Bulgarien->Türkei
Bulgarien->Türkei
Mautstation
Mautstation
Pornotel
Pornotel
Kurve
Kurve um Kurve
Brunnen
Brunnen

Auf in die Türkei...

Türkei  An der der Grenze ging es diesmal sogar recht zügig - da haben wir vor 2 Jahren erheblich länger gewartet. Aber etwas wurmt mich nun doch massiv, denn vorhin habe ich noch eine Karte für all die Mautstationen auf dem Weg nach und in Istanbul gekauft, um da nicht überall mit Geld oder Kreditkarten hantieren zu müssen und nun ist sie schon wieder weg. Rausgefallen aus dem Tankrucksack, den ich nicht richtig verschlossen hatte. Was für ein Dösbaddel...

Vor Istanbul fängt es dann auch noch an zu nieseln, dazu wirds langsam dämmerig und einen Platz für die Zelte findet sich bei all der Bebauung hier auch nicht mehr. Fahren wir halt ein Hotel an. 3 Einzelzimmer sind schnell gebucht, die Stockflecken und den Schimmel übersehen wir mal geflissentlich, denn dafür gibt es einen wunderbaren Blick raus aufs Meer. Aber warum es im Restaurant so schumrig ist, wundert uns schon ein bischen. Man kann noch nichtmal die Speisekarte richtig lesen, zum Glück habe ich eine Taschenlampe dabei. Praktisch nur Pärchen sitzen an den Tischen und die Frauen sind extremst aufgedonnert... Klack! macht es und es ist plötzlich stockdunkel - Stromausfall!. Ein Kellner bittet mich um meine Taschenlampe (haben die keine eigenen?) und etwas später gibts wieder Licht. Sehr seltsam das Ganze. Auf dem Zimmer wird dann einiges klarer: Im Fernsehen laufen auf mindestens 5 Kanälen Pornos, scheint ein Stundenhotel zu sein und ich dachte wir sind in einem muslimischen Land ...

Heute morgen ist es wieder sonnig und recht früh gehts rein nach Istanbul. Mangels Mautkarte versuche ich zusammen mit Thomas ein Auto zu simulieren indem wir parallel fahren, aber diese blöde Klingel merkt, dass da was falsch ist und tönt freundlich hinter uns her. Schliesslich kaufe ich nochmal eine Karte, die ich dann auch gleich erfolgreich an Olaf weitergeben darf, der hinter einer verschlossenen Schranke zurückbleibt, denn seine Karte ist inzwischen leer.

Aber diese nervige Stadtgurkerei geht irgendwann auch vorbei und wird von einer tollen kurvenreiche Strecke Richtung Schwarzes Meer abgelöst. Da vorne ist es auch schon, allerdings wieder nur Blau statt Schwarz - wir kommen wohl immer zur falschen Jahrezeit an. Das Blau wird jetzt allerdings dunkler und sagt uns, dass es Zeit für eine Unterkunft wird. Aber trotz dreier Augenpaare, einen Platz für die Zelte finden wir nicht und somit steuern wir wieder ein kleines Hotel für die Nacht an.

Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen heute nochmal ein paar wunderbare Kilometer auf der alten Küstenstrasse an. Leider wird auch dieser Abschnitt bald Geschichte sein, denn es ist angesichts der vielen Baustellen offensichtlich, dass auch hier eine Schnellstrasse direkt am Wasser das Vorankommen beschleunigen soll. Schade! - aber jetzt denken wir nicht daran und geniessen bei besten Wetter Kurve um Kurve um Kurve um Kurve um Kurve um Kur...
...nun gut - 300km Kurve um Kurve geht dann irgendwann auch mal auf den Senkel... Wir lieben ja solche Strassen, aber wenn das über Stunden geht, wird das irgendwann einfach zuviel. Irgendwie ist man als Motorradfahrer wohl nie zufrieden ;-)

Direkt am Wasser neben ein paar Ruinen ehemaliger Umkleideräume und Klos, werden diesmal die Zelte aufgebaut. Olaf und ich holen noch Bier aus dem nächsten Ort und ich fülle nochmal Wasser für Kaffee und Kochen aus einer der unzähligen Quellen auf. Die Jungbullen hier benötigen aber schon etwas energische Gegenwehr, um sich nicht allzusehr aufzudrängen. Thomas Nummernschild hat so ein Vieh schon verbogen, weil er sich daran geschubbert hat, aber sie haben jetzt scheinbar begriffen, dass wir böse werden können.

Und weiter gehts, aber jetzt auf der fertigen Schnellstrasse - was ist das öde und wie schön war es doch gestern...wie war das noch mit der Zufriedenheit? In Trabzon versucht Olaf aus den Tiefen seiner Erinnerung den Kartenverkaufsshop für die Fähre zu finden, aber totz Hin- und Hergurkerei finden wir nix. Egal, wenn es notwendig sein sollte, werden wir uns schon durchfragen, aber Olaf ist den Rest des Tages ganz schön sauer auf sich selbst - da nützt auch der Trost unsererseits und die dezenten Hinweise auf GPS-Wegpunkte oder Tracks nichts.

Hier gibt es wieder keine Möglichkeit zu zelten, ausser wir fahren ins Landesinnere, aber ein Schild mit Verweis auf eine Tankstelle und Hotel, lässt uns auf der Hauptstrasse verweilen. Die Tankstelle ist da, daneben ein Haus mit Restaurant und oben siehts aus wie ein Hotel, aber kein Schild weist darauf hin. Ich gehe ins Restaurant und frage nach. Nein - hier ist kein Hotel, aber sie kümmern sich darum und fangen an rum zu telefonieren. Wir sollen warten, bis wir abgeholt werden - in der Zwischenzeit hat sich die halbe Restaurantbelegschaft um unsere Motorräder gescharrt. Handyfotos werden gemacht, es wird geklönt und wir bekommen noch Tee angeboten, der aber nicht mehr rechtzeitg fertig wird, denn ein deutschsprechender Türke fährt mit dem Auto vor und bittet uns ihm zu folgen. Wir verabschieden uns artig von der mehr als hilfsbereiten Gruppe und mit überhöhter Geschwindigkeit gehts mitten rein in die Stadt Tirebolu zum Hotel Ayana.

Der Chef ist in der Schweiz geboren, musste als Jugendlicher zwangsweise in die Türkei übersiedeln und ist jetzt zwischen 2 Kulturen gefangen. Man merkt ihm an, wie gut es ihm tut, mal wieder Deutsch zu reden. Abendbrot und Frühstück waren wirklich klasse, aber wir wollen auch weiter.   

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Text&Bilder ©2o12 - Andreas Just      Letzte Änderung: 23.o9.2o12