wieder
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knuddelich
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DriveIn
DriveIn Repair
Richtung
Richtung Norden
tolle
tolle Strasse
Fluss
Fluss
Dreckskurve
Dreckskurve
und
und nun?

Abgebrochen

Tadschikistan  Das ABS an der KTM ist ausgefallen. Wir sitzen hier im Sonnenschein auf der Terrasse einer Raststätte, die ein paar Kilometer hinter unserem Zeltplatz zum Frühstück und zur Reparatur des ABS einlud. Während Thomas ein Steinchen aus der gebrochenen ABS-Sensorscheibe entfernt, bewundere ich die Mechaniker an der zugehörigen Werkstatt. Bei dem Mikrobus werden mal schnell 2 Reifen geflickt, während die Passagiere sitzen bleiben - hoffen wir nur, dass der Wagenheber das Gewicht auch trägt. Eine kleine Filzkugel wuselt zwischen den Beinen umher und ist scharf auf unsere Frühstü ckswürstchen. Hier gefällt es mir - die Sonne erweckt die Lebensgeister, es gibt was zu Sehen und auch was zu Knuddeln, aber ein paar Kilometer sollten wir schon noch machen...

Es geht wieder ins Hyatt, denn in Richtung Norden sind die Berge inzwischen auch in schwarze Wolken gehüllt und der Kasache, den wir mit seiner BMW GS800 auf dem Weg dahin getroffen haben, erzählt was von heftigen Regen. Ausserdem müssen meine Klamotten richtig getrocknet werden. Thomas baut sein Zelt im Zimmer auf, ich stecke den Föhn in die Stiefel und versuche nochmal - ohne Erfolg - am Motorrad-PC was zu retten. Jetzt ist auch noch der Stecker zum Monitor kaputt und es wird Zeit der Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Das wird nix mehr und die Reparatur muss bis zuhause warten. Schade, denn die Onboardvideos waren klasse und die Karten aus google haben uns sicher durch so manche Stadt geleitet.

Während ich draussen auf dem Parkplatz bastele, schlägt mir einer auf die Schulter - ich drehe mich um, da ist aber keiner. Noch ein schmerzhafter Schlag auf den Unterarm und da realisier ich erst, dass es mal wieder hagelt. Wobei Hagel eigentlich untertrieben ist - diese Eisklumpen sind so gross wie Golfbälle und genauso hart. Praktisch alle Autos auf dem Parkplatz gehen in den Alarmmodus, aber so schnell der Spuk gekommen ist, so schnell ist er auch wieder vorbei. Ein Glück dass wir hier sind und nicht irgendwo unterwegs davon überrascht wurden.

Jetzt haben wir aber wirklich massig Zeit, denn ohne Pamirhighway und ohne Kirgistan sind so einige Tage zuviel verplant. Da aber die Motorrad Zollerklärungen für Tadschikistan auslaufen, gehts nun Richtung Norden, um dort über die Grenze wieder nach Usbekistan zu kommen. Dann werden wir mal sehen, wie wir die weitere Strecke angehen.

Der Tunnel ist auch noch da, aber diesmal haben wir Glück: Autos fahren vor uns her und die Hindernisse sind erheblich besser und rechtzeitiger zu sehen. Der Gebirgsbach hat sich allerdings zu einem Gebirgsfluss verwandelt. Thomas schreit mir noch zu ich soll langsam fahren, aber nix da, wegen Langsamkeit hatte ich mich im anderen Bach hingelegt, also etwas mehr Speed diesmal. Das Wasser ist tief und es gibt wieder mal nasse Füsse und Klamotten, aber nur von der mächtigen Bugwelle, die ich vor mir herschiebe.

