Painted Dessert
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on Top
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Postkartenmotiv
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weiter
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einfach nur rumgucken
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Wolkenspiel
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hinten geht's weiter
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Geniale Landschaft und Stürze

Mongolei  Richtig kalt ist es heute Morgen, leichter Rauhreif bedeckt alles, aber im Grunde es ja kein Wunder. Wir sind hier auf über 2400m Höhe und die Mongolei hat ein sehr extremes Klima, bei dem zwischen Tag und Nacht schon mal über 30°C Unterschied auftreten können. Uns reichen auch schon die knapp 20°C der letzten Tage. Olaf fährt inzwischen betont vorsichtig, um auf den unwegsamen Pisten nicht jedes Schlagloch mitzunehmen. Seine BMW hüpft regelrecht über die Wellen, denn ohne Dämpfung sorgt nur noch die Feder dafür, dass die harte Realität nicht komplett durchschlägt.

Die harte Realität wandelt sich dann bei mir zu einem harten Bodenkontakt. Dieses knapp einen Meter tiefe und fünf Meter breite, ausgetrocknete Bachbett mit massig Geröll am Boden, hat mich bremsen lassen. Und Bremsen... aehm... sollte man halt nicht. Jedenfalls wuchten wir jetzt den Tiger da wieder raus und nachdem das heute schon der vierte (sigh!) Sturz war, wird auf Anraten meiner Mitfahrer das Gepäck umgeräumt: Geschirr, Waschzeug usw. im Topcase machen dem Schlafsack Platz und wandert zusammen mit dem Zelt auf den Soziusplatz. Damit kommt das Gewicht von den Koffern weg, die jetzt noch zusätzlich mit Spanngurten fixiert werden, weil sie auf diesem Untergrund teilweise doch recht instabil sind. Danach geht das alles irgendwie viel besser und die vorherigen Stürze (meist eh nur Schrittempo auf Sand) wären wohl zu vermeiden gewesen, hätte ich etwas mehr Erfahrung auf solchen Strecken gehabt... irgendwann muss man es halt mal lernen...

Ich habe jedenfalls diese Wege massiv unterschätzt, sie sind mit nichts zu vergleichen was bisher unter meine Räder kam, und das waren ja auch nicht immer Traumpisten.

Wobei die Landschaft diese Pisten immer wieder schnell in den Hintergrund treten lässt. Nach jeder Kurve tut sich ein neuer, grandioser Anblick auf. Diese schroffen Felsen, das Spiel von Licht und Schatten, die Weite... man ist immer wieder versucht den Blick in die Landschaft schweifen zu lassen.

Aber das ist nicht zu empfehlen, denn das Fahren auf diesem Untergrund erfordert höchste Konzentration und wenn man einmal zur Seite blickt, kommt hundertprozentig ein Schlagloch, ein Fels oder irgendetwas anderes, das einem im Weg liegt.

So geniessen wir jede Pause, die ca. alle 10km eingelegt wird, um u.a. auch auf Olaf zu warten, der wacker mit seinem defekten Federbein diese Herausforderung angeht.

Orientierungslos

Dass sich der Weg auf dem GPS mit dem aufgezeichneten Track in keinster Weise mehr deckt, macht uns schon etwas nervös. Und dass diese Piste an manchen Stellen nicht danach aussieht, als wenn da PKW oder gar LKW fahren, gibt einem auch zu denken. Ein vorbeikommendes Motorrad wird kurzerhand angehalten und wir fragen, bzw. deuten mit der Hand auf die Piste in Richtung Osten, setzen ein fragendes Gesicht auf und sprechen "Ulaanbaatar" aus. Bejahendes Nicken deuten wir hoffentlich richtig und fahren weiter auf dieser Strecke, die so gar nicht zum vorhandenen Kartenmaterial oder den Garmin-Daten passen will.

Einige kleine Bäche und Flüsse werden noch durchquert, bis wir auf einem Plateau landen, das von mächtigen Bergen eingerahmt ist. Die ersten Kamele sind am Wegesrand sichtbar, Ziegen weiden auf Geröll (das sind wohl Steinziegen, denn so richtig was Grünes ist hier nicht zu sehen) und eine Reihe von Telegrafen- oder Strommasten, die sich in der Ferne verlieren.

Dazu einen aufgeschichteten Steinhaufen, der hier als Wegweiser dient... wir sind also wohl richtig. In einiger Entfernung sehen wir das Motorrad von vorhin wieder, das ohne Benzin auf diesem Plateau gestrandet ist. Kurzerhand zapfen wir von Thomas KTM einen Liter ab und geben es dem Fahrer.

In der Wüste hilft man sich gegenseitig und diese Hilfe ist auch notwendig, denn wer hier liegen bleibt hat ein echtes Problem. Mit etwas Glück sind Jurten in der Nähe, mit etwas Pech sind es aber auch hunderte Kilometer bis zum nächsten Ort und da die Pisten hier bis zu 50km breit sein können, kann das Warten auf Vorbeikommende ...

Ein kleines Haus zwischen mächtigen Felsen lockt uns an, welches sich beim Näherkommen als Raststätte entpuppt. Raststätte assoziiert man als Europäer mit Parkplatz, grossen Speisesaal, Buffet und all den anderen Annehmlichkeiten der Zivilisation. Hier ist es doch eher eine Hütte mit ein paar heruntergekommen Möbeln, einer Wanddekoration die sich aus alter Werbung und zerrissenen Tapeten zusammensetzt und in der Regel einem einzigen Gericht auf Ziegenfleischbasis. Es gibt wie üblich Buttermilchtee und Wasser zum Essen, während draussen massenhaft Bussarde kreisen, um es sich am Abfall der Gaststätte gut gehen zu lassen.

Bei einem Gespräch, unter Zuhilfenahme der wenigen Übersetzungen im Reiseführer, mit den ebenfalls hier gastierenden Truckern, wird ein dubioser Verdacht zur frustrierenden Gewissheit: Das "Sann mo!", dass wir ab und zu mal hören, heisst wohl schlechte Strasse. Und wenn die Mongolen eine Strasse schlecht nennen, dann ist sie wirklich überaus mies...

Das soll uns aber nicht entmutigen und so geht's frisch gestärkt weiter um einen Platz für die Nacht zu finden.

Olafs Wolke hat ein paar Kundschafter voraus gesandt und nachdem wir die Zelte aufgeschlagen haben, fängt es an zu nieseln und dann zu regnen. Das stört uns jetzt aber weniger und schlafen mit der Hoffnung ein, dass Olafs Wolke noch einen weiten Weg vor sich hat...

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8