langer
langer Abend
in
in Usbekistan
gefrustet
gefrustet

Wieder beruhigen und weiter

Usbekistan  Und wo schlafen wir jetzt? Einen Zeltplatz zu finden, wird jetzt nicht mehr klappen, denn man sieht zwar die Strasse, aber rechts und links ist es tiefschwarz. Da vorne ist ein Schaschlickstand - da fragen wir mal. Ein Mitarbeiter läuft zu einer Baustelle gegenüber und kommt etwas später mit einem netten älteren Mann zurück. Wir haben Glück - die Baustelle ist eine Gastiniza und ein Zimmer ist wohl immerhin schon soweit fertig, dass Fenster und Türen montiert sind. Ein Bett steht da auch schon drinnen, das ich - nach Sitzprobe - gerne Thomas überlasse, denn die Federn machen daraus eher eine Hängematte, denn ein Bett. Der Wächter packt noch ein paar Decken auf den Boden, auf die mein Schlafsack kommt. Fliessend Wasser gibt es im anliegenden Bach und klomässig ist's wie üblich irgendwo um die Ecke.

Ein längerer, netter Abend am Schaschlickstand schliesst sich an und wir vergessen schnell der Ärger an der Grenze. In der Nacht werde ich wach, als irgendwas heftig im Zimmer Krach macht:
Thomas ist auch auf den Boden umgezogen...

Ein Dusche wäre jetzt eine prima Sache, also suchen wir uns ein besseres, aber leider auch mal wieder teures, Hotel in Taschkent. Brütend heiss ist es draussen, aber mit Klimaanlage lässt sich das gut aushalten.

Es ist noch recht früh am Tag und der Hunger treibt uns in einen Burgerladen, dessen Burger aber wirklich nur zum Hunger stillen reichen. Immerhin ist die Cola kalt und wir müssen jetzt auch noch Wasser bunkern. Was zu Schnöckern wäre auch nicht schlecht. Der Supermarkt erinnert eher an einen Bazar - es gibt einen Ecke mit Süssigkeiten und eigener Kasse, eine Ecke mit Getränken und eigener Kasse, eine Ecke mit Waschmittel und eigener Kasse und mittendrin ein Rondel mit Keksen und ...na was wohl? - eigener Kasse. Man wird aber sanft und mit Nachdruck zur richtigen Kasse geschickt, so dass jede Abteilung ihr Geld bekommt.

Der erste Grenzübergang im Norden ist geschlossen und der zweite etwas weiter westlich nur offen für Kasachen und Usbeken, aber nicht für uns. Wir dürfen knapp 70km südwestlich fahren und da soll es wahrscheinlich einen internationalen Übergang geben. Wahrscheinlich deshalb, weil die Erfahrung in Tadschikistan uns noch in bester Erinnerung ist. Den Weg dahin würde ich mal die korrupteste Fahrt dieser Tour nennen.

Alkoholprobleme

Der erste Polizist hat sein Radargerät auf dem Autodach liegen und immer wenn es piept, fischt er sich jemanden raus. Thomas ist vorbei, ich hänge hinter einem Auto fest und werde dann trotzdem rausgewunken - angeblich zu schnell. Wie er das hinter dem Auto, das weiterfahren durfte, messen konnte, bleibt ein Rätsel und ich stelle es dementsprechend in Frage. Ruckzuck wird dann die Strategie seitens des Beamtens geändert und mir wird ü bermässiger Akloholkonsum vorgeworfen. Zuerst darf ich in meinen aufgeklappten Reisepass pusten und der korrupte Typ schnüffelt daran rum. Um mich endgültig zu überführen, holt er ein Messgerät, das aussieht wie selbstgebastelt, raus, pustet 3x drauf und die Leuchtdiode ist grün. Er gibt mir das Gerät, ich puste dreimal und die Anzeige wechselt zu Rot - da scheine ich wohl den versteckten Knopf nicht richtig gedrückt zu haben. OK, dann will ich jetzt einen Arzt.

