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Falsche Streckenwahl

Ukraine  Am Wochenende war ein Motorradtreffen in Odessa - wir hatten auch viel Moppeds gesehen, aber uns war die Ruhe doch wichtiger. Dafür darf ich jetzt mal wieder ein Statement abgeben, ob ich was getrunken habe. Ich verneine natürlich, zähle mal wieder die Länder auf, die wir durchfahren haben und hoffe schon weiterfahren zu dürfen, hab' aber die Rechnung ohne den Polizisten gemacht. Er stuft mein Nummernschild, das mit etwas Kreativität durchaus noch gut deutbar ist, als unleserlich ein und ich muss es in seinem Beisein saubermachen. Da habe ich nun wochenlang hart dran gearbeitet, dass es nach Abenteuer aussieht und dann das...

Diesmal soll es nicht schon wieder durch Rumänien gehen, denn an den Strassen im Süden kennen wir ja schon bald jeden Baum beim Namen. Zum Ende der Tour stehen diesmal die ukrainischen Karpaten auf dem Programm, die wohl ganz nett zu fahren sein sollen. Die dreispurige Autobahn Richtung Kiew bringt uns zügig unserem Ziel näher. Es gibt zwar einige Geschwindigkeitskontrollen, aber mit meinem eiernden Hinterrad, an das ich immer wieder durch besorgte Autofahrer erinnert werde, ist alles über 110km/h swieso nicht mehr schön fahrbar. Da vorne müssen wir auch schon runter und uns Richtung Westen halten.

Die Strasse war schon an einigen Stellen nass - jetzt haben wir auch den dazugehörigen Regen eingeholt, der vor uns her zu ziehen scheint. Und wieder staune ich über die miese Kanalisation in den Städten, die für riesige Pfützen sorgt.

"Wuuusch!" "Blub!"

Ein Wasserschwall geht auf den Helm nieder, drückt das Visier hoch und flutet das Innere inkl meinem Gesicht und Nacken. Wieder so ein dosentreibender Idiot, der mit nicht angepasster Geschwindigkeit durch diese Pfützen brettert.

Jetzt, ganz genau JETZT ist mein Laune am Tiefpunkt dieser Tour.

"Ich fahre keinen Meter mehr bei diesem Scheisswetter!"

Thomas überzeugt mich dann doch ein Hotel zu suchen - was ja auch etwas sinniger als eine Bushaltestelle ist - und wir hoffen, dass es morgen etwas besser aussieht.

Ein paar helle Stellen sind ja zu sehen, trocken ist es auch und obwohl das angeschlossene Restaurant noch zu hat, bekommen wir sogar einen Kaffee. Somit starten wir recht relaxed auf unsere letzte Etappe, bevor es wieder in die EU geht.

Kreative Gesetzesfindung

Diese Etappe zeigt aber auch, warum soviele über die Ukraine meckern. Wir hatten bisher so gut wie keine Probleme mit der Polizei, aber das hier ist die Haupteinfallsstrecke für Reisende aus der EU und die Kreativität der Beamten kennt scheinbar keine Grenzen. Fangen wir damit an, dass meine Zulassung angeblich eine Kopie ist. Thomas hat eine neuere mit Hologram, auf meiner alten ist sowas nicht drauf und somit muss das eine Kopie sein und die wollen ein Original von mir haben.

"THAT IS THE ORIGINAL DOCUMENT!"

schreie ich nach langer Zeit der ruhigen und sachlichen Rethorik meinerseits schliesslich den merkbefreiten Fritzen an, aber damit nicht genug. Der internationale Führerschein ist auch nicht OK - er will unbedingt das Plastikkärtchen haben, was er von mir aber nicht bekommt, denn das Teil ist nunmal nicht für die Ukraine gedacht. Das Thomas TüV seit 2 Wochen abgelaufen ist, führt natürlich ebenfalls zu Diskussionen in der Art, dass man dann nicht mehr in der Ukraine fahren darf. Mit 4 Mann und 2 Fahrzeugen kontrollieren die hier, fischen nur Ausländer raus und versuchen die abzuzocken. Wir bleiben standhaft und können nach fast 30min schliesslich weiterfahren.

"Schnell, Schnell - da kommen Motorräder!"

scheinen die Abzocker an der Polizeistation zu rufen, denn so schnell habe ich selten jemanden aus dem Gebäude rennen sehen. Es reicht leider noch für den lässigen Wink uns anzuhalten. Diesmal sind wir wohl über eine durchgezogene Linie gefahren. Ich habe zwar keinerlei Ahnung wo das gewesen sein soll, denn wenn ich zurückblicke ist da nichts dergleichen, aber er hat es angeblich auf Video und ich soll es mir ansehen. Leider scheint das Video wie durch Zauberhand verschwunden zu sein, denn es gibt keine Aufzeichnung. Mit einer unwilligen Handbewegung werden wir zum Weiterfahren aufgefordert.

Einen habe habe ich noch. Diesmal ist Geschwindigkeitsüberschreitung unser Vergehen. Exakt 100 (km/h oder m/s oder äpfel/Birnen?) sind wir gefahren - so steht es auf dem Radarschätzeisen, mit dem hier elegant aus der Hüfte Strafäter überführt werden. Da hier 90 erlaubt ist (keine Schilder, GPS zeigt ebenfalls 90 an) und wir wohl so ca 80 gefahren sind und diesen Wert massiv in Zweifel ziehen, wird kurzerhand die Gesetzeslage den Gegegebenheiten angepasst.

Plötzlich sind nur 60 erlaubt, weil da eine Einfahrt einer Tankstelle ist. An Einfahrten sind generell nur 60 erlaubt, versucht uns der Beamte weisszumachen. Das zieht sich mal wieder hin, bis Thomas einsteigen soll. Hier kommen sie dann zur Sache: Dollars, Euros oder ukrainisches Spielgeld will er haben. Wir sind aber quasi blank und der Blick in Thomas Portemonaie bringt gerade mal 100 Hryvnia zum Vorschein. Das reicht dann um unser Verbrechen zu sühnen und wir dürfen weiter.

Dieser Tourabschnitt ist mehr als nervend und an vielen Kontrollen konnten wir uns sogar vorbeimogeln, weil ein LKW vor uns fuhr oder weil ein anderes Opfer gerade ausgenommen wurde. Nächstes Mal gehts wieder durch Rumänien - diesen Bereich der Ukraine sollte man jedenfalls meiden, auch wenn er landschaftlich recht nett ist und die wohl auch sowas wie Tourismus etablieren wollen. So wird das aber nichts...

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 21.o7.2o1o