vor
vor Ashgabad
Richtung
Richtung Mary
eingezeichnete
eingezeichnete Route
abseits
abseits
Schutz
Schutz vor Sonne
Reiter
Reiter

Turkmenistan

Turkmenistan  Die Ausreise war wie erwartet sehr einfach, das Carnet ist korrekt ausgefüllt und nun stehen wir hier an der Turkmenischen Grenze. Oder man sollte besser sagen: laufen hier von Büro zu Büro. Ich hab nicht gezählt wieviele Stationen eigentlich abzuklappern waren, an jeder gab es einen oder mehrere Stempel, deren Sinn uns meist nicht ersichtlich ist. Aber einen Zettel mit einer Landkarte in die unsere geplante Route eingetragen wird, gabs bisher auch noch nicht. Und ein paar Dollar sind notwendig, um das subventionierte Benzin im Land nutzen zu dürfen.

Leider haben wir ja nur ein Transitvisum in Deutschland bekommen, obwohl die Grenzer es schade finden, dass wir keine offiziellen Touristen sind. Das müsstet ihr dann an die turkmenische Botschaft melden, die uns ein entsprechendes Visum nur mit teurer Einladung geben wollte. Ein, zwei interessante Dinge in dem Land sind es sicherlich Wert besucht zu werden, wie z.B. "Door to Hell", einem Gaskrater. Im Endeffekt ist es aber auch für uns nur ein Durchreiseland.

Alle Grenzformalitäten laufen zwar langwierig, aber auch vollkommen korrekt ab und nach 3 Stunden sind wir in dem Gebiet, in dem ehemalige Präsidenten Monatsnamen gegen den Namen der Mutter austauschen, die AIDS per Gesetz verbieten und deren grösstes Hobby Monumentalbauten waren. Die Monumentalbauten sieht man gleich in der ersten Stadt Ashgabat, die wir jedoch nur streifen, um Richtung Mary zu fahren.

Die Strasse ist durchgängig asphaltiert, aber Wellen, Aufbrüche und Schlaglöcher machen diese Überlandstrasse nicht gerade zu einem Highlight, sondern eher zu einem Asphaltband, dessen Ende man bald herbeiwünscht. Etwas weiter weg vom Verkehrslärm, an einem kleinen Kanal zwischen Büschen, verbringen wir die Nacht im Zelt. Mücken und Frösche sorgen für Abwechslung beim Lagerfeuer und das erste, echte Bier seit der Türkei ist ein wahrer Genuss.

Das Bankgebäude in Mary ist prima klimatisiert, aber die Geldautomaten wollen nix mit unseren Karten zu tun haben. So werden halt Dollars gewechselt, um den Bestand an einheimischer Währung aufzustocken. Mit Bargeld in der Tasche wird es Zeit etwas zu Essen zu kaufen, doch wir finden nur einen Kiosk. Immerhin gibt es hier kalte Getränke und Eis. Die junge Frau ist im Laden noch unverschleiert, draussen jedoch voll verschleiert. Das hat aber wohl weniger was mit Religion zu tun, sondern ist eher als Schutz vor der Sonne gedacht, die schon wieder mit aller Macht auf den Planeten brennt. Immerhin unsere erste Vollverschleierte, die wir auf dieser Tour sehen.

Unser heutiges Ziel ist das Wüstenreservat ca 50km vor Turkmenabad, mit der Hoffnung dort einen Zeltplatz zu finden. Eine Dusche oder zumindest richtige Waschgelegenheit wäre nicht schlecht, denn es ist heiss, sehr heiss hier in der Garagum-Wüste und der scheinbar einzige nicht von der Sonne erreichbare Ort ist neben dem Polizeigebäude an dem wir jetzt etwas Abkühlung suchen. Ein Polizist kontrolliert den quasi nicht vorhandenen Verkehr auf der Strasse und hat uns erlaubt den Schatten der Station für eine Pause zu nutzen. Ein paar Frauen und Kinder verkaufen vorne an der Piste Kamelmilch und der Beamte ermuntert uns jeweils eine Flasche zu erstehen. Das Zeug schmeckt zuerst gewöhnungsbedürftig - etwas säuerlich und bei weitem nicht so fett wie Kuhmilch, aber nach wenigen Schlucken ist das richtig lecker und dazu noch gekühlt.

Sandsturm

Immer mehr Dünenfelder sind rechts und links zu sehen und nachdem sich das Reservat als untauglich (es ist nicht erlaubt) zum Campen herausgestellt hat, gehts jetzt auf einer kleinen Nebenstrasse mitten in die Dünen hinein. Ein Sandsturm zieht auf und wir sollten uns sputen, wenn die Zelte rechtzeitig stehen sollen. Thomas fährt in den ausgefahren Reifenspuren, ich wähle aber besser die bewachsene Fläche daneben, denn eigentlich heisst Pflanzen festerer Untergrund, aber hier nicht. Die Hinterradachse des Tigers ist jetzt jedenfalls auf Bodenhöhe und ich bin dazu auch noch etwas unter Druck, weil unbedingt etwas zu erledigen ist. Der Tiger steht sowieso von alleine und ich vollende erstmal das Geschäft in einer - zumindest etwas windgeschützten - Senke und als ich zurückkomme hat es sich der Tiger bequem gemacht.

"Das muss doch jetzt nicht sein!"

Der inzwischen recht heftige Wind, hat das Motorrad auf die Seite gelegt - der Sand ist wirklich weich oder - wie man's nimmt - auch hart wenn er mit dem Sturm verweht wird. Alles Abpacken, zur Strasse schleppen, Mopped wieder aufrödeln und Zelten vergessen. Wir fahren jetzt besser das Kaffee an, dass ca 1km vorher am Strassenrand zu sehen war, denn das Wetter wird immer unegmütlicher.

Richtig schön warm ist es im Gebäude, aber man kann hier kostenlos auf den "Essenstischen" übernachten. Mit ein paar Wanderarbeitern, die dieses Kaffee auf Vordermann bringen, kommen wir schnell ins Gespräch. Sie laden uns zum Essen ein und dann hat der Mongoleifilm mit russischen Text seine Premiere. Ich versteh zwar nix, aber die Zuschauer und es gefällt ihnen scheinbar. Danach schaffen es Thomas, ich und 4 Turkmenen mit Wodka den Abend rumzubringen. Leider geben die Einheimischen recht früh auf ;-) Die ganze Nacht ist Leben im Kaffee, denn LKW- Fahrer kehren hier immer mal wieder ein und bei der Hitze kann man sowieso nicht richtig schlafen, der Wodka stellt aber schon eine brauchbare Grundlage, um zumindest für wenige Stunden die Augen zuzubekommen.

Turkmenabad haben wir durchquert, den ersten Grenzkontrollposten auch absolviert und nun gurken wir hier seit 15min in einer Ortschaft (Farab) rum und keinerlei Hinweise auf die Grenze. Die liegt nämlich ca 20km westlich von hier in Richtung Osty und ohne den PKW-Fahrer der mit ca 150km/h voraus gefahren ist, hätten wir das nie gefunden.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o7.2o1o