50er
50er Jahre Stil
Stuntman
Stuntman
nett
nett zubereitet
gastfreundlich
gastfreundlich
altes
altes Bergdorf
Parkzeltplatz
Parkzeltplatz

Pässe und Fische

Iran  Diese Strassen haben es in sich. Zweimal geht es auf über 2400 Meter hoch, unzählige Kurven und Spitzkehren auf absolut ordentlichen Asphalt. Relativ wenig Verkehr, der einen zwar ständig anhupt, aber das ist nur freundliches Grüssen. Ein richtiges Paradies für Motorradfahrer, wenn man nicht immer nur durchgerüttelt werden will. Hier oben, am zweiten Pass, ist ein kleines Restaurant in das wir jetzt einkehren. Neben den obligatorischen Hinhockflächen gibt es auch auch normale Stühle und Tische. Für Europäer ist es um einiges erholsamer und geht nicht ganz so auf die Knie oder gar den Beckenknochen, die durchs Moppedfah'n sowieso schon beansprucht sind.

Das Ambiente erinnert an die 50er Jahre, Wandbilder an den Orient und das Schaschlick wurde uns vorher gezeigt, damit wir auch hier gesättigt rausgehen können.

Ein kleiner See ist diesmal Grund für eine Rast - der ca 20m hohe Steilhang trennt die Strasse vom Ufer, an dem mehrere Jugendliche angeln. Daneben stehen die obligatorischen Zweiräder und eine Spur am Steilhang zeigt, dass da jemand auch direkt hochfährt, anstatt die gemässigte Zufahrt zu nutzen. Thomas gibt einem ein Zeichen, der setzt sich auf seine Kiste, gibt Gas und einen Meter vor dem oberen Absatz, bleibt er hängen und stürzt. Wir sind schnell genug da, um das Moped vor dem unkontrollierten Hinabrollen zu bewahren. Ein bischen Smalltalk schliesst sich an und dann wollen wir weiter. Zum Abschied und als Dank gibts noch eine Tüte voll frischer Fische. Naja - so richtig Lust hat keiner von uns beiden die auszunehmen und abends zu brutzeln, ich packe sie trotzdem hinten auf die Packrolle, evtl findet sich ja was...

Unsere Fische sehen in dieser Form sehr lecker aus, dazu noch einen Grossen, den der Hausherr spendiert hat, Klasse! Dabei gestaltete sich das mit dem Abendessen irgendwie etwas seltsam. Wir haben wieder ein Hotel gewählt und sind in Roodbar gelandet. Ich habe dem Hotelier die Fische gegeben, da er damit sicherlich eher was anfangen kann, als wir - ausserdem wären die morgen ohne Kühlung sowieso ungeniessbar. Die machen hier allerdings nur Grossveranstaltungen wie Hochzeiten usw. und haben kein Restaurant wo man was Essen könnte. Wir haben schon gefragt ob es in der Nähe was gibt, aber irgendwie wurde diese Frage ungläubig oder mit Unverständnis aufgenommen. Das ging so einige Zeit, bis sie uns dann in die Küche riefen. Da steht mittendrin ein nett gedeckter Tisch und darauf sind diese Leckereien, die wir uns jetzt schmecken lassen. Seit Stunden sitzen wir mit der ganzen Familie vor dem Hotel auf der Strasse und mit Hilfe von englischen Schulbüchern kommt sogar ein ausgeprägtes Gespräch zustande. Ein wirklich netter Abend und es ist schade, dass wir am nächsten Tag schon wieder weiter müssen.

Sehenswürdigkeit

Das älteste Bergdorf Irans sollen wir uns unbedingt ansehen. Machen wir und leider auch viele andere, denn heute ist Freitag (der Sonntag im Iran). Die wunderbare Strasse dahin ist jedenfalls proppevoll und am Ziel versuchen Parkwächter das Chaos in den Griff zu bekommen. Da mir hier viel zu viele Menschen rumwuseln und ich solche Touristenplätze überhaupt nicht mag, soll Thomas alleine losziehen, um ein paar Fotos zu machen, während ich auf die Motorräder aufpasse und soweit es geht die Fragen der Wochenendausflügler beantworte.

Schnell sind wir aber auch wieder weg und suchen nun den Campingplatz, der in der Karte eingezeichnet ist. Der entpuppt sich als öffentliche Parkanlage am Kaspischen Meer in der man zelten darf. Immerhin gibt es ein Klogebäude. Kurz vorher hatte ich aber noch etwas Bedenken.

"Sprich niemals Frauen oder Kinder im Iran an"

wurde mir zuhause eingebläut. Ich steh also still in der Gegend rum, versuche unaufällig zu sein, spreche keine Frauen oder Kinder an und warte auf Thomas, der den Campinplatz sucht. Zwei Busse stehen da auch - in einem sind wohl sowas wie Koranschülerinnen und ehe ich mich versehe, bin ich von 10-20 Frauen umringt, die auf mich einreden und Fragen stellen...

"Na Toll! Hoffentlich sieht das kein einheimischer Mann"...

Aber generell sind es sowieso die Frauen, die uns ansprechen. Sie wurden auch oft von ihren Männern vorgeschickt, weil sie häufig recht gut Englisch sprechen. Apropo Frauen - ich hatte ein Bild vor Augen von Frauen in Burkas, die in gebürlichen Abstand ihren Männern hinterherlaufen. Überwiegend laufen sie aber nebeneinander mit ihren Kindern Hand in Hand. Das obligatorische Kopftuch trägt wirklich jedes weibliche Wesen, aber in den meisten Fällen eher als modisches Accessoire, farblich abgestimmt zu den Kleidern, denn als religöses Ausdruckszeichen. Nur wenige sind ganz in Schwarz unterwegs und die tun es aus Überzeugung, wie uns ein Iraner erklärt. Eine Burka haben wir auf der Tour nicht einmal zu sehen bekommen.

Die Zelte sind aufgebaut und die üblichen Besucher stellen sich ein. Da wir hier quasi auf dem Präsentierteller campieren, bleibe ich recht lange wach, habe aber nie das Gefühl, dass irgendwer uns was Böses will. Kurz vor Mitternacht kommt noch eine Frau mit einem qualmenden Eimer mit dem sie die Motorräder einräuchert, als sie dann auch noch das Zelt von innen vollqulamen will, werde ich doch etwas unhöflicher und sie zieht wieder Leine. Das muss irgendwas Religiöses sein und war sicherlich gut gemeint, aber der Qualm stank und das brauche ich nicht im Zelt...

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o