www.anju.de   Norwegen 2oo1  Gästebuch
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Campingplatz
R63(Trollstigen)
Geirangen(Fjordtour)
E 15
Strynsvatn(Campingplatz)

144km

Trollstiegen kurz vorm Aufstieg
70k
meine 'Crash'-Kurve
(-)
oben angekommen
100k
Trolle?
Blinder Passagier?
Nee - ein Schneemann..
75k
Geirangerfjord
88k
Die sieben Schwestern
71k
dat is' aber nun echt ein blinder Passagier
71k
..und weiter
71k
 

19.Juni

Nach dem Aufstehen lacht die Sonne - wenn auch noch hinter den Bergen. Ideal für die Golden Route. Nach dem obligatorischen Tanken und Proviantauffüllen in Andalsnes geht's Richtung Trollstiegen.

In der 3. Kurve von unten passiert's dann. Thomas hat das Auto rechtzeitig überholt, ich will erst noch die nächste Spitzkehre abwarten und wie ich da nun so schön in Schräglage hangaufwärts in der Kurve fahre, stoppt dieser Trottel direkt vor mir und ich - nach Reflexbremsung inzwischen auch ohne Speed - schmeisse nach elendig langen Sekunden den Tiger nach rechts weg.

Schäden: Der linke Alukoffer scheint fast alles abbekommen zu haben - ist um 5cm nach oben verschoben und 3cm am unteren Rand eingebeult. Unglücklicherweise ist der vordere rechte Blinker dann wohl auf einen Stein am Strassenrand (Innenkurve) geknallt und zersprungen und hat dabei die vordere Verkleidung verkratzt. Der Sturzbügel hat dafür nix abbekommen. Und zu guter Letzt habe ich bei meinem Rettungsversuch das volle Gewicht auf mein lädiertes Knie bekommen.

Da steh ich nun auf einer berümtesten Serpentinenstrecken der Welt - vor mir ein umgekipptes Mopped mit mehr als 300kg Gewicht und das Ganze in einer engen Kurve. Das Auto ist inzwischen weiter gefahren - hat es wohl gar nicht mitbekommen oder sich schnell verpisst. Zum Glück kommen zwei Bayern mit Moppeds von oben, die sofort anhalten und mir helfen die Kiste aufzustellen und an das Kurvenäussere zu schieben. Nochmal Danke an die beiden, falls Ihr das hier lest.

Etwas später kommt Thomas zurück und sieht die Bescherung - ich lege erstmal eine Rauchpause ein, sammle die Teile vom Blinker ein und mache eine kurze Schadensaufnahme. Die Blinker gehen noch - für 2sec - dann ist Schicht im Schacht. Ein Kurzschluss hat wohl eine Sicherung rausgehauen. Erstmal mit Tape das Blinkergehäuse dicht gemacht, den verschobenen Koffer mit einem Gurt gesichert (den Koffer werde ich auch die restliche Tour nie wieder abmachen ;-) und allen Mut zusammengenommen um den Rest der Trollstiegen zu erklimmen - Dosen sollten mir ja nicht mehr in den Weg kommen.

Oben angekommen, gönne ich meinem Knie ein bischen Salbe, um dann den Weg zur Aussichtsplattform zu wagen - ging auch recht gut und die Bilder waren die Mühe wert.

Dort waren wir recht lange und konnten auch so die beiden Radfahrer aus Coburg (siehe Kreis im Thumbnail, um dann auf dem grossen Bild die Punkte zu finden) bewundern, die diese Serpentinen per Rad hochfahren. Als sie bei uns ankommen, kann ich ein gewisses Mass Anerkennung nicht verhehlen und klatsche Beifall. Ihre Frage nach Öl beantworte ich erstmal mit dem Angebot, ein bischen Sonnenblumenöl rauszurücken, aber er will was für die Fahrradketten - klar, sowas haben wir auch, also doch lieber Kettenspray gespendet ;-)

Etwas später wird dann auch noch mein britischer Tiger japanisiert, als eine Horde japanischer Omas aus einem Reisebus partout mal drauf sitzen wollen. Liess sie halt gewähren - habe aber leider kein Foto gemacht.

Nach der ungeplanten langen Pause geht's dann weiter Richtung Fähre Linge-Eidstal. Hinter der Fähre will ich dann doch endlich mal die Sicherung für die Blinker wechseln - aber nix da - trotz Tausch diverser Sicherungen - blinken tut nix. Anruf beim Händler, was es sein könnte - prompt ist der Akku des Handys leer. Naja - versuchen wir es später nochmal. Also weiter Richtung Geirangerfjord (den kennt wohl jeder) - wir haben Glück mit dem Wetter - der Blick vom Berg auf den Fjord mit den Kreuzfahrtschiffen ist postkartenreif. Unten angekommen, braucht mein Knie erstmal wieder eine Pause - eine Schiffsrundfahrt auf dem Fjord würde jetzt gut passen. Während Thomas die Tickets besorgt, rufe ich nochmal meinen Händler an (man hat ja ein 12V Ladegerät und eine Bordsteckdose). Ein Techniker gibt mir den entscheidenden Wink, dass sich dieses blöde Blinkrelais unter den Armaturen - nicht unter der Sitzbank - befindet.

Die Schiffsfahrt lohnt sich wirklich und es gibt ausführliche Informationen über die Wasserfälle, die hoch gelegenen Gehöfte (wie kann man bloss auf die Idee kommen, dort zu bauen) und dem Drumherum.

Weiter geht's - natürlich erstmal wieder Serpentinen, die ich wohl oder übel meistern muss, um nicht im Fjord ins Altersheim einzuziehen. Die anschliessende Passstrasse lassen mich mein Knie vergessen und einiges an Bildern durchknipsen. Thomas fährt noch eine Schotterserpentinenpiste zum Aussichtspunkt Dalsnibba hoch - ich bleib lieber unten - Schotter UND Spitzkehren - nee Danke!. Bei seiner Rückkehr verbraucht er auch prompt den restlichen Belag seiner hinteren Bremsbeläge.

Da es schon spät ist, wird der nächstbeste Campingplatz von einem Mopped ohne Blinker und einem ohne Hinterradbremse angefahren. Der Abend ist mit "McGuyvern" ausgefüllt. Im Blinkrelais tausche ich einen durchgeschmolzenen Drahtwiderstand gegen eine Drahtbrücke aus und kann fortan wieder - wenn auch hektisch - blinken. Das zerbrochene Blinkergehäuse wird geklebt und mit Tape fixiert und funktioniert den Rest der Tour ohne Probleme. Der Kratzer bekommt eine Aufschrift mit Ort und Datum - an so disponierter Stelle hat nicht jeder einen Unfall - und Kratzer veredeln ;-) Thomas hat in der Zwischenzeit auch seine Bremsbeläge - nach einigen Fluchen über nicht mehr reingehende Bremszylinder- erfolgreich gewechselt.

Dieser ereignisreiche Tag schlug mit 144km zu buche - es reichte dazu, die 4000er Marke zu überschreiten und 4097 km ins Tagebuch einzutragen

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Text/Bilder © 2oo1 - Andreas Just