Donaudalta
Donaudalta
weite Seen
weite Seen
Schwan
Schwan
Pelikan
Pelikan
Kormoran
startender Kormoran
Pelikan
Kormoran
Track 31.o5.

Wetter:

heiss

Hütte:

N 452'20"
E 2910'48"

Tag:

36 km Boot

Gesamt:

2564 km

Dienstag im Donaudelta

Rumänien  Gegen halb zehn machen wir uns auf den Weg zum Treffpunkt. Die Sonne brennt jetzt schon erbarmungslos vom Himmel, aber ein stetiger Wind lässt das ganze erträglich werden. Genug Autan ist aufgelegt und auch etwas langärmeliges eingepackt - könnte ja kühl werden. Die CF-karten für die Digi sind allesamt komplett leer, frisch geladene Akkus eingelegt, den Garmin habe ich dabei und es fehlt eigentlich an nix... oder doch?

Unser Bootsführer holt uns ab und nach einen kurzen Fussweg sitzen wir auch schon im kleinen grünen Boot. Zuerst geht es auf einen der 3 Hauptarme der Donau an dem grosse Wohnschiffe vor sich hindümpeln. Undurchsichtige Wälder säumen die Ufer und nach einiger Zeit fahren wir in einen kleinen Nebenarm hinein.

"So habe ich mir das Delta vorgestellt"

Der kleine Flusslauf fliesst unter mächtigen Bäumen dahin und schummriges Licht umfängt uns. Der Himmel ist voll von Insekten, dabei handelt es sich weniger um Mücken als vielmehr um Unmengen von grossen und kleinen Libellen. Im Dämmerlicht der Bäume lauern Silber- und Graureiher auf Bewegung im Wasser. Farbkleckse, die sich als Bienenfresser oder Eisvögel zu erkennen geben, lockern das vielfältige Grün auf. Plötzlich öffnet sich eine Durchfahrt zu einem riesigen See, der von scheinbar undurchdringlichen Schilfflächen gesäumt wird. Darüber spannt sich ein strahlend blauer Himmel. Weisse Flecke am Ufer entpuppen sich beim näher heranfahren als unzählige Schwäne, Kormorane fliegen dicht über das Wasser oder sitzen mit ausgebreiteten Flügeln auf totem Holz am Ufer - wobei sich die Frage stellt was hier Ufer und was See ist. Wahrscheinlich Millionen Frösche sorgen für ein unbeschreiblich lautes Quaken, welches aus dem Schilfgürtel zu uns herüberschallt.

Vereinzelnd sind jetzt auch Pelikane zu sehen und nach dem Durchqueren des Schilf sehen wir davon plötzlich Dutzende auf dem Wasser. Dazwischen unzählige Kormorane, die gemeinsam mit den Pelikanen jagen. Inzwischen färben sich meine Unterarme leicht rötlich, denn die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Das GPS sagt was von fast 40C. Es wird wohl Zeit was langärmeliges anzuziehen. Der Wind kühlt zwar fühlbar die Haut, aber das nützt nunmal nix gegen Sonnenbrand, den ich damit noch in seinem Anfangsstadium abfangen kann.

Riesige Seerosenfelder und Nistplätze von Seeschwalben steuert unser Bootsführer an. Das Wasser ist durchzogen von Wasserpflanzen und 'Tang', so dass die kleine Schraube des Bootes öfter keine Kraft mehr hat sich durchzuwühlen und der Motor gegen das Ruder ausgetauscht wird. Immer dann wird der Krach, den das Leben hier veranstaltet, noch intensiver. Durst stellt sich so langsam ein - haben wir also doch was vergessen und unser Bootsführer hat nix dabei (da könnte er noch ein gutes Geschäft draus machen ;-).

Nach fast 5 Stunden geht es zurück und wieder umfängt uns der Dschungel um dann wieder auf dem grossen Donauarm anzukommen. Gegen die Strömung und entsprechend langsam nähern wir uns unserem Ausgangpunkt. Klasse war es und ich würde da gerne noch ein paar Tage verbringen, aber im Moment quält mich doch etwas der Durst. Zum Glück ist ein kleiner Laden in der Nähe der Anlegestelle und ausreichend Getränke werden jetzt - zu spät - gekauft.

Auf dem Campingplatz sind wir inzwischen alleine, der Hollandkonvoi ist weiter gezogen und somit sind alle Hunde auf uns fixiert, aber ich habe ja meinen Wachhund, der für Ordnung vor der Hütte sorgt. Den Nachmittag verbringen wir mit relaxen, Fotos sichten und ...

Thomas Reisepass ist weg!
Er durchsucht seine ganze Hütte, das Gepäck, fragt mich... bis uns einfällt, dass der Pass evtl an der Rezeption liegt. Vorne angekommen geht Thomas rein und kommt kurz darauf wieder raus, um mich zum Übersetzen zu bitten. Die Frau hinterm Tresen ist etwas perplex, dass Thomas nach seinen Pass gefragt hat und ob wir den jetzt schon wieder abreisen wollen, denn sonst braucht sie eine andere ID-Card. Das können wir dann aufklären und Thomas Pass blieb da wo er gestern schon war, was wir aber überhaupt nicht realisert hatten. Das hätte noch gefehlt, denn damit wäre die Tour hier zu Ende gewesen und die Botschaft in Bukarest das nächste Ziel.

Erleichtert gibt es dann noch Abendbrot im Restaurant und ein toller Tag ohne einen einzigen Motorradkilometer geht wieder mit einem wunderbaren Sonnenuntergang, untermalt vom ewig tönenden Singsang der Schwäne und Frösche, zu Ende.

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Text&Bilder ©2oo6 - Andreas Just      Letzte Änderung: 12.o7.2oo6