GPS-Abgleich
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Ebene
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eine Krücke? hier?
eine Krücke? hier?
Kühlmittel
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Totes
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Weites
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Gefrustetes
Gefrustetes

Tag der Stürze und Verletzung

Mongolei  Inzwischen fahren wir praktisch nur noch neben den ausgefahrenen Pisten und orientieren uns an den Silhouetten am Horizont. Ab und zu Mal wird die GPS-Maus an das Notebook geklemmt und kontrolliert, wo wir uns exakt befinden, um dann in Richtung Osten nach Bergketten Ausschau zu halten, die wir in der Karte finden können. Laut GPS sind wir kilometerweit abseits der Strasse und laut Garmins WorldMap hoffnungslos verloren...
Da es aber nicht DIE Strasse gibt, ist eigentlich nur die Richtung wichtig. Vor Orten führen all die Fahrspuren sowieso wieder zusammen und man kann sich theoretisch gar nicht verfahren, ausser man erwischt eine Abzweigung, die in einen andere Richtung führt.

Wir fliegen regelrecht über dieses Land, wenige Hügel und Senken lockern die gerade Ebene auf. Thomas und Olaf fahren einen Berg hinauf, auf dessen Kuppe einer dieser Steinhaufen aufgetürmt wurde. Ich sehe nur all die Glasscherben, die sich wohl über Jahrzehnte dort gesammelt haben und fahre drumherum. Es ist nicht unüblich an solchen Steinhaufen Opfer in Form von Wodkaflaschen zu bringen. Die beiden kommen aber auch wieder unbeschadet runter. Nach zig Kilometern kommt wieder so ein Berg, da will ich mich diesmal nicht lumpen lassen und fahre Thomas hinterher.

Das wird aber immer geröllhaltiger und nun kommen auch noch bowlingkugelgrosse Steine dazu... ich erwische einen mit dem Vorderrad, stürze und bleibe mit dem Fuss unter dem rechten Alukoffer hängen. Ein stechender Schmerz jagt durch die Brust, weil ich auf einen weiteren Fels geknallt bin und bekomme kaum noch Luft.

"Umpf!! Scheisse!"

Nach einiger Zeit, die mir unendlich vorkommt, klappt das Atmen, wenn auch unter Schmerzen, wieder. Der Versuch aufzustehen wird mit einem weiteren Schmerz aus Richtung rechter Knöchel quittiert. Ich habe mir die Rippen geprellt/angebrochen und die Bänder im Fuss überdehnt. Und dann kommt auch noch Olaf mit einer Holzkrücke an, die er hier oben gefunden hat... keine Ahnung ob hier mal ein Lahmer plötzlich wieder gehen konnte und die Krücke gespendet hat oder ob eine satirisch veranlagte, höhere Macht nur auf mich gewartet hat... Tja! Wer den Schaden hat...

Den Stich in der Brust kann ich verkraften, die Schmerzen im Stiefel jedoch nicht. Nur mit Mühe komme ich wieder aufs Motorrad und fahr... aehm... rolle den Berg wieder runter - die geistige Blockade ist im Moment extrem ausgeprägt. Wir suchen zuerst mal Wasser um den Fuss zu kühlen. An einem Brunnen kommt die morsche Krücke dann als Verlängerung zum Einsatz, um einen Kanister mit Wasser zu füllen, das dann in den Stiefel gegossen wird. Schön kühl ist das und sorgt dafür, dass da nichts übermässig anschwillt. Den Stiefel ziehe ich jetzt aber besser nicht aus.

Jetzt häufen sich aber auch die Stürze. Dadurch dass im Moment der Fuss nicht belastbar ist, kann ich auch nicht auf dem Motorrad aufstehen oder mal kurz mit dem Bein ausbalancieren. Eine Schlammpassage fordert meine Opfergabe und etwas weiter ist Tiefsand mein Verhängnis. Aber auch Thomas erwischt es im Sand zweimal und Olaf schliesst sich an. Das ist heute wirklich nicht unser Tag...

Eine Jurte, die als Schnellimbiss fungiert, liefert uns eine willkommene Pause. Schnellimbiss ist natürlich nicht das richtige Wort. Meist stehen ein paar Gers (der mongolische Name für Jurte) am Wegesrand, die wohl einem Familienclan gehören. Man wird ins Zelt gebeten, sucht sich von dem an der Decke hängenden Hammelfleisch was aus und das wird dann vor einem im Wok zubereitet. Währendessen versammelt sich der gesamte Clan im Zelt, um entweder die Fremden zu bestaunen oder fernzusehen. Fernseher gibt's wohl in jeder Jurte - als Antenne dienen Satellitenschüsseln und zur Stromversorgung kommen Solarpanel zum Einsatz, die ihre Energie in Autobatterien speichern. So ein Essen im Schnellimbiss dauert übrigens seine Zeit, aber die sollte man sowieso genug mitbringen, wenn es in die Mongolei geht.

Meine Trackdaten zeigen, dass unsere Fahrtroute irgendwie immer weiter gen Süden führt und Ulaanbaatar liegt im Nordosten. Steinhaufen und Pistenspuren gab's auch schon einige Zeit nicht mehr, aber zum Glück sehen wir ein paar Geländewagen in der Wüste und fragen dort mal nach ob das immer noch der richtige Weg ist. Dies wird bestätigt und wir bekommen noch einmal den Hinweis, dass diese Wege weit über 50km breit sind, aber im Grunde führen alle zum Ziel. Es dämmert schon und somit wird das hier zum Zeltplatz deklariert. Meine Mitfahrer bauen netterweise mein Zelt auf, da ich nicht so richtig laufen/stehen kann - könnten die beiden ja eigentlich immer machen...

Mit Mühe und Hilfe von Olaf bekomme ich meinen Stiefel aus und zeige dann stolz den kunterbunten Fuss, der so richtig nach misslungenem Abenteuer aussieht. Etwas Schmerzsalbe von aussen und ein paar Hochprozentige von innen, beenden diesen Tag an einem warmen Holzkrücke-Feuerchen.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o2.1o.2oo8