MautStau
MautStau
Pause
Pause mit Aussicht
Wetter
Wetter so lala
dicke
dicke Suppe
laut,
laut, lauter, übersteuert

Türkei

Tuerkei  Erdine - hier endet der Balkanexpress und unsere urspünglich geplante Route kann fortgesetzt werden. Istanbul ist wie erwartet der Moloch mit viel, viel Verkehr und seltsamen Mautstationen. Einige Male stehen wir in der Schlange ... bzw. nennen wir es mal besser im Pulk vor den Mauthäuschen und es ist recht spannend wo man am Ende landet. Thomas kauft an einem Häuschen bzw. lässt sie sich andrehen, sowas wie 'ne Monatskarte, ich hingegen steh an einem Terminal wo eine Chipkarte gefordert wird. Hab ich aber nicht, also Shit drauf, die Schummelsirene ignorieren und weiter gehts. So ganz durchgeblickt hat da keiner von uns, da ich aber zweimal bezahlt habe, ist einmal Schummeln im Zuge der Völkerfreundschaft sicherlich tolerabel...

Hinter Istanbul (für die Stadt muss man sich mehr Zeit nehmen und wohl besser das Motorrad zu Hause lassen) sind die kleinen Küstenstrassen am Schwarzen Meer unser Ziel. Davon gibt es aber immer weniger, denn scheinbar will die Türkei eine durchgehende Schnellstrasse nahe am Wasser bauen. Zumindest liest man es so in Reiseberichten und auch wir können es nach den folgenden Absätzen bestätigen.

Doch erstmal gehts hinein ins Kurvenvergnügen, schmale aber auch relativ ordentlich asphaltierte Wege immer an den Berghängen entlang, lassen so ein ums andere Mal Erinnerungen an Norwegen hochkommen. Schildkröten auf der Strasse und kleine, schottrige Ortsdurchfahren, weisen dann aber doch auf ein südlicheres Land. An die 500km geht es so voran - ist schon fast zuviel des Guten.

Der erste technische Defekt ist auch beklagen, das Gehäuse meiner Onboardkamera ist kaputt. Tape muss fortan die Befestigungsfunktion übernehmen. Ärgerlich: alles Selbstgebaute hält, nur die Kaufware kann mit den Umständen nicht umgehen. Ist mir schon öfter passiert und sagt doch einiges über die heutige Fertigungsqualität aus.

Die Dame im Kaffee das wir anfahren traut der Industrie wohl auch nicht, und scheucht mich vom billigen Plastikstuhl auf den besseren und stabileren Holzstuhl. Tja - ein stattlicher Mann braucht stattliche Möbel - Dürren hingegen, reicht ein Stück Formplastik ;-)

Qual der Wahl

Rote, kleine Fische oder doch den grossen Silbrigen? Statt einer Speisekarte, muss der Blick in die Kühltruhe ausreichen. Wir entscheiden uns für die kleinen und die landen als Abendbrot dann schnell auf dem Tisch. Draussen ist es seit 2 Stunden dunkel und dieses kleine Hotel war nach diversen Anläufen (ein Hotel hatte noch geschlossen, ein anderes war ausgebucht und die Kaserne, in die wir einfach reingefahren sind, sah eigentlich auch wie ein Hotel aus ;-) und einigen kleineren Ortschaften endlich das Ende der heutige Etappe. Platz für wildes Zelten haben wir unterwegs nicht gefunden, entweder waren die wenigen Flächen zu schräg oder lagen inmitten von Dörfern.

Kilometerlange Ortschaften, breite Strassen, aber relativ wenig Verkehr machen den folgenden Tag nicht unbedingt zu einem Highlight. Ein etwas grösseres Hotel, aber immerhin mit kostenlosen WLAN und Internet ist diesmal unser Übernachtunsgsort.

