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nach Almaty
Hotelblick
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Kulturelles
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gestapelt
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getrocknet
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endlich
endlich Teile

Kasachstan

Kasachstan  Vollgas geben funktioniert übrigens mit dem Tiger garnicht mehr - die Kupplung rutscht sofort durch. So fahre ich sanft und ohne Hektik Thomas hinterher und Überholaktionen werden lange geplant, um dann geschmeidig vorbeizubeschleunigen. Das Problem sind die leichten Steigungen, an denen ich immer wieder Geschwindigkeit verliere. Aber zumindest komme ich voran und das hält hoffentlich alles noch ein paar tausend Kilometer.

Aus den paar tausend Kilometern sind dann nicht mal 1000, 100 oder zumindest 50km geworden. Knapp 30 Kilometer später fehlt, nach einer kleinen Pause, wieder der Vortrieb. Diesmal stehen wir aber an einem Restaurant, da sollte es ein leichtes sein das Motorrad in die nächste Stadt zu bekommen.

Endgültig kaputt

Der Cafebesitzer versucht Autos auf der Strasse anzuhalten (das hätten wir auch gekonnt), aber da das nicht vom Erfolg gekrönt wird, telefoniert er (das ist das was wir wollten) und findet schliesslich jemanden, der uns in die nächste grössere Stadt bringt. Die Verladung ist recht einfach, da die Treppe zur Terasse als Rampe dient. Nach knapp 50km werden wir in Shymkent vor einem Hotel abgesetzt. Das ganze kostete mal wieder 100$, aber was solls - wenn wech dann wech. Im Hotel sind die Preise ans Zimmer gebunden. Man darf mit sovielen Leuten übernachten, wie reinpassen. Der einzige Unterschied im Preis ist die Etage - ganz oben im Fünften ist es am billigsten. Im Ersten am teuersten - mangels Fahrstuhl wählen wir natürlich unten ;-)

Zwei Optionen habe ich jetzt: Einen LKW besorgen, der mein Mopped und mich bis in den europäischen Teil von Russland bringt, also einmal quer durch Kasachstan oder in Deutschland Ersatzteile bestellen und vor Ort reparieren. Ich rufe Jörn, einen guten Freund in Frankfurt, an und erkläre ihm das Problem. Er setzt sich kurzerhand mit dem ADAC und meinem Freund und Schrauber Heiko in Verbindung, bestellt die notwendigen Teile bei einem Händler und organisiert den Transport über den ADAC nach Kasachstan. Leider ist in Deutschland Himmelfahrt und wir verlieren dadurch mindestens einen Tag.

Seit 2 Tagen sitzen wir nun schon hier in Shymkent ohne wirklich irgendwas tun zu können. OK - Wäsche waschen, täglich mehrmals duschen, denn es ist auch hier recht warm und in der Gegend spazieren gehen, lässt auch die Zeit vergehen, aber so richtig gut drauf bin ich im Moment nicht und kann dazu nicht richtig laufen (die Erklärung folgt noch). Nervend ist auch die Huperei in dieser Stadt. Das Hotel liegt an einer Kreuzung und man hört jedesmal ganz genau wann Grün wird. Ein Internetcafe gibt es auch nicht, aber zumindest einen Geldautomaten in der Nähe, denn ohne kasachisches Geld läuft im Hotel garnichts.

Einen dicken Haken hat aber die Sache mit den Ersatzteilen - das Paket geht ins 750km entfernte Almaty, da dort der einzige internationale Flughafen mit Zoll in Kasachstan ist. Und einen Paktedienst, der das hierher bringen würde, gibt es wohl nicht. Mir graut bei dem Gedanken in die Hauptstadt zu fliegen, mich dort ohne Russischkenntnisse zum und durch den Zoll zu kämpfen und dann hoffentlich mit Teilen wieder zurück zu fliegen.

Thomas Russischlehrerin kommt übrigens aus Almaty und hat dort eine deutschprechende Freundin, von der wir auch die Telefonnummer haben, um sie evtl zu besuchen. Das war zwar garnicht geplant, kommt uns aber jetzt sehr gelegen. Wir entscheiden also nach Rücksprache mit Irina, der Freundin, dass wir die Motorräder bis nach Almaty transportieren, dort vor Ort eine Werkstatt suchen und auch gemeinsam zum Zoll gehen. In Deutschland würde ich jetzt einfach einen kleinen Transporter mieten und losfahren. In Kasachstan mietet man aber den Fahrer mit und der will natürlich auch wieder nach Hause. Irina organsiert daher in Almaty jemanden, der uns hier abholt.