Panne

Immerhin scheint die Sonne, aber die reicht nicht aus die Strasse abzutrocknen, die teilweise einer Schlammwüste gleicht. Hinter Ayni fahren wir weiter gen Norden und der zweite 3300m Pass liegt vor uns. Da diese Piste scheinbar die Hauptroute nach Dushanbe ist, sind massenhaft PKW und LKWs unterwegs. Da ist mehr als nervig und die wühlen den feuchten Boden auch so richtig schön auf. In einer Spitzkehre mitten im Schlamm muss ich stoppen, weil so ein Kamaz da nicht hochkommt. Rangieren im Schlamm ist übrigens wirklich toll, aber schliesslich will ich vorbei. Gang rein, Gas geben, Kupplung kommen lassen und auf der Stelle stehen bleiben

"Was ist denn jetzt los?"

Nochmal den Gang rein, Kupplung kommen lassen... nix...

"Getriebe im Arsch?"

Zweiter Gang, Dritter Gang .. nix rührt sich. Der Motor heult auf, aber am Hinterrad kommt keinerlei Vorwärtsantrieb an.

"Kette gerissen?"

Leider nein, dann...

"Schei...! Das wird wohl die Kupplung sein - ausgerechnet hier"

Inzwischen staut sich der Verkehr hinter dem LKW und mir und ich winke einen LKW Fahrer zu mir, der meine Bemühungen die Maschine aus diesem Schlammloch zu bekommen, teilnahmslos beobachtete. Zu zweit schaffen wir es dann die Kiste auf trockeneren Untergrund zu schieben. Wir sind aber auf ca 3100m und jetzt macht sich die dünne Luft beim norddeutschen Tiefebenenbewohner bemerkbar. Der muss dann noch einige Male weiter schieben, weil einigen LKW Fahrern der ca ein Meter Platz nicht ausreichend erscheint. Fix und fertig warte ich auf Thomas, der ja vorweg fuhr und langsam merken müsste, dass da jemand fehlt.

"Was macht ihr wenn xyz kaputt geht?

Die Frage hört man ja oft vor so einer Tour, als Antwort gibt es immer ein

"Das sehen wir dann vor Ort"

Jetzt sehen wir vor Ort... noch, denn die Sonne schickt sich an für ein paar Stunden diese Planetenseite zu vernachlässigen. Wieder runterrollen ist ohne Motorbremse viel zu kriminiell. Nach oben auf den Pass schieben, erscheint auch keine wirklich gute Idee. Am besten wäre ein LKW, der mich mitnimmt. Aber alle die Thomas anhält, sind voll beladen - bei einigen sieht man es, bei anderen glauben wir es mal.

Dann ändern wir die Strategie und fragen ob jemand mich und mein Gepäck über den Pass in den nächsten Ort fahren kann. Jetzt sitze ich hier in einem Kadett und der Tiger bleibt einsam und verlassen da oben auf dem Berg zurück... Die Strasse ist ein Greul - rechts im Tal sind Unmengen von abgestürzten Autos und LKWs zu sehen. Riesige Kantenabrisse sind wohl die Ursache und bei diesem Wetter kommen noch richtig fette, wassergefüllte und schmierige Schlaglöcher dazu. Fast 30min dauert die Abfahrt und dann nochmal 30min bis zum nächsten - erfolgsversprechenden Ort. Der Fahrer ist KFZ Mechaniker und will mich zu seiner Werkstatt fahren, aber wo die ist, erschliesst sich mir nicht, deswegen sage ich nach ca 70km Stop und steige an einer Tankstelle aus. Zwischen all dem Gepäck baue ich den Campingstuhl auf, lasse die Schaulustigen gewähren und warte auf Thomas. Der lässt allerdings auf sich warten, weil er der Meinung war uns schon überholt zu haben - dass wir soweit fahren, damit hat auch er nicht gerechnet.

"Wie bekommen wir jetzt den Tiger da runter?"

Mit Hilfe von Eugen, den wir in Deutschland anrufen und der für uns übersetzt, können wir dem Tankstellenbesitzer und jemanden von der angrenzenden Reifenwerkstatt klar machen was wir wollen. Letzterer meint schliesslich, dass er sich für 100$ um alles kümmert und wir sollen uns keine Sorgen machen. "Seufz!" dein Wort in Gottes Ohr...

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o