geschafft im Oasis
geschafft im Oasis
Buddha
Buddha
Ulaanbataar
Ulaanbataar
Ulaanbataar
Ulaanbataar
Khan Bräu
Khan Bräu
Khan Bräu
Khan Bräu

Ulaanbaatar ist nicht die Mongolei

Mongolei  Heute ist Austag. Wir geniessen das Gammeln, aber auch ein paar Kleinigkeiten an den Motorrädern werden noch gemacht. Ich fette die Kette, räume das Gepäck auf und montiere einen neuen Blinker, da der vorherige bei meinem schmerzhaften Sturz in der Wüste leider auch gelitten hat. Olaf hat sein neues Federbein schon am Freitag eingebaut. Unsere Kleidung wird in der zur Oasis gehörenden Wäscherei gewaschen und Schnitzel mit richtigen Pommes gibt's im Haus. Richtige Pommes heisst richtige Pommes und nicht dieser Kram, den man sonst hier und in Russland bekommt. Kalt geschnittene Kartoffelscheiben mit viel Fett in einer Pfanne andünsten... bäh - das taugt noch nicht mal als Bratkartoffeln.

Ein Supermarkt um die Ecke sorgt für Nachschub an Bier, anderen Getränken, Knabbereien und das Internetcafe für etwas Kontakt nach Hause. Aber auch hier kann ich nicht auf meine E-Mails zugreifen - wird echt Zeit den Provider zu wechseln - selbst in Deutschland klappt das häufig nicht Online.

Sonst passiert wirklich nicht viel, statt Langweile wird gedöst, geklönt und gegammelt. Morgen kommt noch so ein Tag, da angeblich sonntags die Grenzen geschlossen sind, aber hier im Oasis kann man es schon aushalten.

Die Stadt will noch erkundet werden. Auf der Irrfahrt vorgestern sind wir an einem grossen beleuchteten Buddha vorbeigekommen, haben massenhaft alte Loks in Reih und Glied an der Strasse gesehen und mal gucken was es noch so gibt. Locker gekleidet und ohne Alukoffer stürzen wir uns in den Verkehr, der in dieser Stadt genauso nervig ist, wie in all den anderen Grosstädten auch. Die Bedeutung von Fahrspurbegrenzungen, Haltelinien und Zebrastreifen ist hier vollkommen unbekannt und wenn man sich erlaubt nicht sofort in eine vorfahrtsberechtigte Strasse einzubiegen, weil es halt massenhaft Vorfahrtberechtigte gibt, wird man schnell mit einem Hupkonzert traktiert. Was für ein Kontrast zum Fahren in der Gobi.

Den grossen Buddha finden wir recht schnell wieder und daneben ist noch eine Gedenkstätte auf einem Berg, den man auf Serpentinen fahrbar erklimmen kann - für Motorräder sogar kostenlos. Von oben hat man einen tollen Rundumblick auf die Stadt und die dunklen Wolken, die sich von Osten nähern. Kurz darauf giesst es auch wieder in Strömen, den wir und all die anderen Besucher, hier oben im Andenkenladen abwarten. Das Cafe hat angesichts des Ansturms wohl rechtzeitig zugemacht. Bei leichtem Nieseln gehts schliesslich wieder runter, um auf den Strassen wieder diese seegrossen Pfützen vorzufinden. Mit dem Wasser kommen die hier einfach nicht klar, denn ich bezweifle, dass es überhaupt eine Kanalisation gibt. Aber die Motorradstiefel sind ja wasserdicht, Olafs Turnschuhe jedoch nicht...

Ein Laden namens "Khan-Bräu" mit dem deutschen Hinweis "Biergarten" zieht uns an, um die Klamotten etwas abtropfen zu lassen. Selbstgebrautes Bier soll hier es laut Karte geben, aber wir bekommen nichts. Heute sind die Parlamentswahlen, dessen Wahlkampf wir schon seit Anfang an in der Mongolei mitbekommen haben und am Wahltag gibt es keinen Alkohol zu kaufen, auch nicht für Ausländer.

Olaf trennt sich hier von uns, da seine Klamotten wirklich durchnässt sind, während Thomas und ich noch die Eisenbahnen, sowie ein Kloster, das es laut Karte im Norden gibt, aufsuchen wollen. Die Loks sind schnell gefunden, das Kloster aber nicht so richtig. Wir sehen es zwar, finden aber keinen Weg, um dahin zu fahren. Dann geht's halt wieder zurück ins Oasis, denn der Verkehr nervt einfach nur. Diese Stadt hat mit dem, was man sich unter Mongolei vorstellt und was wir lieben gelernt haben, absolut nichts zu tun. Es ist ein Moloch, der genauso am Verkehr erstickt, wie all die russischen Städte auf dem Weg hierher.

Eine Abfahrt zu früh biegen wir falsch ab und finden uns mitten in einer Holzhüttensiedlung wieder, Asphalt gibt es hier nicht, dafür Schlaglöcher, Schlamm und Dosenfahrer, denen man die Reifen abmontieren könnte, so langsam kriechen die. Wir drehen besser wieder um, denn ob wir hierdurch den Weg finden, will ich mal bezweifeln.

In unserer Unterkunft gibt's zumindest Bier, was zu Essen und morgen geht's ja wieder gen Russland. Ein bisschen Wehmut kommt auf, dieses Land jetzt wieder zu verlassen, die Südgobi, der Osten, der Norden - da ist noch so einiges was entdeckt werden will... hierher komme ich definitiv noch mal...

next

- nach oben -


Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8