Almaty

Ein LKW mit hydraulischer Laderampe (geil!) und Fahrer fährt die 750km hierher, verlädt die Maschinen, quetscht uns mit in die Fahrerkabine und dann gehts 750km zurück. Die Fahrt ist quälend, denn ich sitze auf dem Motortunnel und muss die ganze Zeit zusehen, wo und wie ich meine Beine unterbekomme. Auch ist das Polster an der Stelle nicht so dick wie das des Fahrers oder von Thomas, der mit seinen langen Beinen natürlich den Fensterplatz bekommen hat.

Einen Vorteil hat die Fahrt aber - hier ist jetzt Kirgisien, denn die Strasse von Shymkent nach Almaty führt ohne Grenzkontrolle über kirgisisches Gebiet - wir haben also alle Zielländer unserer Tour zumindest besucht. Für einen Aufkleber auf den Koffern ist das aber nichts und somit muss ich hier nochmal herkommen.

Nach quälenden Stunden, wenigen Pausen und ein paar Polizeikontrollen inkl dubioser Zahlungen, liegt endlich Almaty vor uns. Eine Werkstatt hat Irina bereits gefunden und benachrichtigt - jetzt müssen nur noch die Teile aus dem Zoll geholt werden. Die Versandbestätigung und Frachtnummer hat der ADAC mir schon per EMail zugesandt.

Die Werkstatt entpuppt sich als eine reine Motorradwerkstatt - in einer grossen Halle stehen zig teilzerlegte Maschinen und auf dem Hof neben Japanbikes und einigen BMWs jetzt auch mein Tiger. Die Ersatzteile sind sicherlich auch schon in Kasachstan, aber da der Zoll Wochenende macht...

Zurück im Hotel fehlt mein Handy - ich habe es wahrscheinlich im Taxi verloren. Ein Testanruf bringt sofor die Mailbox hoch, d.h. jemand hat es gefunden und entweder ausgemacht oder aber gleich die SIM-Karte rausgenommen. Ärgerlich, aber das Teil hatte schon ein paar Jahre auf dem Buckel und mehr als 10EUR war es sowieso nicht mehr wert. Wir haben ja für Notfälle noch Thomas Handy, aber leider sind alle meine Kontaktnummern natürlich auch weg (sollte man vorher doch mal sichern und/oder ausdrucken). Ich werde aber eine E-Mail schreiben, sobald wir ein Interntecafe finden.

Stadtbesichtigung

Irina zeigt uns an 2 Tagen ein bischen die Stadt und die Sehenswürdigkeiten. Da ihr Mann für ein paar Tage bei Verwandten ist und das Auto mitgenommen hat, greifen wir auf private Taxis zurück. Dazu stellt man sich den Strassenrand, zeigt, dass man irgendwohin möchte und handelt dann den Preis aus, falls das Taxi da auch hinfährt. Für den heutigen Sonntag hat sie einen Taxifahrer besorgt, der uns den ganzen Tag durch die Gegend kutschiert. Zuerst geht es in die Berge und zu den Austragungsorten der asiatischen Winterspiele, die hier stattfinden werden. Danach mit der Seilbahn auf einen Aussichtsberg, wo es sogar Glühwein zu kaufen gibt, der aber bei der Hitze wohl eher als Ladenhüter sein Dasien fristet. Ein Park und einige Denkmäler schliessen sich an und jetzt sind wir in einem grossen Bazar, um noch etwas Obst zu kaufen. Hier werden die Leckereien aber nicht einfach in eine Kiste gepackt, sondern kunstvoll gestapelt - die Versuchung ist gross, mal den untersten Apfel rauszuziehen ;-) Alles in allem ein recht kurzweiliger Tag in einer Stadt, in die wir eigentlich garnicht wollten.

Heute steht der Zoll an - mal abwarten was die wieder an Geld haben wollen... Dank Irina kommen wir recht gut durch - alleine wäre ich wohl um einiges länger, als die 3 Stunden, da hin- und hergelaufen, um die notwendigen Zettel und Papiere auszufüllen. Der ADAC hat sinnigerweise ein Schreiben auf Russisch beigelegt, auf dem steht, dass ich die Teile für mein Fahrzeug brauche und sie somit wieder ausser Landes verbracht werden. Die Altteile müssen ebenfalls mitgenommen werden. Dieser Zettel, der zuerst unbeachtet in den Papieren lag, hat dann zur Ursache, dass ich sage und schreibe 30 Tenge an Gebühren zu entrichten habe und keine weitere Steuer. Da habe ich schon ganz andere Summen genannt bekommen: Olaf musste z.B. in der Mongolei über 100$ für sein Federbein zahlen. Ach ja: 30 Tenge sind ca 0,20 Euro - dafür macht kein europäischer Beamter eine Schublade auf ;-)

Danke Irina, dass es so gut geklappt hat, danke dem ADAC, dass sich das Plus auch mal auszahlt und besonderen Dank an Jörn und Heiko, die das in Deutschland alles in die Wege geleitet haben. Schön wenn man sich auf Freunde verlassen kann.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 30.o7.2o1o