Kupplungszerlegung
Kupplungszerlegung
Bäume?
Bäume?
unterwegs
unterwegs
...am
...am See...
Taschenlampenlicht
Taschenlampenlicht
alter
alter Motzer
verwackelt
verwackelt

Gen Norden

Kasachstan  Schnell sind wir in der Werkstatt und am Nachmittag soll die Maschine auch schon fertig sein. Heiko hat Jörn gesagt, es wäre sicherer alle Kupplungsteile zu bestellen, was sich als richtige Entscheidung erweist, denn an Dichtungen, Zwischenscheiben usw. hätte ich wohl nicht gedacht. Wir fahren zurück ins Hotel und warten auf den Anruf der Werkstatt.

Gegen 18 Uhr ist der Tiger wieder fahrbereit. Die kurze Probefahrt vor der Werkstatt hebt meine Stimmung massiv, denn die letzen Tage waren doch etwas frustierend. Sowas nagt nunmal stark am Gemüt, aber jetzt rennt die Kiste wieder und ich komme auf 2 Rädern nach Hause. Am Abend laden wir Irina noch zum Essen ein und morgen gehts dann endlich weiter. Es war nett in Almaty und wenn wir den Pamir nochmal in Angriff nehmen sollten (das hängt aber in erster Linie von der politischen Lage in Kirgistan ab), kommen wir sicherlich nochmal wieder. Da wir unser Zeitkonto durch diese Zwangspause arg strapaziert haben, entscheiden wir uns Richtung Norden zu orientieren und den Rest der Strecke bis in die Ukraine durch Sibirien abzureissen, statt quer durch Kasachstan zu fahren, mit dem Risiko auf schlechten Pisten noch mehr Zeit zu verlieren.

Die Strasse Richtung Norden soll zwar auch schlecht sein, aber das was wir derzeit unter den Stollen haben, ist sehr gut und wir schaffen einiges an Strecke. Rechts und links gibt es nicht viel zu sehen, weite Steppe unterbrochen von wenigen Ortschaften. Heiss ist es natürlich auch, aber so langsam haben wir uns daran gewöhnt. Die ersten Ausläufer des Balquash-See sind daher ein Grund eine Pause einzulegen. Das Wasser ist piewarm, der Boden schlammig und die grossen, weissen getrockneten Flächen sehen aus wie Salz, aber salzig ist hier nichts. Die Tücher zum Kühlen unserer Getränke brauchen jedenfalls mal wieder massig Flüssigkeit und die Waschwasserflasche wird auch noch aufgefüllt. Auf der anderen Strassenseite sehe ich einen Pelikan - damit habe ich in Kasachstan nun garnicht gerechnet. Er ist zwar weit, weit weg, aber dank Tele doch als Beweisfoto dokumentiert.

Fast 200km führt diese Strasse am See entlang - kurz bevor es hinaus in die Wüste geht, suchen wir uns einen Platz zum Zelten. 2km querfeldein, von der Strasse entfernt, direkt am Seeufer findet sich ein nettes Plä tzchen und mit Schilf, Gestrüpp und trockenen Wurzeln lässt sich sogar ein Lagerfeuer entfachen, um die Mücken zu verscheuchen. Inzwischen wissen wir auch was die Ursache für die weissen Flächen ist. Es handelt sich um Kalk, denn die Kühltücher lassen sich fast brechen, so hart sind sie im getrockneten Zustand und die schwarzen Spannriemen sind jetzt weiss. Das Wasser hier direkt am grossen See ist zum Glück etwas weicher und das Waschwasser von vorhin muss einer erneuten Füllung weichen. Eine sternenklare Nacht schliesst sich an, aber für ein Milchstrassenfoto ist es hier irgendwie zu hell. Schade, irgendwann klappt das sicherlich mal. Am Morgen krabbelt da was in meinem Gepäck. Eine richtig grosse Spinne mit ca 8cm Durchmesser. Das blöde Vieh stellt sich aber sofort tot, sobald man etwas zu nahe kommt oder versucht sie etwas besser zu positionieren. Somit gibts davon leider kein so schönes Foto.

Gold Wings und Stau

Die Kelle der Polizei ignorieren wir einfach und fahren weiter. OK, da war Überholverbot, aber wenn 5 Autos vor einem überholen, fährt man halt hinterher. Die Rennleitung war sicherlich glücklich soviele auf einen Schlag rauswinken zu können und uns galt das wohl auch, aber wir haben keine Lust auf Diskussionen und ausserden in die andere Richtung gesehen...
3 polnische Motorradfahrer auf 2 GoldWings und einer grossen Reise-BMW kommen uns entgegen. Die wollen nach Tadschikistan - davon raten wir aber dringendst ab. Ich weiss nicht, ob mit diesen schweren Motorrädern die Pässe sinnvoll sind und ohne Passtrasse kommt man derzeit aus dieser Richtung noch nicht nach Dujanbee. Usbekistan soll ja auch ganz schön sein...

Schon wieder eine Ortschaft mit dichten Verkehr - es ist schon seltsam: hunderte Kilometer kaum ein Auto und dann steht man im Stau. Astana ist laut unserer Karte eine relativ kleine Stadt, in der Realität aber doch schon etwas grösser und nach Stau, Irrfahrt und Tanken, finden wir den Weg auch wieder raus. Eine dreispurige Autobahn an der sich links und rechts landwirtschaftliche Flächen häufen ist wieder prima zum Kilomterfressen. Es gibt aber kaum Ausfahrten und nur wenige Parkplätze, geschweige denn Tankstellen. Von einer der wenigen Haltemöglichkeiten führt ein unbefestigter Weg zu einer alten Kolchose - den fahren wir mal rein und suchen einen Zeltplatz. Zwischen einem kleinen Wäldchen, einer grossen Brachfläche und Feldern findet sich schliesslich eine brauchbare Stelle. Das Murmeltier in der Nähe motzt die ganze Zeit über die Störung, die wir verursachen. Wir motzen auch, nämlich über die Mücken, die hier zu Milliarden über uns herfallen, aber es gibt auch genug Holz für ein Feuer und im Zelt muss ich nur eine einzige Mücke jagen.

