindest Feldweg weiter. Wieder so ein Kartenfehler, denn mein Bordcomputer zeigt eindeutig an, dass wir hier richtig sind. Es ist wirklich besser einheimische Karten zu kaufen, denn das Material aus Deutschland scheint entweder ausgewürfelt:

"Jetzt nehmen wir mal wieder was dreistelliges - hatten eben soviele zweistellige Angaben"

oder kreativ

"Oh!? - da ist eine Lücke - da malen wir nochmal 'ne Strasse hin"

die Fläche füllen. Jammern hilft nix, wir müssen umdrehen. Ein uns entgegenkommeneds Auto weist uns den Weg auf eine Sandpiste, die ein paar Kilometer vorher Richtung Norden abzweigte, aber diese Piste sieht echt mies aus und soll so weit über 100km gehen - etwas ähnliches hatten wir vorhin schon auf knapp 30km. Wir entscheiden uns daher einen 150km asphaltierten Umweg über die nächste grössere Ortschaft zu fahren. Sandpisten wird es noch genug auf unserer Tour geben.

Kasachstan

Kasachstan  Der Grenzsoldat sieht sehr martialisch in seinem Kampfanzug, der Kalaschnikow und dem schwarzen Netz vor seinem Gesicht aus. Das Netz schützt vor den kleinen Fliegen, die hier milliardenfach die Wartenden und Grenzbeamten traktieren. Ob Nase, Ohren oder Augen, alles wird gnadenlos erforscht, aber immerhin stechen sie nicht. Wir lassen besser die Helme auf und ertragen tapfer die Hitze, die sich bei mir so langsam in Regionen bewegt, in denen der Moserfaktor massiv ansteigt - sprich ich werde langsam nölig. Der Schweiss läuft in die Augen, Visier auf, Brille ab, abwischen, Fliegen verscheuchen, Brille auf, Fliegen verscheuchen, Visier zu, Visier auf, Fliegen verscheuchen ... Gerade noch Stop& Go in der Stadt Astrachan und nun sich auch noch hier in der Hitze quälen.

Als wir endlich durch die Grenze sind, will ich einfach nur noch duschen. Etwas Papierkram steht aber noch an, denn wir müssen KFZ-Versicherungen für Kasachstan kaufen. Mir gehts ja schon dreckig, aber dass in dem Container auch noch die Klimaanlage defekt ist und sicherlich gefühlte 50°C bei 0% Sauerstoff in dem Kabuff herschen... so langsam steigt der Frust in mir hoch und ich rechne jeden Moment damit, dass mein Kreislauf zusammenbricht. Olaf will zelten, aber ich bestehe auf irgendwas mit Dusche und somit schläft er alleine in der Wüste, während Thomas und ich das warme Duschwasser (kalt ist scheinbar ein Fremdwort hier) in der nächsten Herberge geniessen. Ich habe ja im Prinzip nix gegen Hitze, aber mit voller Motorradmontour (inkl langer Funktionsunterhose) stundenlang rumstehen, ist wirklich etwas, was ich auf den Tod hasse.

Die Nacht ist angenehm - ich sitze hier draussen auf der Treppe, trinke etwas, rauche eine und geniesse die leichte Kühle, während Thomas seinen Reisebericht im Zimmer schreibt. Zwei Jeeps kommen auf den Parkplatz. Es sind Norweger auf dem Weg in die Mongolei. Wir klönen kurz und verabreden uns für später im Restaurant. Der Anblick all der aufgedonnerten Mädels mit HighHeels und viel zu viel Makeup, sollte mich allerdings stutzig machen. Als wir dann schliesslich im Restaurant zusammen mit den Norwegern sitzen, wird auch schon die Mucke voll aufgedreht und Modern-Talking, Boney-M und andere mir unliebsame Klänge unterbinden jedwede Unterhaltung. Die wöchentliche Dorfdisco hat begonnen :-( Das war wohl nix, gehen wir lieber ins Bett und lassen die Norweger alleine.

Der angrenzende Supermarkt dient nochmal zum Wasser bunkern und da kommt auch schon Olaf, der in der Nacht wohl Besuch von Pferden hatte, aber ansonsten keine weiteren Probleme hat. Heute ist unser letzter Tag zusammen, da er den Pamir-Highway von Tadschikistan aus anfahren will. Unterwegs gibt es überwiegend Steppenlandschaft, die von einigen Wasserflächen aufgelockert wird. Wir sind sind hier zwischen dem Wolga- und Uraldelta und es ist schon seltsam, wenn man in der Steppe Schwäne fliegen sieht. Pferde und Kühe nutzen die kleinen Seen zu Abkühlung.

In Atyrau gibt es zum Mittag Fleischklopse in Brötchen bei "McBurger" inkl freien Internet und etwas später kurz vor Dossor verlässt uns Olaf - wir werden ihn aber noch einmal wiedersehen, da er uns aus dem Süden entgegenkommen müsste. Warten wir es mal ab...   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 2o.o9.2o12