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ständige Änderung
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Zeltplatz gibt's genug
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Kids
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kleines Pferd
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Suche nach dem See

Mongolei  Die wässrigen Späher sind wohl auf dem Rückweg um Olafs Wolke Bericht zu erstatten, jedenfalls ist derzeit alles trocken, sogar die Zelte scheinen nichts vom Regen abbekommen zu haben. Nachdem wir gestern noch in Khovd, einem kleinen Ort an unserer Strecke, auftanken konnten, liegen nun wieder hunderte Kilometer unwegsamen Geländes vor uns.

Wobei sich dieses unwegsame Gelände nach und nach verbreitert und auch die Berge immer weiter an den Horizont rücken. Es geht raus aus dem Altai und rein in die Altai-Gobi. Jetzt wird es sicherlich mehr Sandabschnitte geben, wo ich doch Sand so was von liebe...

Und wir stinken wohl fürchterlich, denn nach nun 4 Tagen ohne richtige Waschgelegenheit und abendlichen Knoblauchzehengenuss wird es Zeit irgendwo mal zumindest eine Grobwäsche zu machen. Eine Brücke mit sage und schreibe 100m Asphalt über einen schmalen Fluss kommt da wie gerufen. Aus einem naheliegenden Jurtendorf sind dann auch ruckzuck ein paar Kinder da, die sich in respektvollen Abstand hinhocken und staunend zusehen was die 3 weissen Langnasen da machen. Die ziehen sich aus, waschen sich, schäumen sich die Haare und danach auch noch die Klamotten.

Die Kleidung wird dann gleichmässig übers Motorrad verteilt um sie trocknen zu lassen und ein frisch gekochter Kaffee dient zur Reinigung des inneren Gemütszustands. Die Kinder haben nun ihre Scheu abgelegt und wuseln zwischen den Motorrädern und uns umher - immer auf der Suche, ob es nicht noch mehr Gummibärchen oder andere Leckereien gibt, die wir für solche Situationen immer dabei haben.

Jetzt müssen wir aber weiter... während ich den Wäscheständer wieder zum Motorrad zurückrüste, erforschen die Kids die Fotos auf meinem Topcase, die die vergangen Tourgrafiken verschönern. Voller Begeisterung erkennen sie Thomas und mich und ich muss sie ständig bestätigen wer wer ist. Nur bei Thomas alter BIG werden sie nicht fündig - den Job macht ja nun die KTM, aber ob sie das verstehen? Ich verabschiede mich von den Kindern, die zum Schluss immer irgendwie bei mir landen und verfolge Thomas und Olaf, die schon - da ohne Kinderablenkung - eher weggekommen sind.

Vor 10km hat sich die Piste in eine Schotterstrecke verwandelt und das ist ein gutes Zeichen dafür, dass gleich ein Dorf oder eine Stadt auftaucht. Die Hauptein- und ausfallwege sind dann immer irgendwie fahrzeugfreundlicher. Dieses Dorf heisst Zereg und es ist mal wieder Gelegenheit Trinkwasser, Bier und Nahrungsmittel zu bunkern. In der kleinen Bank versuchen wir noch Geld zu wechseln, da ich nichts einheimisches mehr habe und mich durchschnorren muss. Aber Geldwechsel ist hier ein Fremdwort, jedenfalls bekommt man hier nichts und ich muss wohl bis zur nächsten Stadt den Bittsteller geben.

Die Motorräder auf dem Dorfplatz sind zwischenzeitlich die Hauptattraktion und wie so oft von Menschen umlagert, die hier und da mal probesitzen und alles begrabbeln. Das ist in der Mongolei generell üblich. Eine ungefragte Sitzprobe muss sein und eine Runde Fahren ist Wunsch vieler, aber da bleiben wir dann doch hart, denn diese 300kg Kisten sind nun nicht gerade wie die massenhaft vorhandenen Chinamopeds zu fahren.

Ein Mongole mit seinem Pferd kommt dazu und Olaf deutet an, eine Runde reiten zu wollen, wenn schon denn schon. Da er wohl noch nie auf einem Pferd gesessen hat, ist der Aufstieg schon eine Herausforderung und das arme, kleine Pferd bei so einem stattlichen Kerl... aber das sind ja zähe Tiere. Wie beim Kindereselreiten wird er nun vom Besitzer des Pferdes über den Dorfplatz geführt, während alle Anwesenden feixen und Witze machen... sorry Olaf, aber das sieht schon recht ulkig aus...

Nachdem uns die heutige Wäsche am Fluss richtig gefallen hat und die Karte in einiger Entfernung einen See zeigt, versuchen wir den noch zu erreichen, bevor wir unser Nachtlager aufschlagen. OK - das Kartenmaterial ist nun auch schon ein paar Jahre alt, aber so ein grosser See sollte doch zu finden sein. Ein Abgleich der GPS-Maus mit den kalibrierten Karten auf dem Notebook zeigt ganz klar, dass HIER ein See sein muss. Da ist aber nichts, rein gar nichts, ausser ein paar Ziegengatter. Da sich die Sonne anschickt, hinterm Horizont zu verschwinden, bauen wir halt mitten in der Steppe die Zelte auf.

Olafs Wolke hat uns wiedergefunden, stelle ich fest, als ich Nachts durch den Lärm auf dem Zeltdach wach werde, aber solange ich hier warm und eingemümmelt im Schlafsack liege, kann draussen von mir aus die Welt untergehen.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8