tolles Tier
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Schutzkleidung
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Weltuntergang
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fast wie Sibirien
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Pferde
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grössere Wegweiser
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Frust!
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Steinadler und Depressionen

Mongolei  So ein Steinadler ist ganz schön schwer, wenn er auf dem ausgestreckten Arm hockt. Der in Kampfmontur gekleidete Mongole rüttelt dazu noch an meiner Hand, damit der Adler seine Schwingen ausbreitet.

Thomas ist im Kloster, das von einer mächtigen Mauer umgeben ist und macht dort Fotos, währenddessen ich auf die Motorräder aufpasse, da mein Fuss das Laufen von längeren Strecken immer noch mit massig Schmerzen quittiert. So komme ich mit den Anwesenden ins Gespräch, die hier in mongolischer Tracht und mit 2 Steinadlern auf Touristen warten, um sich für ein paar Tögrög mit ihnen fotografieren lassen. Die Motorräder sind umgekehrt eine Attraktion für sie und dem üblichen Wunsch sich mal draufsetzen zu dürfen, stimme ich natürlich zu.

Als er dann für das Foto Geld haben will, will ich natürlich für's Draufsitzen auch was haben und das Eis ist gebrochen. Mein Helm wird testweise gegen das mongolische Kampfkäppi getauscht, ich darf mit dem Schwert rumfuchteln und nachdem nun fast der ganze Clan einmal auf dem Motorrad sass, soll ich den dicken Lederhandschuh überziehen und der Adler wird draufgesetzt. Ein tolles Gefühl so einem mächtigen Vogel so nahe zu sein. Die Jungs erzählen in gebrochenem Englisch, dass sie abends mit den beiden Vögeln auf die Jagd gehen - das wäre noch was, aber die Zeit...

Da das ja das Geschäft der Mongolen ist, krame ich 2000 Tögrög raus und will sie ihm geben, aber er winkt ab. In dem Moment kommt eine Frau aus einem Auto geschossen und mault ihn an. Ich schätze mal es geht darum, dass er doch das Geld nehmen soll. Ich biete es ihm noch mal an und ab da ist auch die Frau wieder nett und freundlich. Die Zeit vergeht wie im Flug, bis Thomas wieder auftaucht und wir, aufgrund dicker schwarzer Wolken am Horizont, dann doch lieber aufbrechen.

Die Wolken kreisen uns ein - ein Stop für die Regenklamotten muss sein und dann geht unser Weg ausgerechnet in die dunkelste Ecke, die sich hier ringsherum zusammenbraut. Sehen kann man jetzt bei strömenden Regen und 30m Sichtweite absolut nix mehr. Plötzlich bleibt die KTM stehen - ich fahre vorbei und auf einem kleinen Hügel knapp 500m weiter - ohne Regen - wird angehalten und gewartet.

Wo bleibt Thomas?

Zum Visiersaubermachen, Klamotten zurechtrücken oder anderer Kleinigkeiten weswegen man bei so einer Sturzflut anhält, ist die Zeit ganz schön lang. Hoffentlich keine Panne - schliesslich drehe ich um und fahre in dieses Weltuntergangsszenario zurück, doch da kommt er mir auch schon entgegen. Er hat die Sicherung für die Scheinwerfer wieder eingebaut, die er am Anfang der Mongolei rausgenommen hat. Diese modernen Kräder haben ja keinen Lichtschalter mehr (irgendwelche idiotischen EU-Bestimmungen), um selbstständig zu entscheiden wann man Licht haben will und wann nicht. Und in dieser Suppe war ihm das ohne Licht fahren einfach zu kriminell. Kann man ja nicht ahnen, dass es 300m weiter trocken ist :-)

Das scheinbar endlose Asphaltband zieht sich dahin, Pferde an und in kleinen Wasserstellen, Yaks und Kamele säumen die Strasse. Wehmütig geht der Blick auf so manche Piste, die hier neben der Strasse verläuft, aber im Grunde reicht es wirklich mit dem Offroad und die Aussicht auf befestigte Wege und Sonnenschein bis zum heutigen Ziel lassen einen beschwingt und locker dahingleiten.

