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Campingplatz
Forsand(Fähre)
Lysebotn
(Campingplatz)
Rundreise

125km

da soll noch'n Auto drauf?
51k
unterwegs
51k
angekommen
51k
Lysefjord
74k
an der kleinen Strasse
87k
Blick von der Aussichtsplattform auf die Serpentine und die kleine Strasse gegenüber
98k
an einem See kurz vorm Tanken
84k
 

26.Juni

Früh geht's heute los - wie üblich Nebel über den Bergen. Wir wollen pünktlich die Fähre Richtung Lysebotn bekommen. Am Fähranleger in Forsan erstmal Unsicherheit. 3 verschiedene Fahrpläne aus vergangenen Epochen überall am Kai verteilt, zeigen alles, nur nicht die von uns geplante Fähre. Eine Rückfrage im naheliegenden Supermarkt bestätigt aber, dass demnächst eine Fähre kommt.

In der Zwischenzeit gesellen sich noch ein PKW, 2 Motorräder aus der Schweiz und 5 Moppeds aus Deutschland zu uns. Die übliche Menge Wartender. Als die Fähre schliesslich ankommt, ist diese aber recht gefüllt. Drauf sind schon 2 Busse und Unmengen von PKWs - der bei uns wartende PKW hat auch gebucht (anders kommt man als vierrädriges Fahrzeug da eh nicht rauf) und es wird eng - so eng, dass ich meinen Tiger 5cm von der Einfahrtrampe entfernt schräg hinter einem dänischen Auto einquetschen muss. Die Ladeklappe soll ja auch noch runter. Ich meine, dass das nicht passen wird - der deutschsprechende Matrose: "Doch das passt" - "Nee, das passt nie und nimmer" - "Doch das passt". Inzwischen kommt die Klappe tiefer und tiefer und ich kann eh nichts mehr ausrichten - jetzt noch den Tiger verschieben ist unmöglich - OK, dann wird aus dem 40l Alutopcase wohl ein 9l Capriokoffer mit gezackten Kanten - ist ja auch nur der letzte heile Koffer, den ich noch habe. Mit einem Rumps arretiert die Klappe ohne meinen Tiger auch nur berührt zu haben. Sind immerhin noch knapp 5cm zwischen Tiger und Bordwand vorhanden. Das Öffnen des Topcases gestaltet sich etwas fummelig, wenn man die Schlösser nicht sieht. Der Kahn ist rappelvoll, aber einige von uns Moppedfahreren werden gebeten, in einer Stunde nochmal runterzukommen, da am nächsten Anleger noch ein Auto hinzukommt und wir dann erstmal wieder die Maschinen runterfahren sollen. Na - das kann ja was werden....

Eine Stunde später gehen wir also runter - inzwischen ist die Klappe schon wieder auf und der Kapitän versucht anzulegen, was mit 4 ausgefallenen Maschinen wohl nicht ganz so einfach ist - er kann nur vor und zurück - nicht seitwärts wie dort eigentlich notwendig. Dass es dann einige Fehlanläufe mit heftigen Rums gegen den Anleger gibt, ist noch zu verstehen, dass mein Tiger das Ganze ohne irgendwelche Sicherheitsgurte in 5cm Abstand zur offenen Bordkante mitmachen muss - naja - zumindest der Matrose hält sie mit mir gemeinsam und fragt lächelnd ob ich nervös sei - klar, was denn sonst. Schweisstreibende Minuten später und doch kein Auto weit und breit zu sehen, geht's weiter. Da diese Aktion schön von der Aussichtsplattform zu beobachten war, bin ich sicherlich auf vielen Videofilmen und Fotos verewigt - geklatscht hat aber keiner ...

Nach einer wunderschönen Fahrt durch den Fjord - diese reguläre Fähre ist eher ein Ausflugsdampfer mit ständigen Hinweisen auf das Ufer in diversen Sprachen - kommen wir nach 4Std in Lysebotn an.

Es ist jetzt 14.00Uhr und die Sonne scheint. Thomas will gleich zum Kjerag laufen, dem berühmten Stein zwischen den Felsen, den wir schon von der Fähre aus sahen. Ich will mal den kleinen roten Strassen in die andere Richtung folgen. Nach dem Zeltaufbau auf dem Campingplatz in Lysebotn geht's los - Thomas Richtung Start des Wanderweges und ich auf die kleine Strasse. Die fängt schon richtig prima mit kleinen Spitzkehren und einem tollem Wasserfall an. Doch nach knapp 6km ist an einer Schranke mit diesem runden weissen Schild mit rotem Rand Schluss. Shit, also zurück und doch diese 29 Spitzkehren bis auf 950m Höhe erklimmen (da wollen wir sowieso am nächsten Tag weiterfahren). Auf den Photos, die ich vorher sah, war mir nie ganz klar, wie die Strassenführung ist - irgendwie hörte das immer abrupt auf. Nun weiss ich, dass ein unbeleuchteter Stollen (Tunnel wäre übertrieben) mit einer - ich erwähnte unbeleuchteten - Kurve drin, die auf den Photos sichtbaren Serpentinen verbindet. Die Spitzkehren nehmen keine Ende, doch schliesslich bin ich oben an der Aussichtsplattform angekommen.

Thomas Mopped steht einsam auf dem Parkplatz, er ist schon unterwegs. Ein teures Eis und einige Bilder von der Aussichtsplattform sind eine kleine Pause wert, um dann weiter der Strasse zu folgen. Die schraubt sich noch weiter in die Höhe, um sich schliesslich in eine kurvenreiche Hochplateaustrasse zu wandeln. Absolut geile Strecke - kilometerweit geht es wieder durch Schnee- und Geröllfelder, an kleinen und grossen Seen, Abhängen und Bergen vorbei um sich schliesslich fast unmerklich in eine saftige grüne Landschaft mit - auf unterschiedlichen Ebenen - eingebetteten blauen Wasserflächen zu wandeln. Kleine Nebenstrassen ziehe mich magisch an, die aber leider alle nach 2-3km an einer Schranke enden und Zufahrtswege zu den Wasserkraftwerksstollen sind, die hier das gesamte Gebiet durchziehen.

Lange Pausen an einsamen Seen sind eine Erholung für die Seele. Nächstes Mal nehme ich eine Badehose mit. Da die Reiseführer von einer geringen Tankstellendichte in dieser Gegend berichten, muss ich noch knapp 50km abspulen, um endlich dem Tiger seine Nahrung geben zu können - ich will ja nun nicht unbedingt hier irgendwo liegen bleiben.

Auf dem Rückweg lege ich nochmal eine Eispause am Aussichtspunkt ein und nach erneuter Durchquerung dieses nassen, feuchten Stollens geht ein sehr abwechslungsreicher Tag zu Ende. Thomas kommt auch etwas später von seiner Wanderung zurück und ist doch etwas ausgepowert, weil er für die Strecke eine Stunde weniger als angegeben gebraucht hat. Für mein Knie wäre sie nichts gewesen.

Trotz meiner Extratour von 125km immer noch keine 5000er Marke erreicht. Ich bin jetzt bei Kilometer 4975.

Diese Strassen könnte man übrigens von Hannover aus locker innerhalb eines Tages erreichen. So als verlängerter Wochenendtrip sicherlich einen Tip Wert, wenn man die Kosten für die Fähre nicht scheut.

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Text/Bilder © 2oo1 - Andreas Just