Schlamm
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Hinterrad wech...
Hinterrad wech...
Rocker
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Ebenenjagd
Ebenenjagd
da lang!
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Danke!
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umlagert
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Wasser, Schlamm und Hilfsbereitschaft

Mongolei  Wir haben wohl doch den See gefunden... wir zelten nämlich mittendrin... und es giesst immer noch in Strömen. Dieses ständige Plätschern lässt den natürlichen Druck immer stärker werden - es wird Zeit Stiefel und Regenklamotten anzuziehen, um da mal raus zu gehen. Bei jedem Schritt werde ich grösser, denn der Untergrund hat sich in eine schmierige, matschige Masse verwandelt, die wunderbar an den Stiefeln klebt und für eine dicker werdende Sohle sorgt. An einigen Stellen steht das Wasser schon in Pfützenform an der Oberfläche und wenn das so weiter geht...

Was machen wir jetzt? Den Regen abwarten und im See ersaufen? Zelte abbauen und im Regen weiterfahren? Einen Antiregentanz aufführen? Unseren Altersruhesitz einrichten? Nach kurzer Rücksprache per WalkyTalky (rausgehen will jetzt nicht wirklich jemand) entscheiden wir uns erstmal an Ort und Stelle zu bleiben - der Regen muss ja mal aufhören. So gegen Mittag wird dann der Krach auf dem Zeltdach weniger und hört schliesslich ganz auf - wir haben auch wirklich genug vom Schlafen, Dösen und Zeittotschlagen ...

Schnell werden die Zelte abgebaut und vom gröbsten Dreck befreit, um dann auf die ausgefahrene Piste zurückzukehren. Die ist allerdings eine einzige Schlammwüste und ich komme mal gerade 50m weit, bevor das Hinterrad der Meinung ist, eine andere Richtung, als das Vorderrad, einschlagen zu müssen. Nachdem der Tiger wieder steht, versuchen wir es besser neben der Piste. Da ist es zwar auch schmierig, aber zumindest ohne tückischen Schlamm unter der Sandoberfläche und es lässt sich auch etwas besser befahren. Der vormals graue Himmel wandelt sich nun mehr und mehr in Richtung Blau und durch den Regen sind die Sandpisten und Flächen an der Oberfläche relativ hart und gut zu befahren. Zumindest etwas Gutes hat das ganze also gehabt.

Die Heizerei querfeldein macht schon Spass, durch sanfte Senken, über ausgewaschene Fahrspuren und zwischen Grasbüscheln geht die zügige Fahrt. Die Grasbüschel sollte man meiden, denn die sind steinhart und zwingen dem Vorderrad eine eigene Richtung auf. Ansonsten ist das abseits der Piste Fahren hier allemal besser, als sich als Schlaglochsuchgerät in den Spurrinnen zu versuchen.

Ein kleiner Fluss ist die ideale Stelle um die Nacht zu verbringen und uns auf die nächste Stadt zu freuen. Morgen sollten wir Altai erreichen und da ist dann in einem kleinen, schuckeligen Hotel mit Dusche und richtigem Klo ein Austag geplant. Ein richtiges Klo... diese Wildhockerei funktioniert zwar auch, aber so ein richtiges Klo... ich komme ins Schwärmen...

Stadt Altai

Das erste Hotel ist keins mehr und dieser Raum mit 4 Metalbetten, einem Hofklo und einer Dusche wo man hinfahren muss... nee da ist ja Zelten besser. Unser Führer, der am ersten Hotel mitbekommen hat, das wir Hilfe gebrauchen könnten, lädt uns erstmal zu sich nach Hause ein, damit wir uns da etwas frisch machen können und er uns ein typisches mongolisches Essen zubereiten will. Ein wirklich leckere Mahlzeit auf Basis von Hammelfleisch wird uns vorgesetzt, dazu gibt es Reis und Eier und zum Knabbern diese harten Quarkstückchen, die eigentlich keinem von uns so richtig schmecken. Da er recht gut Englisch kann besteht die Konversation endlich auch mal aus etwas anderem, als wilde Gesten und Mimiken.

Heute ist Sonntag, die Banken haben zu und eigentlich wollten wir noch Geld wechseln, aber auch dafür hat Batbayar eine Lösung - kurzerhand ruft er ein paar Bekannte an, die uns dann Dollars und Euros zu einem fairen Kurs in Tögrög tauschen. Soviel Hilfe ohne jedwede Gegenleistung ist schon beeindruckend - er will uns sogar noch was schenken: Es sind Parlamentswahlen in der Mongolei und an allen Ecken und Enden spielt laute Musik aus den unterschiedlichen Wahlbüros - unser Helfer ist dort auch engagiert und lässt ein Gruppenbild von uns für jeden auf Fotopapier ausdrucken.

"Danke dafür und auch danke für das Essen und die Hilfe"

Da es mit Hotel (und leider auch Klo) schlecht aussieht, verabschieden wir uns herzlich und fahren nun doch noch aus Altai raus, um eine Zeltmöglichkeit in der Wüste zu suchen. Nahrungsmittel, Getränke und Schnökerkram konnten wir ja nach der Schwarzwechselei endlich wieder aufstocken und auch die Tanks der Motorräder sind voll, so dass der Weiterreise nichts im Weg steht. In der Nähe einer Pferdeherde bauen wir die Zelte auf und ein dramatischer Sonnenuntergang sorgt für einen schönen Abschluss dieses Tages.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8