take the long way
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eine Siedlung
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ich liebe das
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breiter Fluss
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Imbiss
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Chefköchin
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Plattenbeseitiger
Plattenbeseitiger

Sand, Flüsse und Gestank

Mongolei  Heute klappt das Fahren schon wieder, nachdem mir Olaf den Stiefel angezogen hat und die beiden wieder so nett waren, mir beim Zelt zu helfen. Da die geistige Blockade so langsam wieder dem natürlichen Trieb nach Motorradfahren Platz macht, heizen wir weiter querfeldein.
Aber wie immer hoch konzentriert, denn hier scheint es einiges Wasser zu geben und die teilweise grünen Stellen in den ausgetrockneten Flussenken, sollte man wohl besser meiden. Im Moment ist der Lustfaktor aber immens und der Fuss fast vergessen, auch wenn er sich beim Aufstehen immer wieder in Erinnerung bringt.

Hier gibt es auch viel, viel, viel zu viel Sand - habe ich schon erwähnt wie ich das liebe? Wenn man zügig drüberheizt, ist es fast als fährt man ohne Bodenkontakt, wird man langsamer, merkt man wie der Sand nach den Stollen greift und was beim Bremsen passiert, wissen wir ja. Sandstürze gab's aber schon genug und somit belassen wir es heute beim Fahren.

Der Wechsel in die linke Fahrspur war - zumindest im Moment - die richtige Entscheidung. Das ist zwar eine knapp 50cm tiefe Rinne, aber der Untergrund ist durch den Regen der vergangenen Tage fast steinhart. Eine Gabelung!

Wohin jetzt?

Rechts sieht ganz gut aus, doch nach einigen hundert Metern kommt der Wunsch auf doch die Linke genommen zu haben. Lockerer, tiefer Sand füllt die Rinne und ich komme da nicht seitlich raus - egal! - einfach drauf los - wird schon klappen, klappte ja auch schon zigmal vorher.

Die Entscheidung für eine Spur gleicht einer Lotterie, wobei ich aber heute eher die Gewinnerlose ziehe und wirklich zügig vorankomme.

Hinter einer Anhebung stehen massenhaft Jurten an einem Fluss. Wir decken uns erstmal mit Wasser ein und ein Einheimischer fährt dann mit seinem Chinamopped vorweg, um uns die Furt über das knapp 30m breite Gewässer zu zeigen. So was Breites hatten wir noch nicht... Olaf fährt dem Mongolen hinterher, verliert seinen 5l Reservekanister mitten im Fluss, ein Jeep kommt entgegen und es ist wohl besser an diesem Ufer erstmal abzuwarten. Die Dose ist vorbei und dann wagen wir uns an die Überfahrt, während unserer Mitfahrer auf der anderen Seite versucht den Kanister, der schon 50m weitergetrieben ist, zu retten. Wir kommen zwar etwas von der Furt ab (Blickrichtung! - nicht Olaf hinterher sehen!) und es wird doch recht tief, aber bis auf ein paar nasse Füsse passiert nix weiter.

Nur... es hat keiner gefilmt und keiner geknipst und noch mal darüber... lassen wir es lieber. Zumindest von unserem Führer haben wir noch ein paar Fotos gemacht. Das war jedenfalls unser breitester und tiefster Fluss bisher.

Diesseits des Flusses stehen auch Jurten und Zeit fürs Mittagessen ist es auch. Gegart wird mit dem Wasser, das wir gerade durchfahren haben. Es wird zumindest durch ein Handtuch gefiltert und dann erst gekocht, aber hier wird einem auch bewusst, warum man besser die empfohlenen Impfungen über sich ergehen lässt...

Eine weitere Nacht in der Wüste schliesst sich an und jetzt am Morgen sind die Zelte nass. Solange es nachts ein bisschen regnet, kann es uns egal sein, im Gegenteil, dann sind die Sandpisten nicht ganz so extrem tief. Das ist allerdings eine Gradwanderung - wenn zuviel Wasser runterkommen sollte, wird's zur Schlammwüste.

Richtig gewaschen haben wir uns schon lange nicht mehr, dazu kommt noch der Knoblauch den Olaf dabei hat und der abends unseren Broten das gewisse Extra verleiht. Jedenfalls stehen jetzt die Fenster, hier im Kommunikationsunternehmen in Bayanhongor, sperrangelweit offen. Ein kleines Schild im Fenster, welches dieses hoffnungslos überfüllte Internetcafe bewirbt, trieb uns hierher. Damit die Wartezeit nicht zu lang wird, hat die nette Mongolin uns hinter den Schalter geführt wo wir an einem Schreibtisch unsere E-Mails checken und der Atemluft einen Abenteuertouch verpassen können. Ihre Kollegen brauchen dann nach wenigen Minuten wohl etwas mehr Sauerstoff...;-)

Der Wahlkampf zu den Parlamentswahlen ist in vollem Gange und somit ist auch hier kein brauchbares Hotel frei, dafür werden wie üblich die Motorräder mit Werbezettelchen zugemüllt und da jedes Wahlkampfteam das andere mit lauter Musik zu übertönen versucht, ist alles irgendwie recht hektisch. Kein Klo (sigh!) und keine Dusche, heisst also weiterfahren. Teils über Wellblechpisten, teils Offroad kommen wir bis zu einem Fluss, an dem das Nachtlager aufgebaut wird. Zumindest kann man hier ein paar Klamotten waschen und sich selbst etwas frisch machen. Der erste Platten ist zu beklagen, allerdings ist nur ein Ventil an der BMW kaputt. Ein toller 12V Kompressor, der jetzt zur Strafe da bleiben muss, weicht schnell der Handpumpe. Es sieht nach Regen aus...

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8