dunkle
dunkle Aufahrt
er
er ist noch da
kalt
kalt und dreckig
Schlepper
Schlepper
ver(d)reckt
ver(d)reckt
1.Rep-Versuch
1.Rep-Versuch
wieder
wieder unterwegs

Hoffnungsschimmer

Tadschikistan  Unser Helfer telefoniert tüchtig mit seinem Handy und es findet sich tatsächlich jemand mit einem kleinen Transporter, der sich bereit erklärt da hoch zu fahren. Zuerst werden wir zu einem Hotel ...aehm ... zu einer Absteige gebracht, um das Gepäck loszuwerden. Inzwischen ist es stockdunkle Nacht. Thomas bleibt in dem Gasthaus und ich werde zurück zur Reifenwerkstatt gefahren. Es dauert dann nochmal quälend lange 45min, bis der Transporter auftaucht. 80cm Ladekante und keine Laderampe oder zumindest ein Brett, verheisst noch einen netten Kraftakt. Ein zweiter PKW kommt aber ebenfalls mit und mit 5 Mann fahren wir schliesslich den Weg zurück. Die ganze Fahrt über male ich mir aus, wie der Tiger jetzt wohl aussieht - ist er überhaupt noch da, hat ihn ein LKW in den Dreck gedrückt oder gar den Berg runtergestossen?

Von den abgestürzten Autos ist nichts mehr zu sehen, das Licht des Mondes reicht nur dazu, eine grau-schwarze Kante links vom Auto auszumachen. Und die Schlaglöcher, die man am Tag noch gut sieht, sind jetzt die Ursache für häufiges Anstossen mit dem Kopf in diesem zierlichen Japantransporter.

"Steht er noch da?"

ist im Grunde das Einzige an das ich denken kann. Wir sind jetzt auf der Passhöhe und nun müsste es bald soweit sein. Am Tag lag da noch ein umgestürzter LKW am Wegesrand, wenn wir den sehen, sind es nur noch drei Spitzkehren. Kein LKW weit und breit, den kann man doch nicht so schnell wegräumen, aber irgendwie sind wir nach meinem Gefühl auch schon zu weit gefahren ohne das Motorrad zu sehen...

"Yeah! Da steht der Tiger!"

Genauso wie ich ihn zurückgelassen hatte, nur noch ein bischen mehr verdreckt und inzwischen mit Rauhreif überzogen. Kalt ist es hier oben und nun muss die Kiste in den Transporter, was sich mit 5 Mann zwar leicht anhört, aber mal ist der Motorschutz im Weg, dann stören die Spiegel...aber schliesslich liegt er im Wagen. Der rechte Spiegel und der hintere linke Blinker sind allerdings dabei draufgegangen...aber ich will mal nicht meckern. Jetzt nur noch diese Piste zurück. Jedes Schlagloch und jede Welle lassen unangenehme Geräusche aus dem Laderaum nach vorne schallen. Mal sehen wie das Tier unten ankommt...

Als wir endlich wieder Asphalt unter den Rädern haben, wird noch ein kleines Restaurant angefahren und etwas gegessen - hoffentlich ohne Baumwollöl. Ich halte mich statt an Wodka an ein Bier und zahle nochmal 100$ für Sprit und Arbeit. Damit hatte ich schon gerechnet und ist ja auch OK.

Gegen 2 Uhr morgens sind wir am Hotel und der Tiger steht unten in der Garage - da gabs 'ne Rampe, so dass keine weiteren Schäden zu beklagen sind. Morgen kommt ein KFZ-Mechaniker, der sich das ansehen will.

Reparatur

Der Schrauber meint, er bekommt das hin! Wir schieben die Kiste bis zu seiner Werkstatt, die sich auf einem Hinterhof in der Nähe findet. Schnell hat er die Kupplung zerlegt, die Scheiben sind glatt und er lässt sich was einfallen. Solange sollen wir im Hotel warten. Langweilige Stunden bei Bullenhitze schliessen sich an und ich hoffe jeden Moment einen Triplemotor zu hören.

