Brückentechnik
Brückentechnik
Ziegen
Ziegen
nasse
nasse Durchfahrt
günes
grünes Tal
Strassenzustand
Strassenzustand
sie
sie nerven
durchwachsen
durchwachsen
mieses
mieses Wetter

Pamir-Highway

Tadschikistan  Nach ca 50km wir die Landschaft spektakulär. In tief eingeschnittene Täler, an hohen Steilhängen und an Gebirgsgflüssen vorbei, führt der Weg, der nach und nach keinen Asphalt mehr aufweist. Die schmale Piste schmiegt sich förmlich an die Berghänge und folgt deren natürlichen Formen. In jeder Kurve wartet eine Wasserdurchfahrt auf uns. Mal ist es eher ein Rinnsal, meist ein schmaler Graben und manche nehmen schon die Ausmasse von Bergbächen an. Durch dieses Wasser ist der Weg entweder schlammig, geröllhaltig oder einfach nur in einem miesen Zustand. Eigentlich trifft jedesmal alles zu. Man sieht auch, dass es hier die Tage heftig geregnet hat, aber noch ist alles fahrbar.

Ziegenherden, die ebenfalls auf den Wegen getrieben werden, sind schon nervig. Mehr als einmal blockieren bis weit über tausend Tiere das Vorwärtskommen. Mit Mühe hangelt man sich da durch, denn die Viecher reagieren nicht auf Hupen, dafür auf Motorengeräusch. Einige sind aber schwerhörig und so gleicht das Durchfahren doch eher Vorwärtsschieben und man hofft immer, dass man mit den Füssen auch festen Untergrund statt Schlagloch oder Pfütze erwischt, denn vom Boden ist zwischen all dem Fell nichts zu sehen. Mehrmals kann ich die Maschine gerade noch so ausbalancieren, aber bei der nun schon dritten Herde bin ich aufgrund des Durchfalls recht geschlaucht und die Masse der Tierleiber nimmt scheinbar kein Ende - schlussendlich suche ich mir einen Platz, halte an und lass die Ziegen ziehen, denn das wird mir zu anstrengend. Thomas ist komplett durchgekommen und muss nun wieder alle an sich vorbeiwandern lassen - Sorry!. Etwas weiter in einem Tal gibts dann genug Platz zum einfacheren Vorbeikommen an dieser Herde.

Erster Sturz

Tief eingegraben liegt der Bach vor uns. Er hat an den Rändern massenhaft Steine angehäuft und nachdem ich zwar das Wasser gemeistert habe, reicht der Schwung nicht mehr für das Geröll und in Zeitlupe lege ich den Tiger zur Seite. Aber mit Thomas Hilfe steht die Maschine wieder recht schnell und nach einer kurzen Adrenalinabbaupause gehts auch schon weiter. Leider habe ich mein altes Sitzbankfell, was mich durch soviele Länder begleitet hat, etwas luschig hinten drauf gepackt - es war das letzte Mal, dass ich es gesehen habe. Sollte aber eh nach der Tour einem Neuen weichen...

Das Wetter zeigt sich recht durchwachsen, leichter Nieselregen sorgt für schmierige Verhältnisse. Eine Weidefläche erscheint uns jetzt der ideale Platz für die Zelte. Etwas abseits der Strasse, relativ ebenerer Untergrund und kein Dorf in der Nähe, sowie die dunklen Wolken am Horizont lassen uns hier den Tag beenden.

In geplanter Fahrtrichtung ist immer noch alles dunkel, sollen wir weiter fahren oder nicht? Da ich ein paar Reparaturen zu machen habe (mein Bordcomputer will nicht mehr booten und das Rettungsimage hat einen CRC-Fehler), bleibe ich bei den Zelten und Thomas sondiert ohne Gepäck auf dem Motorrad zumindest bis zur Kontrollstation des Pamir-Highways die Lage. Ein paar Kinder kommen mich besuchen, erst sind sie recht schüchtern und zurückhaltend, nachdem ich sie aber nicht verscheuche, überwiegt die Neugier und sie tauen auf. Während ich mich noch mit den Kids beschäftige kommt Thomas wieder. Er hat es nicht bis zur Station geschafft, weil die Strasse weggespült ist - darüberhinaus sind nach Aussage eines Einheimischen heftige Regenfälle und Unwetter angekündigt. Wir bauen also besser die Zelte ab und brechen das Abenteuer Pamir hier endgültig ab. Die Kinder sind immer noch und haben sich von den netten kleinen Rackern zu nervenden Grabbelkids gewandelt. Alles wird angefasst oder sogar wieder vom Motorrad runtergenommen, wenn man es draufgepackt hat.