"Doctor! Doctor! Protocol!"

sach ich nur und zeige auf meinen Unterarm. Er beginnt in seinen Papieren zu wühlen, tut so, als wenn er irgendwo anrufen will und faselt was von Protokoll. Ich beharre auf einer Blutabnahme und darf dann, besoffen wie ich scheinbar bin, doch weiterfahren.

Keine 20km weiter nutzt Thomas wieder den Überraschungseffekt, fährt vorbei und mich erwischt es an der Polizeistation. Diesmal ist es eine Verkehrskontrolle. Der mit den 2 Sternen auf der Schulter meint ich soll weiter fahren, der mit den 3 Sternen ruft mich jedoch in den Glaskasten. Der Reisepass wird gemächlich Seite für Seite genau kontrolliert, etwas gestutzt bei den handschriftlichen Visaergänzungen und schliesslich werden Passnummer, Motorrad und andere Daten in ein dickes Buch eingetragen. Mein Name lautet ab sofort Herr Stettiner Strasse - gut... korrigieren will ich hier jetzt nichts, wenn sie das meinen, sollen sie das so eintragen, denn es nervt nur noch. Endlich sind sie fertig, hätte ich gleich Geld in den Pass gelegt, wäre es schneller gegangen, wie bei anderen zu beobachten ist.

"Doctor! Doctor! Protocol!"

...und schon wieder lalle ich nach einem Arzt. Diesmal am ersten Grenzkontrollpunkt. Hier kommt aber kein selbstgebasteltes, sondern ein selbstgedrehtes Messgerät zum Einsatz. Ein DIN A4 Blatt wird trichterförmig eingerollt, ich soll reinhauchen und der Beamte nimmt dann einen vollen Zug aus der Tüte (klingt mehrdeutig, aber die Typen müssen bekifft gewesen sein). Hackedickevoll wie ich anscheinend bin, soll das gefälligst ein Arzt nachweisen, denn Schnüffelbeweise akzeptiere ich nicht. Irgendwann geben dann auch die Beiden auf und es geht weiter. Die wollten alle nur Geld und der positive Eindruck, den wir vom ersten Besuch in Usbekistan hatten, wurde durch diese Typen nachhaltig zerstört. Usbekistan ist im Bereich um Taschkent durch und durch korrupt und ich kann jedem empfehlen eine anderen Grenzübergang zu suchen, wenn man ihn denn findet.

Jetzt geht's wieder 70km quasi an der Grenze entlang gen Norden. Da ist auch schon wieder der Grenzübergang, der den Einheimischen vorbehalten ist und da vorne der Fernsehturm von Tashkent. Ist schon irgendwie doof wie das hier geregelt ist. Aber egal jetzt steht Kasachstan auf dem Programm mit dem Ziel Aralsee.

Kasachstan

Kasachstan  In der ersten grösseren Stadt wird es Zeit zu Tanken, aber vorher muss noch Geld gewechselt werden. Während Thomas in der Bank ist, warte ich draussen, sehe wie langsam die KTM kippt und 2 Kasachen dahin rennen. Gnaz knapp fangen sie die Maschine noch ab. Hier hat sich mal wieder der Seitenständer in den Boden gebohrt, weil der Asphalt aufgrund der Hitze richtig weich ist. Eine platte Getränkedose sorgt für festeren Stand. Beim Tiger ist schon vor Jahren eine grössere Standplatte an den Seitenständer geschweisst worden - die Probleme kenne ich zum Glück nicht mehr.

Eine Frau spricht mich in gebrochenen Englisch an und fragt die üblichen Dinge. Sie ist Englischlehrerin an der örtlichen Schule und ganz begeistert endlich mal mit jemanden zu reden, der so gut Englisch spricht (naja...). Das ist das Problem mit der englischen Sprache hier. Der Wortschatz ist gross, aber die Wörter werden falsch ausgeprochen und es klingt häufig eher nach Russisch, als nach Englisch.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o7.2o1o