Für ein Frühstück in der Ecke reichen aber die Nerven nicht aus und so bauen wir zügig ab und fahren nach vorne zum Parkplatz, um dort, ohne Attacken auf unser Blut, die Lebensgeister zu erwecken. Wenn die Autobahn so weiter bis zur Grenze geht, schaffen wir es heute evtl noch bis Russland. Kaum gedacht, schon kämpfe ich mit tiefen Sandrinnen, Schlaglöchern und massig Staub. Eine 18km lange Baustelle markiert das Ende des schönen Dahingleitens und danach gibt es wieder riesige Bitumenflächen, Bodenwellen und andere Unanehmlichkeiten, die eine Piste so zu bieten hat.

Bitumen und anderer Mist

Das Bitumen scheint bei der Hitze durch die LKWs regelrecht aus dem Asphalt gedrückt zu werden. In den Spurrinnen sammelt es sich kilometerweit und wir hatten sogar einen Abschnitt, da stand das Zeugs zentimeterdick und schlammig an der Oberfläche.

"I'm OK! - really OK!"

sage ich zu dem Kamazfahrer, nachdem ich mich wieder aufgerappelt habe. Ob der Tiger OK ist, muss ich mal sehen...
Gerade eben habe ich den LKW überholt, dann die Tankstelle gesehen, hinten gebremst, gemerkt, dass das Hinterrad auf dem Bitumen rutscht, Bremse gelöst und dann wollte das Vorderrad nicht mehr dahin wo ich hin wollte. Der Tiger steht wieder, lässt sich aber nicht mehr so richtig schieben - irgendwas blockiert da. Schau ich mir später an, erstmal muss der rechte Koffer wieder dran und der Tankrucksack ist auch ab.

"Na toll!"

Das Halteschloss des Koffers ist kaputt, am Tank ist der Quicklockhalter gebrochen und warum lässt sich das Mopped so schlecht schieben? Das Kettenblatt ist verbogen! Der Kamaz ist über das Hinterteil des Tigers gefahren und neben dem verbogenen Antriebszahnrad hat es auch noch 7 Speichenkopfschrauben erwischt - allesamt gebrochen. Gemeinsam mit Thomas schieben/rucken wir die Maschine auf die Tankstelle in den Schatten, um genauer zu sehen, was kaputt ist. Das Kettenblatt bekommen wir mit einem Brecheisen wieder einigermassen gängig, aber die 7 Speichen? Thomas wickelt Kabelbinder drum und ich soll langsam bis zur nächsten Stadt fahren.

"Damit fahre ich nicht! Das müssen wir irgendwie hier hinbekommen!"

meine ich zu Thomas. Hilfe naht in Form eines Kunden der Tankstelle, der das wohl reparieren kann.

Wir bauen das Hinterrad aus und Thomas, da er zumindest etwas Russisch kann und wohl eher klar kommt als ich, fährt mit. Ich bleibe derweil auf der Tankstelle und finde eine Lösung für das Tankrucksackproblem. 2 Spanngurte zum Sturzbügel halten den jetzt. Wird zwar doof beim Tanken, aber es funktioniert. Nach 2 Stunden kommen Thomas, die Helfer und mein Hinterrad wieder. Die Speichen wurden mit Ersatzspeichenschrauben einer Ural repariert und das Kettenblatt mit einem Hammer noch etwas flacher geschlagen. Aber das Rad eiert jetzt extrem (alle Speichen wurden fest angezogen - das verzieht natürlich alles, unabhängig von der Kamazeinwirkung) und das Kettenblatt hat auch noch gute 5mm Seitenschlag (Video). Egal - sind ja nur noch 6000km bis nach Hause.

Diese Piste wäre mit dem kaputten Hinterrad nicht zu schaffen gewesen, Schlaglöcher und Wellen sorgen für extremen Stress am Federbein und an der Felge, da hätten 7 fehlende Speichen schnell für einen Totalschaden gesorgt. Unter 40km/h meldet das Popometer heftige seitliche Ausschläge, langsame Kurven sind mit ihren Auf und Ab gewöhnungsbedürftig und ab 120km/h fängt das Mopped an zu pendeln. Bei unserer normalen Reisegeschwindigkeit von 50-100km/h ist aber alles OK.

"Das sieht schlimm aus!"

meint Thomas, denn ich habe den Schlag in der Felge noch nicht gesehen und will es auch nicht sehen, bevor ich zuhause bin - das könnte sonst wieder so eine Kopfsache werden. Andere Verkehrsteilnehmer sehen das aber und machen mich den Rest der Tour voller Panik darauf aufmerksam. Danke dafür, auch wenn es irgendwann nervt - und nein - ich sehe mir das wirklich nicht an, besser nicht zu wissen, wie das von hinten aussieht, sondern immer dran denken, dass Achse und Nabe korrekt sitzen.

Es ist schon zu spät für die Grenze, so übernachten wir in einem kleinen Hotel, das sich knapp 50m vor dem Schlagbaum befindet. Fast 500km bin ich nun schon wieder seit dem Crash heute vormittag gefahren - etwas schmerzbefreit muss man wohl sein ... ;-)

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 3o.o7.2o1o