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Iran  Weiter gehts an der Küste, vorbei an Reisfeldern (ich wusste garnicht, dass hier soviel Reis angebaut wird) und dann auf eine Schnellstrasse, die sich wohl an der ganzen Küste entlang zieht. Ortschaft an Ortschaft lassen ein zügiges Vorwärtskommen kaum zu und darüberhinaus ist auch der Verkehr zu dicht und chaotisch. Wenn 2 Spuren auf die Strasse gemalt sind, machen die Iraner da mindestens 4 draus - man weiss nie wer wohin will, ausser dass man ihnen scheinbar immer im Weg steht. Vorfahrtsschilder werden ignoriert, Einbahnstrassen sind als Empfehlung zu betrachten und wer beim leichtesten grünen Aufblitzen an Ampeln nicht sofort mindestens 10m weitergefahren ist, wird gnadenlos zusammengehupt.

Etwas Geld müssen wir noch tauschen. Eine Bank erscheint uns dafür der richtige Ort zu sein, aber Geld wechseln darf offiziell nur die Staatsbank und keine andere. Da Dollars jedoch immer gerne genommen werden, tauscht dieser Bankdirektor recht konspirativ unsere gegen Rials ein. 200m weiter wäre dann aber auch die korrekte Bank gewesen (sorry hab den Namen vergessen). An den Geldautomaten braucht man es mit maestro, visa oder mastercard garnicht erst probieren - da funktioniert nichts.

Der Verkehr ist immer noch nervig und umschwärmt von "Schmeissfliegen" (wie schon erwähnt: das ist nett gemeint, aber so langsam nerven auch die) entscheiden wir weg von der Küste zu fahren und den kleineren gelben Strassen ins Landesinnere zu folgen.

Schnell sind wir relativ alleine auf den sehr guten Strassen unterwegs. LKWs machen bereitwillig Platz, sobald sie uns sehen und generell gibts auch wieder mehr Hupgrüsse als Warnhupen von anderen Verkehrteilnehmern. Durch Wälder, über Berge und an weiten Tälern vorbei, geht die Fahrt. Hier ist ein wunderbarer Platz für eine Pause und evtl kommt ja auch mal keiner vorbei. Ein bischen Zeit für sich selbst wäre schon ganz gut, es ist kaum möglich sich irgendwo hinzustellen ohne kurzfristig von Menschen umringt zu sein. Da die Freude uns zu sehen wirklich von Herzen kommt, ist die Aussage, dass es doch auch so langsam nervt, evtl etwas heftig.

Es kommt wie es kommen muss: Ein uralter Mercedes Benz LKW hält an und heraus steigt "Kekel Benz" wie wir schnell zu hören bekommen. Es fährt seit über 30 Jahren einen LKW mit dem Stern, ist extrem davon begeistert und als er hört, dass ich auch was mit der deutschen Automobilindustrie (WOB) zu tun habe, bekomme ich schon Befürchtungen, dass er einem Herzinfarkt erliegt, so überschwenglich freut er sich. Sein Englisch ist mit Mühe zu verstehen und als er anfängt uns irgendwas mit Mercedes Sternen aufzumalen, sind wir erstmal verwirrt. Aber sein Beifahrer, der um einiges ruhiger ist, klärt uns auf und meint, dass wir heute abend zu ihnen nach Hause kommen und auch dort schlafen sollen. Ein Blick in die Karte zeigt uns, dass der Ort Juybar an der geplanten Route liegt, wenn auch 120km von hier entfernt. Irgendwas mit Kreisel, 3x Abbiegen und auf dem Mercedestern achten, ist als Wegbeschreibung aber etwas mau und so gibts noch eine Handynummer. Wir sagen mal zu und der Truck fährt weiter.

Nach 120km ist es dunkel:

"Niemals im Osten im Dunkeln fahren",

aber das hier ist ja Südosten und die Strassen sind OK. Die Wegbeschreibung nützt dann wirklich nichts und so entscheiden wir bei einem Hotel zu stoppen. Die sollen mal die Handynummer probieren, da es mit unseren nicht klappt und wenn das auch nicht funktioniert, dann schlafen wir halt da. Es klappt und begleitet von kunterbunt leuchtenden (blaue Scheinwerfer, blinkene Rücklichter, Positionslichter und was man sonst so an Leuchtkörpern montieren kann) Schmeissfliegen sind wir schnell beim Haus von "Kekel Benz". Hier klären sich dann auch all seine Zeichnungen auf (siehe Fotos).

Die ganze Familie und Verwandte aus dem Ort sind angetreten und begrüssen uns. Frau, Schwester, Schwager, Bruder, Tochter, Söhne... ein bischen habe ich den Überblick verloren, aber alle sind bemüht uns zu unterhalten. Zum Abendbrot gibt es ein wirklich leckeres Hähnchen, das wir Männer auf dem Boden sitzend einnehmen. Die Frauen essen derweil nebenan. Danach zeigt Thomas Fotos von unserem HarzHeide-Stammtisch und besonders die Frauen sind erstaunt darüber wie unsere weiblichen Mitglieder rumlaufen (Insider: zum Glück habe ich nicht die Fotos vom Ruhrpott Jahrestreffen dabei ;-). Ein bischen Mongoleitourvideo rundet den Abend ab, bevor wir Männer uns im Wohnzimmer auf dem Boden zum Schlafen hinlegen, aber die Motorräder draussen im Garten werden vorher noch jeweils mit einer Decke zugedeckt.

Nach einem Frühstück, den obligatorischen E-Mail Adressen, vielen Fotos von seinem Haus mit den Sternen und einigen Mitnehmsnacks in Form von gefrorenen Früchten, Eiern und Brot, sind wir wieder unterwegs gen Osten. Sobald man irgendwo an ein paar Jugendlichen am Strassenrand vorbeikommt, die dazu noch Mopeds stehen haben, dauert es nur kurze Zeit, bis sie neben einem fahren und zu Schmeissfliegen mutieren. Diese Motorräder kosten um die 300$ im Iran und sind wirklich flott, aber wenn wir hören, dass z.B. ein günstiger Motorradreifen nur 500km hält, wird es um die Qualität der Kisten wohl auch nicht so doll bestellt sein. Da sitzen teilweise ganze Familien mit 4-5 Personen drauf und ist somit wohl die günstigste Art einen motorisierten, fahrbaren Untersatz zu bekommen.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o