Mohnfelder
Mohnfelder
abdichten
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die Hauptakteure
die Hauptakteure
schottrig
schottrig
tolle Wege
tolle Wege
Bäche unterwegs
Bäche unterwegs
Hotel
Hotel
Track o4.o6.

Wetter:

wieder zu gut

Hotel:

N 4439'17"
E 3422'43"

Tag:

348 km

Gesamt:

3869 km

Samstag im Krimgebirge

Ukraine  Der erste Blick am Morgen geht raus auf die Strasse. Die Motorräder stehen noch da, wo wir sie abgestellt haben und der selbsternannte Aufpasser scheint auch nicht geschlafen zu haben. Thomas hat gestern noch gebastelt und sein Ölleck gefunden: Ein Steinchen hat sich tief in die Dichtung des Ölfilters eingegraben. Das Steinchen ist jetzt entfernt und jetzt kann man nur hoffen, dass es dicht ist.

In der Nacht wurde es extrem kalt und die Notlösung Steckerziehen der Klimaanlage war die einzige Erlösung. Ohne Fernbedienung ist die aber auch nicht mehr anzubekommen und die Sonne fängt schon wieder an, mit aller Macht ihre Wärme auszubreiten. Also schnell die Moppeds bepacken und weiter gen Südosten ...

Die Strasse führt über plattes Land, welches sich durch riesigen Wiesen - wahrscheinlich Brachland - und kleine Wäldchen auszeichnet. Wenige Ortschaften unterbrechen diese Eintönigkeit. Grosse Mohnflächen, aber auch andersfarbige Feldblumen erfreuen zumindest immer mal wieder kurzfristig das Auge. Dort ist ein kleiner Waldweg! Die Chance diese sonnenüberflutete Strasse zu verlassen um im Schatten der Bäume einen Kaffee zu kochen. Aber es war schon fast zu erwarten: Am Ende - versteckt vor der Strasse - befindet sich eine wilde Müllkippe :-(.

So werden die Tische an der nächsten Tankstelle freudig registriert und der eigene Wasserhaushalt wieder ins Gleichgewicht gebracht. Ein Essen ist auch drin und Thomas löffelt zum Abschluss seine Tafel Schokolade leer, denn wir haben immer noch knapp 40C und da kühlt auch keine Alubox mehr.

Eine kleine Autowerkstatt könnte evtl einen passenden Dichtring haben, aber sowas gibt es natürlich nicht. Damit ist aber der Ehrgeiz der gesamten Belegschaft geweckt und irgendeine Dichtmasse sorgt nun dafür, dass es fortan trocken an der Big bleibt und Thomas' Ölverbrauch rapide gesenkt wird.

Nachdem wir den östlichsten Punkt unserer Reise passiert haben, zeugen grosse Pinienalleen davon, dass wir dem Süden der Halbinsel immer näher kommen. Am Horizont sind schon die ersten Ausläufer der Berge zu erkennen. In Odessa - und auch im Vorfeld der Tour - gab es ein paar Strassentips. Eine gelbe Strasse ist dabei, die die Berge überquert und bei der Sonne brauchen wir wohl keine Angst vor tiefen Schlammfurchen zu haben und nehmen den Weg in Angriff.

Eine landschaftlich wunderschöne Schotterpiste (Kategorie 4) mit Spitzkehren und tiefen Abhängen erwartet uns. Teilweise geht der Weg durch dunkle Wälder um sich dann wieder an irgendeinen Hang anzuschmiegen. Das Fahren macht hier richtig Spass und am Ende hätte ich Lust das ganze nochmal in die andere Richtung zu machen. Schlaglöcher gabs natürlich auch, aber die sind inzwischen natürlicher Teil der Strassen und wenn man sie rechtzeitig sieht, kann man ihnen auch - meist - ausweichen.

Der Parkplatz - allerdings ohne Schatten - an der kleinen Serpentinenstrasse mit Blick auf das Schwarze Meer ist einen Stop und Kaffeekochen wert, bevor es weiter auf der kurvenreichen und absolut zu empfehlenden Küstenstrasse zu unserem geplanten Campingplatz geht. Nach etwas Suchen finden wir den auch - direkt am Strand ohne jedwede sanitären Einrichtungen soll eine Wiese für das Campingfeeling sorgen. Nach diesem heissen Tag wünsche ich mir aber schon 'ne Dusche und etwas mehr als verfallenes Mauerwerk um die obligatorischen Löcher stelle ich mir als Klo auch vor, denn sonst könnten wir auch wild und kostenlos campen.

Da die gesamte Südküste der Krim Urlaubsgebiet ist, wird sich sicherlich noch was besseres im Bereich Alusta finden lassen. Doch die Hotels vor Ort wollen sage und schreibe 60$/Nacht ...

"Ja, ist denn schon Weihnachten oder gehören wir der russsischen Mafia an?"

Etwas weiter in Richtung Jalta finden wir dann aber an der A294 ein relativ abgelegendes, kleines, schnuckeliges Hotel, welches pro Nacht knapp 30EUR kostet. Die Motorräder müssen zwar auch hier vor der Tür stehen, aber da ist wenig bis gar kein direkter Publikumsverkehr und im Dunkeln sieht man die Maschinen auch nicht. Fertig geduscht setze ich mich jetzt ins Restaurant und verlange die englischssprachige Menu-Card, von der mir Thomas schon berichtete, weil die Bedienung, kaum, dass wir vom Motorrad abgestiegen sind, schon mit der Karte hinter Thomas herlief.

Die dusselige Kuh scheint nicht zu verstehen - ständig zeigt sie auf meinen Schlüssel und in Richtung meines Zimmers ...

"Nee! Aufs Zimmer will ich das Essen nicht haben, ich will die iiiinglish Menu-Card..."

das geht so ein paar Minuten, aber zumindest habe ich schonmal ein Bier bekommen und warte sehnsüchtig auf Thomas, damit er mit seinen Russischkenntnissen etwas Licht in diese seltsame Situation bringt.

Es stellt sich heraus, dass Thomas der Bedienung sagte, dass ich Englisch spreche und somit wurde die einzige englische Speisekarte in mein Zimmer gelegt und wartete darauf, dass ich sie schonmal vorab studiere... (sic!) Nachdem wir aus der pseudoenglischen Karte (ceese wird wohl cheese und meet wohl eher meat heissen) was bestellt und vertilgt haben, wird es auch langsam Zeit fürs Bett...

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Text&Bilder ©2oo6 - Andreas Just      Letzte Änderung: 12.o7.2oo6