"Schokolade? Kann ich das haben? Brauchst du das noch? Hast du etwas Geld für mich?"

in diesem Tenor wuseln die Kids um einen herum. Das geht mir so langsam massiv auf den Senkel und ich bin froh als wir loskommen. Meine Tankrucksackregenhaube ist allerdings weg... was die damit wollen? Keine Ahnung...

Premiere

Inzwischen werden die Wolken immer dunkler, leichter Nieselregen lässt nichts gutes erahnen und wir fahren den Weg zurück, den wir gestern gekommen sind. Teilweise ist es ganz schön schlammig und die kleinen Bachläufe sind heute allesamt etwas grösser. Der, den ich gestern nicht geschafft habe, muss auch bald kommen, hoffentlich klappts diesmal. Und es klappt - zumindest der Geröllbereich, denn als Weltpremiere kann ich hiermit meinen ersten Wasserumfaller kuntun. Wieder mal zu langsam gewesen und als ich merke, dass das so nichts wird, habe ich Gas gegeben, was aber das Hinterrad wiederwillig in eine Richtungsänderung gewandelt hat. Jetzt liege ich hier mit dem Kopf in Richtung Strömung und merke wie das Wasser hinten durch die Jacke bis zum Nacken fliesst. Schnell den Tiger ausmachen und schnell ist der dann auch aus dem Wasser wieder raus. Aber jeder Gang von mir wird mit einem "Sluurp" aus den Stiefeln quitiert. Ich schätze mal so ca 1l Wasser aus den Schuhen fliessen auf den schlammigen Boden.

"Ganz Toll, wirklich ganz toll - warum kann Thomas das und ich nicht?"

so ein schlechter Kradist bin ich ja nun auch nicht... Klitschnass gehts jedenfalls weiter - jetzt kann es von mir aus auch in Strömen giessen. Alle weiteren Schrecken der Strecke meistere ich problemlos - das scheint mal wieder so eine Kopfsache gewesen zu sein...

Als endlich wieder auf Asphalt unter den Rädern dahinfliegt, suchen wir erstmal eine Stelle, wo ich mich zumindest etwas abtrocknen kann. Ein kleines Cafe erscheint wie das Paradies, denn inzwischen regnet es mal wieder. Wir dürfen uns in einem kleinen Raum umziehen. Hier stehen 2 Metallbetten und ein paar Koffer mit Klamotten, das Kaffee ist scheinbar auch die Wohnung der beiden. Bei einem Tee entsteht der übliche Smalltalk und als Thomas die Videokamera rausholt, ist die Frau ganz überrascht, denn sowas hat sie vorher noch nie gesehen. Wie gut es uns geht, kann man erahnen, wenn man ihre Geschichte hört. 32 Jahre, 3 uneheliche Kinder in einem muslimischen Land. Sie kann sich glücklich schätzen, dass der Mann sie hier im Kaffee aufgenommen hat. Damit der Umsatz stimmt, kaufe ich noch Wasser und ein paar Schokoriegel, bevor es weiter geht...

Eigentlich sollte es einfach sein hier einen Platz zum Zelten zu finden, aber entweder ist es sumpfig, Ortschaften zu nah dran oder es gibt mal wieder keine ebene Fläche. Direkt neben der Strasse, die auf einem Damm gebaut ist, findet sich dann, etwas tiefer gelegen, ein brauchbarer Platz. Einige Bäume sorgen zumindest für minimalen Sichtschutz und das miese Wetter wird wohl auch andere davon abhalten, uns hier zu besuchen. Ich trockne soweit es geht die Sachen, entwässere den Koffer, der irgendwo einen Wassereinbruch hatte und dann gibts Spaghetti zum Abendbrot.

Thomas hat es aber etwas übertrieben - der Topf reicht für eine - gefühlte - zehnfache Portion einfach nicht aus. Eventuell sollten wir auf die nächste Tour einen Spaghettikochtopf mitnehmen, der könnte dann auch als Werkzeugrolle dienen, wenn nicht gekocht wird ;-)
Die ganze Nacht rollt ein Gewitter mit sintfluttartigen Regenfällen nach dem anderen über uns hinweg in Richtung Berge. Manch Donner lässt scheinbar das Zelt virbrieren - die Natur zeigt ihre ganze Kraft und wenn wir im Pamir geblieben wären, wären wir da mit Sicherheit gestrandet. Ich möchte nicht wissen, wie die Bachdurchfahrten jetzt aussehen, wenn es denn da überhaupt noch Strassen gibt.

  

next

- nach oben -


Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o