Frust

Es fängt wieder an zu nieseln, der Asphalt ist zu Ende und der Anblick einer Baustelle, lässt die beschwingte Stimmung ruckzuck zusammenbrechen. Diese Baustelle ist 100km lang, der Regen nimmt zu und die Baustellenpiste wird zur Schlammwüste. Steine lockern den Matsch auf, tiefe Schlaglöcher sorgen immer mal wieder für einen Adrenalinschub und unendliche Rüttelpassagen lassen mich schliesslich entnervt anhalten, den Kopf auf den Tankrucksack legen und kurz abschalten - einfach alles um einen herum vergessen. Mein Frust steigt mit jedem Regentropfen, der den Weg hinter das Visier findet, die Handschuhe sind inzwischen komplett durchgeweicht und am Nacken spüre ich das Wasser auch schon. Wir versuchen es jetzt mal neben der Stra... neben der Pist... ach!... das ist einfach unbeschreibbar.

Nasses Gras, schlammige Wege, steile Hänge und kleine Flüsse... Besser wieder auf die Strasse, doch hier erwarten uns nun rechtwinklige Spurrinnen, die so tief sind, dass meine Fussrasten rechts und links am Rand streifen, dazu dann noch Schlaglöcher IN diesen Rinnen. Es kommt wie es kommen muss - ich setze mal wieder mit dem Motorschutz auf, falle aber zumindest nicht um, denn die Rinne ist - ich erwähnte es - tief. Trotzdem ist es schwer den Tiger da rauszubekommen, aber ein LKW-Fahrer kommt mir glücklicherweise zu Hilfe.

Dieser Abschnitt ist das Schlimmste was ich je gefahren bin, shit auf Tiefsand, shit auf Flüsse, shit auf Geröll, der von Steinen durchmischte Schlamm ist einfach nur pervers, aber ich will heute noch nach Ulaanbaatar ins Oasis und so kämpfen wir uns weiter bis endlich die Stadt auftaucht und nach einigen Tümpeldurchfahrten (eher Pfützen, die aber Ausmasse von Seen annehmen) im Industriegebiet, wird der Untergrund wieder befahrbar.

Irgendwie sind wir mal wieder vollkommen falsch - laut Koordinaten müsste das Oasis irgendwo dahinten in den Bergen sein, aber da führt kein Weg hin, Thomas will schon am Fluss zelten, an dem wir die ganze Zeit lang fahren, aber ICH WILL nun mal HEUTE noch ins Oasis. Wir versuchen ein Taxi zu finden, wie so oft... wenn man eins braucht... Ich frage in einem Kiosk, ob sie uns eins bestellen können. Das klappt dann auch und der Taxifahrer fährt vorweg zum ersehnten Ziel.

Es ist jetzt fast 23:00 Uhr - wir dachten ja so gegen fünf oder sechs hier allerspätestens aufzuschlagen, aber diese %$&!-Strasse... und die falschen Koordinaten...

Olaf freut sich riesig uns zu sehen, er hat schon mal ein vier Personen Ger belegt und war 100% sicher, dass wir heute noch kommen, auch wenn Sybille, die Betreiberin, meinte, dass wir es nicht mehr schaffen würden, weil es extrem regnet...(sigh!)

Ein Gruppe Australier, die den Weg durch die Mongolei noch vor sich haben, ist auch da. Einer von ihnen ist Krankenpfleger und untersucht jetzt meinen Fuss. Gebrochen ist wohl wirklich nichts, aber dick und bunt ist er immer noch. Ein paar Bier und ein paar Stories später geht dieser Tag, der uns soviel Freude, aber auch Stress und Depressionen, gebracht hat, zu Ende.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8