wieder
wieder unterwegs
Hotel
Hotel in Gonbad
Historisches
Historisches
auf
auf Biersuche
Abschiedsbild
Abschiedsbild
in
in Quchan

Unhöflich

Iran  Heiss ist es inzwischen und es wird Zeit eine Pause einzulegen . An einem Abzweig zwischen zwei Ortschaften stoppen wir. Die gefrorenen Früchte, die wir mitbekommen haben, sind wirklich lecker und schmecken besser als jedes Fruchteis, das ich bisher hatte. Ich weiss aber nicht was für eine Frucht das ist... muss wohl mal zuhause die Exotenecke im Supermarkt durchforsten.
Noch hat uns keiner gesehen, aber der erste der vorbeikommt, hält kurz an, schaut erstaunt, fährt weiter und 5min später sind wir wieder umringt von Neugierigen. Jetzt kommt noch ein Getränke- LKW und mehr aus Scherz deute ich an, dass ich Durst habe, was zur Folge hat, dass der Beifahrer aussteigt, mich zu sich winkt, mit mir zur Ladefläche geht und andeutet ich soll mir was aussuchen was sie mir schenken wollen. Allein diese Geste sagt soviel über die Freundlichkeit hier aus .. ich bin wirklich begeistert von dem Land und schäme mich für meine Worte am Anfang.

Eine Handy wird mir gereicht und am anderen Ende ist ein englischsprechender Perser, der gleich vorbeikommen will, und uns zu sich zum Essen und Schlafen einlädt. Wir haben aber einen Termin mit Turkmenistan und da heute gerade mal 200km auf der Uhr stehen, wird das nix. Wir sagen also, dass wir warten und fahren dann doch los - Sorry, das ist zwar unhöflich und falls wir jemanden vor den Kopf gestossen haben, so tut uns das leid. Ich glaube man könnte wochenlang im Iran rumfahren ohne etwas zahlen zu müssen - irgendwo gibt es immer eine Einladung, aber feste Termine (sowas hasse ich eigentlich auf Tour) lassen sich nunmal nicht einfach so wegwischen. Einen Austag haben wir zwar noch geplant, der sollte aber dazu dienen unseren Kram mal wieder auf Vordermann zu bringen.

Bewusst fahren wir daher in Gonbad ein Hotel an. Eine Klimaanlage, ein richtiges Klo und die Motorräder verschlossen im Gebetsraum, das ist schon alles so in Ordnung. Am nächsten Tag will ich noch etwas die Strassen entlangehen, aber nach 200m hängen wir schon wieder in einem Pulk (wohlgemerkt ohne Motorräder und in Zivil).

Fremdenführer

Der Besitzer einer KFZ-Ölwerkstatt packt uns kurzerhand in sein Auto und zeigt ein paar Sehenswürdigkeiten rund um Gondat. Ein alter persischer Turm ist schon beeindruckend und nun sitzen wir in einem Nationalpark, rauchen Wasserpfeife, die er für uns 3 bestellt hat, trinken Tee dazu und ein paar Bonbons liegen auch breit. Das Wetter ist schwülwarm, aber hier unter den Bäumen ist das gut auzuhalten. Beim üblichen Smalltalk in Englisch erzählen wir, dass so ein Bier jetzt das Richtige wäre. Da wir auch noch zum Essen zu ihm nach Hause eingeladen werden, klappert er daraufhin auf dem Hinweg alle möglichen Läden ab und kommt schliesslich freudestrahlend mit ein paar Flaschen Bier an. Leider ist das nur Malzbier, aber nach seiner Aussage, gibt es auch alkoholisches Bier, denn Ausländer dürfen das und auch anderen Alkohol jederzeit trinken. Ein Flaschenpreis von 6$ in Teheran ist dann aber doch etwas viel und das Malz/Fruchtbier schmeckt ja auch ganz OK.

Bei ihm zuhause wird die halbe Wohnung umgeräumt, damit wir bequem sitzen um eine Art gemischten Grillteller zu geniessen. Die Frauen sind aber nicht sichtbar und zeigen sich auch nicht, zumindest hören können wir sie in der unteren Etage. Nachdem er uns wieder am Hotel abgeliefert hat, will ich noch eine vorm Haus rauchen. Dem Hotelier gefällt das jedoch nicht, winkt mich rein und ich soll drinnen unter dem Rauchverbotsschild der Sucht fröhnen. Die Konversation ist mehr als holprig, da er überhaupt kein Englisch kann, aber es endet bei meiner zweiten Wasserpfeife für heute, die wir dann noch gemeinsam bis weit nach Mitternacht geniessen, während Thomas schon lange schläft.

Wir haben gestern versprochen nochmal bei der Werkstatt vorbeizufahren, um die Motorräder zu zeigen. Von den angrenzenden Geschäften kommen Angestellte und Kunden dazu und schliesslich werden noch Gruppenfotos gemacht, bevor wir - nicht ohne erneute Einladung für nächstes Jahr - weiter gen Zentralasien fahren.

Eine Nacht im Iran liegt noch vor uns. Unser Ziel ist die Stadt Quchan, knapp 100km vor der Grenze. Nachdem mal wieder erfolglos nichts auf ein Hotel hindeutet ausser dem H in der Karte, hat uns ein Taxifahrer schliesslich hierher geführt. Ein schmaler Eingang, Treppe in den ersten Stock, im Moment geschlossen, draussen wuselige, schmale Strasse, massenhaft Verkehr und Unmengen von Passanten. Die Vorstellung die Moppeds über Nacht hierhin zu stellen, behagt uns nicht so recht, also bedanken wir uns höflich und planen draussen vor der Stadt zu zelten. Da haben wir aber nicht mit dem Taxifahrer gerechnet, der uns kurzerhand zu sich nach Hause einlädt. Ein paar Freunde und auch seine Brüder kommen abends noch vorbei, wovon einer sehr gut Englisch spricht und als Krankenpfleger nach Skandinavien auswandern will. Ein langer Abend mit viel Geklöne beendet unsere Zeit im Iran, ein Land in das ich mit Sicherheit nochmal reisen werde.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o