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Handwerker
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Dachlattenverhau
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4 Tage...
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Abwechslung
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das lebt!
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AufpasserInnen
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Transsibirische Eisenbahn

Russland  Ein vollgepacktes Reisemotorrad biegt auf den Hotelparkplatz ein. Irgendwoher kenne ich den. Es ist Rob de Jong, der sich auch immer auf dem Tesch-Treffen in Belgien rumtreibt. Er will hier heute mit seiner Reisegruppe einchecken, während wir abreisen. Ein kurzer Klönschnack ist noch drin, dann brechen wir in Richtung Bahnhof auf.

Dort treffen wir Olga vom lokalen Organisator, den uns das Visabüro in Deutschland vermittelt hat. Sie haben die Transsib Karten besorgt und wollen uns beim Verladen der Motorräder unterstützen. In Russland ist Bürokratie die Hauptbeschäftigung aller Unternehmen und bevor wir da mangels ausreichender Sprachkenntnisse scheitern...

Wir würden jetzt wohl scheitern, denn der Ablauf ist irgendwie recht seltsam. Zuerst geht's darum, die Motorräder ohne Gepäck zu wiegen, ergo wird alles abgepackt und um den Schuppen herum gefahren. Jetzt ist allerdings Mittagspause - können wir also das Gepäck rüberschleppen. Ich lasse noch ca. 15l Sprit unter Tränen, in den Gleiskörper ab (wurde mir so gesagt), weil die Tanks leer sein sollen. Nach 1 Stunde werden die Tore zur Waage geöffnet und wir dürfen die Moppeds daran VORBEIschieben und kommen auf der anderen Seite des Schuppens wieder raus. Genau! An der Stelle wo wir schon mal waren, aber dafür jetzt auf der Laderampe. Das Gepäck muss allerdings wieder rumgeschleppt werden und jetzt kommen 2 Arbeiter, die unsere Transportkisten zimmern sollen.

Kiste! Das klingt nach einer Box mit Seitenwänden, was da aber nach 2 Stunden Sägerei, Hämmerei und Biegerei vor uns steht... nunja... eine Beschreibung schenke ich mir, die Fotos sagen alles. In 20min fährt der Zug und die 'Kisten' stehen hier immer noch. Schliesslich werden die mit vier Mann auf kleine Anhänger gewuchtet und um den Schuppen (hier waren wir heute auch schon mal) zum Zug gekarrt, dessen Wagon-Laderampe knapp 80cm höher ist, als die Anhänger. Die Bahnmitarbeiter wuchten diese Dachlattenverschläge mit den 300kg Maschinen nach oben und rein in den Gepäckwagen. Beim Tiger knackt etwas fürchterlich und ich sehe meine geliebte Katze schon im Gleisbett, aber die Männer verstehen wohl ihren Job...

"Wann kommt der nächste Bahnhof?"

Laaaaaangweilig ist es - am Fenster huschen Birken, Birken, Birken, Kiefern und manchmal eine Ortschaft vorbei. Genau! Das nennt sich Sibirien da draussen. Drinnen wird gedöst, am Notebook gedaddelt oder Musik gehört. Die einzige Abwechslung sind die Bahnhöfe auf denen ein etwas längerer Aufenthalt vorgesehen ist. Da kann man aussteigen, sich an den Kiosken mit Nachschub eindecken, ein bisschen Rumlaufen und sich anderweitig die Zeit vertreiben. Jeder Stop mutiert so zum Highlight der Eisenbahntour. Ein Zugrestaurant gibt es auch, aber mengenmässig ist es am unteren und kostenmässig am oberen Level, dann doch lieber Selbstversorger im Abteil.

Jeder Wagon wird von einer Schaffnerin betreut, die sich regelmässig umzieht und mal als Putzfrau und mal als Aufpasserin auftritt. Während der Stops stehen die Damen dann vor dem Eingang ihres Wagens und achten darauf, dass nur Berechtigte Zutritt bekommen. Unsere hat sogar unser Abteil abgeschlossen, als wir beide draussen waren, so kann eigentlich nichts wegkommen. Ansonsten ist die 1.Klasse in der Transsib nicht unbedingt mit der 1.Klasse im Westen zu vergleichen - es ist alles etwas heruntergekommen, aber dafür sind wir nur zu Zweit in dem recht engen Abteil. In der 2. Klasse müssen sich 4 Leute den Raum teilen und in der 3. Klasse kommen noch weitere 2 Betten hinzu, dafür gibts keine Türen mehr. Die 1. Klasse ist naturgemäss die teuerste, aber auch die empfehlenswerteste.

Zu erwähnen ist noch, dass die 110V Steckdose in unserem erste Klasse Abteil kaputt ist und wir somit unsere Notebooks immer auf dem Gang, versteckt hinter einem Notsitz, laden müssen und dass die 220V Steckdose nur von der Schaffnerin eingeschaltet werden kann, aber dafür gibt es Heisswasser in jedem Wagon, aber leider keine Milch für den Kaffee. Thomas hat zwar etwas organisiert, das auf den ersten - noch geschlossenen - Blick wie Kondensmilch aussieht, aber auf dem zweiten - jetzt geöffneten - Blick den Anschein erweckt gleich aus der Dose zu krabbeln. Gezuckerte Milch ... bäh!

Nächstes Mal bringe ich aber was zu Lesen aus Deutschland mit. An keinem Bahnhof gibt es irgendeine deutsche oder zumindest englische Zeitschrift. So muss jetzt halt der Reiseführer zur Mongolei über all die Dinge berichten, die wir verpasst haben oder die wir selbst erleben haben. Thomas beschäftigt sich mit dem Versuch einen geschlossen Bahnübergang vom Zug aus zu fotografieren, denn an vielen wird eine mechanische Sperre aus der Strasse hochgefahren, wenn die Schranken unten sind. Nach Unmengen vergeblicher Versuche, schafft er es endlich und muss sich nun einen anderen Zeitvertreib suchen.

Ach ja - die die Klimaanlage funktioniert nur wenn der Zug fährt. Da er aber öfter mal längere Zeit in der prallen Sonne steht, die Fenster sich nicht öffnen lassen, ist das Klima mal brütendheiss und mal eiskalt. Ideal um sich eine Erkältung einzufangen, wie ich es dann auch geschafft habe...

Da stellt sich im Nachhinein die Frage - besser 10-15 Tage langweilige Strassen in Sibirien oder 4 langweilige Tage Zugfahrt durch Sibirien? Ich würde zweiteres empfehlen - geht schneller vorbei...

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8