auf dem Weg zum Baikal
auf dem Weg zum Baikal
am Baikal
am Baikal
Feuermacher
Feuermacher
Dreierabschlussfoto
Dreierabschlussfoto
Baustelle
Baustelle
Listvyanka
Listvyanka
Touri-Markt
Touri-Markt

Am Baikalsee

Russland  Gut ausgeschlafen und frisch gestärkt brechen wir auf und nach 50m stecke ich im Sandweg fest. Die rechte Spur war diesmal die Falsche, aber das Hinderniss ist mit der Hilfe meiner Mitfahrer schnell überwunden. Die Tankanzeige nähert sich aber nun gefährlich dem absoluten Tiefpunkt, der Zeiger bewegt sich so gut wie gar nicht mehr, wenn man die Zündung an macht. Wie so oft: seit der Grenze gab's massig Tankstellen und jetzt kommt nix mehr - selbst grössere Ortschaften sind tankstellenlos. Inzwischen fahre ich vorweg und nutze jede Gelegenheit zum Rollen und Spritsparen. Nach nicht enden wollenden Kilometern endlich eine Tankstelle auf einem knapp 20m hohen Hügel mit sehr steiler, sandiger und langer Auffahrt. Wenn man da mit leerem Tank hängen bleibt, hat man ein Problem. Shit drauf - der Tiger braucht Sprit, ich fahre hoch und - UNGELOGEN - 3m vor der Zapfsäule geht der Motor aus. Puh!, aber immerhin 461km weit gekommen.

Doch hier gibt's nur 80 Oktan und das wurde als Tigerfutter bisher immer vermieden - in der Mongolei gab's überall auch 92er. Also besser nicht ganz voll tanken, denn ob der Dreizylinder damit klarkommt? Der kommt damit klar! Gasgeben wird zwar mit schwarzem Qualm und sehr, sehr sanften Vorwärtstrieb quittiert, aber zumindest fährt das Motorrad, wenn auch Beschleunigungsorgien nicht drin sind. Die nächstbeste Gelegenheit, knapp 10km später, wird dann genutzt um die Oktanzahl wieder etwas höher zu bekommen.

Vorbei geht's an Ulan Ude um nun wieder in Richtung Westen unterwegs zu sein. Die Landschaft wird hügeliger, ein paar Kurven lockern die Fahrerei auf und Cafes fürs Pausen gibt es auch genug. Das Selenga-Delta am Baikal zieht uns an, denn evtl. gibt's da Bootsexkursionen oder ähnliches. Ein bisschen enttäuscht sind wir dann doch. Ein paar Wasserflächen, ein wenig niedrige Vegetation, das war's auch schon. Aber hübsche kleine Fischerdörfchen finden sich hier einige und auch ein schöner Platz zum Campen. Der Weg zum Baikal wird zwar durch Feuchtwiesen versperrt, aber es ist windgeschützt und genug Holz für ein Lagerfeuer gibt es auch. Thomas und Olaf "leihen" sich ein Ruderboot aus, das am Ufer liegt und ich sorge mich um das Feuerchen, das die 1cm - was sage ich - gefühlte 5-10cm! grossen Mücken verscheuchen soll.

Diese Mücken sind aber auch bei den notwendigen Geschäften mehr als nervig. Es empfiehlt sich einen Birkenzweig abzubrechen und unter Wedeln seine hockende und entblöste Haltung möglichst nur kurz zu halten. Die Viecher sind schnell ;-)

Jetzt stehen wir direkt am Baikal, sogar mit den Motorrädern. Wenige Kilometer hinter unserem Zeltlager gibt es eine befahrbare Landzunge, mit Steinstrand und Wiese, auf der viele Russen die Sonne geniessen und wir unser Abschiedsfoto machen können. Thomas hat diese Stelle schon gestern abend gefunden, als wir noch nicht sicher waren, ob die Mückenecke das Optimale ist. Seine Erzählungen klangen nach Tiefsand und Wind und beides musste nicht sein, aber im Grunde ist hier doch ganz nett.

Olaf will jetzt alleine weiter, denn er hat keine Karten für die Transsib und muss die 6000km quer durch Sibirien wieder zurückfahren. Da wir noch ein paar Tage Zeit haben, bis unser Zug fährt, ist das etwas risikoreich, wenn er vor Ort keine Karten bekommt. Wir wünschen ihm viel Glück, nette Birkenwäldchen unterwegs, wenig Langeweile und eine gute Heimreise, bleiben den Rest der Tour aber per SMS in Kontakt.

"Irgendwie fährt sich das recht seltsam! Sollte ich den ersten Platten haben?"

Ein Stop bringt dann die Aufklärung. Mein Topcase schleift an einem Spanngurt hinter dem Motorrad her. Das muss vor knapp 1km in diesem heftigen Schlagloch passiert sein. Warum sich das Topcase gelöst hat, weiss ich nicht, ich weiss aber das ein paar Sachen wie Töpfe, Becher, Brille usw. fehlen, die wir noch knapp eine Stunde lang suchen Da die Strasse hier auf einem Damm gebaut ist und die Gräben am Rand vollkommen zugewuchert sind, ist die Ausbeute der wiedergefunden Sachen leider mehr als gering. Meine Sturmhaube habe ich zumindest wieder. Das ist jetzt schon das 2.Mal, dass ich dieses Topcase ohne ersichtlichen Grund verloren habe.

2 Nächte in Ferienhotels im Süden des Baikalsees schliessen sich an, bis wir entscheiden noch mal nach Listvankja, dem berühmten Urlaubsort an der Westküste, zu fahren. Zeit genug ist vorhanden, denn die Puffertage für die Reise sind immer noch nicht verbraucht und dazu kommen nochmal 2 Tage, da kurzfristig unser Verladetermin für die Motorräder verschoben wurde. Anstatt in einem Postzug kommen die jetzt doch in unserem Personenzug mit.

Durch eine tolle Mittelgebirgslandschaft geht die Strasse und auch durch Irkutsk, unserem Ziel in 2 Tagen, denn einen direkten Weg vom Süden gibt es nicht. Wir quartieren uns in einem kleine Hotel ein und verbringen 2 faule Tage mit ein wenig Rumlaufen, einen Oldiemusiksender gucken, ein bisschen russisches Billiard spielen, den Fischmarkt besuchen... unsere Puffertage werden regelrecht totgeschlagen - wie gerne hätte ich die in der Mongolei verbraucht, aber dann wäre sicherlich irgendwas passiert, was uns aufgehalten hätte... irgendwas ist ja immer ...

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8