nehmen wir die Rechte
nehmen wir die Rechte
vor einem Ort
vor einem Ort
endlich wieder Asphalt
endlich wieder Asphalt
aber nicht lange
aber nicht lange
Geier
Geier
Schlamm
Schlamm
Putzdienst
Putzdienst

Zivilisationszeichen

Mongolei  Genieselt hat es wohl ein bisschen, aber die Nässe auf den Zelten und Motorrädern stammt doch überwiegend vom nahen Fluss, dessen Anwesenheit für leichten Bodennebel sorgt. Die Sonne braucht jedoch etwas Zeit um über die Berge zu kommen, die hier wieder dicht gedrängt stehen. Dementsprechend fahren wir auch fast nur Wellblech- und Schotterpisten, denn Offroad würde hier Bergsteigen bedeuten. Immer mehr Brücken sind zu überqueren oder zu umfahren, wenn tosende Wasserfluten sie irgendwann in der Vergangenheit zerstört haben. Jurten sieht man jetzt allerorten, aber auch feste Häuser häufen sich. Wir kommen der Hauptstadt immer näher, wenn auch noch ein paar hundert Kilometer Strecke vor uns liegen.

Die letzten 300km soll es Asphalt geben und darauf freuen wir uns schon. Die Konzentration, der Staub und Dreck ... irgendwann reicht es einem. Am schlimmsten ist aber die Rüttelei: Alles was nicht 100% fest ist, ist definitiv weg. Spanngurte sollten ständig kontrolliert werden, ein Blick auf Schrauben lohnt sich auch und wie heftig es werden kann, sieht man an meinem Klapphelm. Das Klappteil hat sich unterwegs vom Helm gelöst, zum Glück merkt man das sofort und kann so zumindest den Verlust von Schrauben verhindern.

Die vielen Wüstenrennmäuse haben eine seltsame Eigenschaft. Sie sitzen rechts oder links der Piste und im letzten Moment wetzen sie vor dem Vorderrad auf die andere Seite. So alle 50m wiederholt sich dieses Schauspiel, denn von diesen Nagern gibt es hier sicherlich tausende, anders lässt sich die unglaubliche Anzahl der Steinadler nicht erklären. Fast wie die Krähen bei uns, bevölkern sie die Berghänge. Ein paar grosse Geier gesellen sich dazu und Kraniche stolzieren stolz über die Wiesen. Dazu noch Murmeltiere, die wir schon im Altai in hoher Zahl gesehen haben - hier würde ich gerne mal eine Woche Naturfotografie betreiben.

Da ist eine asphaltierte Strasse, die aber noch nicht freigegeben ist. Riesige Sandberge am Anfang blockieren die Auffahrt, nach ein paar hundert Metern findet sich dann doch eine Zufahrtsmöglichkeit und fast beschwingt vom Geschwindigkeitsrausch, der sich schon bei knapp 90km/h einstellt, geht's bis zum Ende in Arvaikheer. Wie zu erwarten ist hier natürlich auch eine Sandblockade, aber links scheint man die umfahren zu können. Wenn nur die Bodenfreiheit des Tigers etwas mehr wäre, prompt setze ich bei Schrittgeschwindigkeit auf. Beide Räder in der Luft, kein Vortrieb und langsam kippt die Fuhre mit mir um. Blöderweise klemmt der Motorschutzbügel meinen rechten Stiefel ein (genau! wieder rechts!), den ich nicht rausbekomme. Da liege ich nun, versuche die 300kg hochzudrücken und rufe um Hilfe. Und wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott keine Sorgen machen :-) Sieht bestimmt lustig aus, wie ich mich da abmühe, auch wenn mir in dem Moment so gar nicht zum Lachen zu Mute ist. Nachdem meine Mitfahrer mir geholfen haben, helfe ich noch einem Mongolen, der kurz danach ebenfalls mit seinem Motorrad in diese Falle gefahren ist.

Jetzt ist noch etwas Kultur in Form von Klosterbesuchen geplant. Olaf trennt sich von uns und fährt direkt nach Ulaanbaatar, um sein neues Federbein noch rechtzeitig vor dem Wochenende aus dem Zoll zu bekommen. Wir verlassen hingegen mal wieder die befestige Strasse und auf, vom Regen ausgewaschenen, Geröllpisten geht es über eine Hügelkette in Richtung Shank. Die Berge liegen hinter und ein riesiges Flusstal vor uns. Ein feuchter, schlammiger Weg führt Zickzack durch diese grüne Ebene und unzählige Wasserläufe sind zu meistern. An einem steige ich vorher ab und sehe es mir an. Ich entscheide mich für eine Furt mit vielen Motorradspuren, doch zu spät, Thomas fährt schon meinen geliebten Tiger durch die tiefste Stelle. Nächstes Mal ziehe ich den Schlüssel ab ;-)

Sollte es jetzt regnen, werden wir hier wohl nicht mehr rauskommen, aber das Wetter bleibt uns hold und endlich kommen wir wieder auf festen Boden. Das Kloster in Shank ist leider geschlossen, also weiter in Richtung Karakorum, wo sich die grösste Klosteranlage in der Mongolei befindet.

Das Flusstal hat uns wieder. Die Strasse ist hier kurz vorm Wasser extremst verschlammt und die Furt sehr tief. Thomas ist schon rüber, ich warte hier den LKW ab, der aus der anderen Richtung kommt. So richtig trauen tue ich mich jedoch nicht. Es gab zwar noch nie Probleme mit Wasserdurchfahrten, aber der Respekt ist in all den Jahren nie weniger geworden. Thomas signalisiert mir, dass es scheinbar auch noch einen Umweg an den Berghängen gibt. Den nehme ich mal besser und über steile und schräge Wege geht's an und auf den Hügeln voran. Teilweise ist es so schräg, dass das Hinterrad wegrutscht, aber da die Fahrspur trocken ist, kommt man doch ganz gut voran und da vorne gibt's wieder Asphalt unter die Räder.

Es wird Zeit für einen Zeltplatz. Unsere Suche nach etwas Windgeschützten, wird durch ein Tourist Camp mit massenhaft Gastjurten unterbrochen. Als einzige Gäste werden wir freudig begrüsst und hier gibt es saubere Klos (Yippiee!), Duschen und sogar ein Restaurant. Der Chef bietet sogar an, dass ein paar Jugendliche unsere Motorräder kostenlos waschen.

"Danke, aber... das ist Frevel! So was tut man nicht!"

Eine längere Sitzung, eine ausgiebige Dusche, eine Klamottenhandwäsche und ein leckeres Essen im Restaurant schliessen sich an. Hier beim 'dinieren' werden sogar vorher heisse Handtücher gereicht und die Bedienung steht die ganze Zeit bereit, um auf einem Wink von uns Getränke nachzuliefern oder den Tisch für den nächsten Gang abzuräumen. Recht nobel geht so der Abend zu Ende. Der ganze Spass kostet 20$ die Nacht plus 7$ fürs Menü, aber das ist es auch wert.

Thomas hat übrigens das Motorradreingungsprogramm angenommen und fortan kann nur mein Tiger von all den Kilometern in der Wüste, erzählen; denn ab hier erwarten uns nur noch befestige Strassen, zumindest der Karte nach...

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8