Etwas weiter weg von der Küste steigen die Passhöhen an und Wolken empfangen uns. Richtig klasse, aber so wirklich Klasse ist es, wenn man als einzige Orientierung nur noch schwach schimmerndes rotes Licht der vorausfahrenden Fahrzeuge hat. Irgendwo verliere ich den Anschluss und bin nun auf mich alleine gestellt. Vage lässt sich eine verwaschene Begrenzungs- oder ist es gar die Mittellinie erkennen und mit ca 20km/h tastet sich der Tiger daran voran, um auch dem Gegenverkehr, der teilweise OHNE Licht fährt, rechtzeitig ausweichen zu können. Einen Kilometer weiter steht Thomas, der seine vorausfahrende Rückleuchte auch hat ziehen lassen. In so einer Suppe sind wir noch nie gefahren und im Grunde ist es Wahnsinn, aber wie lange sollen wir warten, bis sich das wieder auflöst? Doch je weiter wir ins Landesinnere kommen umso mehr steigt wieder die horizontale Sichtfähigkeit, dafür werden die Wolken leider auch dunkler und gewinnen an Abstand nach oben. Abstand nach oben heisst aber auch genug Platz für Regen zwischen Wolken und uns....

Ketzerische Gedanken

Wir werden also nass, es wird auch noch kühler und irgendwann kommen die ersten schmerzhaften Einschläge dazu. Hagel hat uns gerade noch gefehlt. Weit und breit nichts zum Unterstellen, noch nichtmal höhere Bäume sind als Schutz anfahrbar. Mit lautem Knall schlagen die Hagelkörner auf den Helm und das Visier, dazu kommen sintflutartige Regenfälle und jetzt auch noch Wind.

"Warum mache ich eigentlich so einen Scheiss? Eine nette Pension im Harz wäre doch auch ganz nett"

denke ich mir nicht zum ersten Mal auf Tour. Eine Bushaltestelle verscheucht die ketzerischen Gedanken und zusammen mit einem älteren Türken warten wir den Hagel im Trockenen ab. Die Gemütlichkeit dieser Bushaltestellen kennen wir ja schon von anderen Touren...immerhin sind sie meist Rettung vor dem endgültigen Durchnässen.

An einer Raststätte übernachten wir und nach einem ausgiebigen Frühstück geht es bei freundlichen, wenn auch recht kaltem Wetter weiter. Je tiefer wir in Richtung Osttürkei vorstossen, umso mehr ändern sich die Menschen. Waren sie im Westen noch weltoffen, Frauen ohne Kopftuch eher die Regel und winkende Kinder ein häufiger Anblick, so ist das hier alles irgendwie gedrückter. Evtl liegts auch am Wetter, aber der Eindruck hat sich mir eingeprägt, nicht zuletzt auch, dass jedes noch so kleine Dorf eine grosse Moschee hat und zwischen den Minaretten scheinbar ein Wettstreit abläuft, wer lauter (oder heisst es übersteuerter) die Gläubigen zum Gebet ruft.

Naja - morgen kommen wir in den Iran, da wird das sicherlich noch ausgeprägter sein, sehen wir es also als Übung für unsere Ohren an ...

Dank Regen ist mal wieder eine überdachte Unterkunft unsere Wahl - kalt, etwas in die Jahre gekommen, erinnert es an eine Absteige, aber ein angeschlossenes Restaurant sorgt zumindest für ein warmes Essen.

Das Restaurant ist Anlaufpunkt vieler Busse aus dem Iran. Die scheinen ihr Essen und Küchengerätschaften aber selbst mitzubringen, denn was dort alles aus den Ladelucken rausgekramt wird...
Frauen bereiten komplette Speisen auf dem Parkplatz vor, während die Männer zwar beim Tragen der grosse Töpfe mit anfassen, aber ansonsten eher rumstehen und klönen. Ca alle 2 Stunden wiederholt sich das Schauspiel, wenn ein neuer iranischer Bus vorfährt.

  

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Text&Bilder ©2o1o - Andreas Just      Letzte Änderung: 28.o7.2o1o