Am frühen Nachmittag ist es soweit - der Tiger rennt wieder. Die Kupplung rutscht zwar ein bischen, aber er fährt und evtl reicht es ja bis nach Deutschland oder zumindest bis nach Europa, um dort den ADAC anzurufen. Jetzt will derjenige, der sich um alles gekümmert hat auch noch Geld, um den Schrauber bezahlen. Ich gebe dem Mechaniker besser direkt das Geld - die 100$ sollten eigentlich genug für unseren Helfer sein. Als er dann noch anfing wegen Spritgeld für seinen Daimler (damit sind wir ca 3km gefahren) werde ich dann doch etwas unhöflich, auch weil er mich gestern die ganze Zeit vollgelabert hat, ich solle für ihn bürgen, wenn er nach Deutschland kommt und er möchte meine Anschrift, damit er das den Behörden geben kann... danke für die Hilfe, aber irgendwann ist auch mal Schluss...

Feindbild Grenzer

Usbekistan  Nun sind wir wieder unterwegs und suchen den Grenzübergang im Norden. Das Kartenmaterial hat aber mit der Realität irgendwie nix zu tun. Und wenn wir jemanden Fragen gehts mal in die eine Richtung oder in die Andere. Selbst die Polizei weist uns den falschen Weg - hier scheint keiner jemals weiter als 10km gekommen zu sein. Der Grenzübergang befindet sich knapp 50km nördlich von Kuhjand und scheint recht neu zu sein. Die Strasse dahin ist jedenfalls in einem erstklassigen Zustand und eines der Bushäuschen dient diesmal als Sonnenschutz. So wird es recht spät, als wir endlich an die Grenze bei Buston kommen. Da nur Ausländer passieren dürfen, hoffen wir es aber zügig zu schaffen.

"That was english! ...du Arschloch!"

entfährt es mir. Mit Wut im Bauch mache ich den usbekischen Grenzer an. Die scheinen Langeweile zu haben und seit fast 2 Stunden filzen sie uns. Das Ausfüllen der Deklaration ging zügig, Passkontrolle war schnell, jetzt nur noch den Zoll. Inzwischen stehen 6 Grenzer, die kurz vorher noch mit einer leeren Plastikflasche Fussball gespielt haben, um unsere Motorräder und palavern. Die haben echt nix zu tun, denke ich mir. Anstatt nun einfach die Koffer zu öffnen, soll jetzt alles Gepäck vom Motorrad demontiert werden und in das Gebäude zum Röntgenscanner geschleppt werden. Es ist immer noch bullenheiss und ich frage ungläubig ob sie das Ernst meinen - die meinen das Ernst und wechseln in einen Befehlston. Wir wuchten also den ganzen Scheiss da rein, währendessen die Grenzer feixen und mit Sprüchen wie

"Do you have a problem?"

mich echt auf die Palme bringen. Ich lass die schweren Koffer mit Absicht auf den Scannertisch fallen - leider ist da nix kaputt gegangen. Schliesslich ist alles gescannt, wobei ich bezweifel, das die überhaupt richtig hingesehen haben, denn dann hätten die Tüten mit Trockenmilch und mit löslichen Kaffee schon auffallen sollen, denn sie suchen nach Drogen. Das erfahren wir, als wir den Kram wieder rausschleppen und am Mopped montieren wollen. Sofort werden wir barsch zur Seite geschickt, sollen uns ja nicht den Motorrädern nähern und Thomas versteht was in der Art, dass die Maschinen morgen gescannt werden sollen. Ich laber den Grenzer mit minimalen Englishkenntnissen, der da irgendwie den dicken Macker macht, voll und frage auf Englisch wie er sich das vorstellt und wo wir dann schlafen sollen.

"Don't talk German to me - speak English"

meint er nur und ich, durchgeschwitzt, genervt, müde und stinksauer antworte wie oben beschrieben. Thomas hat aber wohl was falsch verstanden, denn jetzt kommt irgendeine Promenadenmischung und die schnüffelt eher lustlos an den Moppeds rum - das ganze hat mit den Drogensuchhunden, die man so kennt, wenig zu tun. Schliesslich dürfen wir die Motorräder unter den (hämischen?) Kommentaren der Anwesenden wieder beladen und in inzwischen stockdunkler Nacht auch die Grenze passieren.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o7.2o1o