Hochplateau
Hochplateau
Navi passt garnicht
Navi passt garnicht
Ein See
Ein See
Federbein schwächelt
Federbein schwächelt
gefrustet
gefrustet
Yak
Yak
Fotosession
Fotosession

Berge, Geröll, Defekte

Mongolei  Eine frische und windige Nacht liegt hinter und die Asphaltpiste vor uns. Zügig gehts voran um dann - "Schade, Schade" - nach knapp 40km wieder der brutalen Wirklichkeit der babywannentiefen Spurrinnen, Schlaglöchern und kindskopfgrossen Steinen ausgesetzt zu sein. Aber wir wussten ja was auf uns zukommt und wollen jetzt nicht anfangen zu jammern, wenn auch die Erinnerung an dieses 40km sanfte Dahingleiten einem vorkommt wie ein Traum.

Meine Batterie macht mir Sorgen - sie war jetzt schon mehrmals tiefentladen und in Kombination mit der zu niedrigen Ladespannung wird das sicherlich nicht meine Tour. In Ölgii findet Olaf einen kleinen Kfz-Teilehandel, wo ich eine 7Ah Batterie erstehen kann, denn was grösseres gibt es nicht und all die chinesischen Motorräder, die hier in der Mongolei herumfahren, brauchen das wohl auch nicht.

Auf dem Marktgelände, in dem sich der Laden befindet, ist der Boden übersät von Tier- meist Ziegenbeinen, und es sind unzählige Menschen unterwegs. So ist es kein Wunder, dass meine Batterietauschaktion von einer dichtgedrängten Menschenmenge mehr oder weniger sinnvoll kommentiert wird - verstehen tu ich eh nix - nur die massenhaft mithelfenden Hände, die irgendwo aus der Menge kommen und sich um den Batteriekasten sammeln, nerven nun doch etwas... Endlich startet der Tiger und wir sind froh dem Menschenauflauf zu entkommen.

Jetzt fliegt wieder mal ein "klasse Wellblechabschnitt" unter den Reifen dahin, als Olaf plötzlich langsamer wird und stehen bleibt. Eine Fotopause ist das nicht, auch kein Raucher- oder Pinkelstop, wobei letzteres ganz gut beschreibt, was der Federbeindämpfer von Olafs BMW GS da fabriziert: Das Öl läuft aus...

"So ein Mist!"

Nun ist guter Rat teuer. Sollen wir hier abbrechen, umdrehen und zurück nach Russland oder irgendwie zusehen weiter gen Osten zu kommen? Die Antwort auf die Frage wird erstmal verschoben, als wir einen vorbeikommenden Kamaz-LKW stoppen und die sich bereit erklären das Motorrad bis zum nächsten Ort mitzunehmen. Da die Piste hier auch etwas höher gebaut ist, fährt der LKW rückwärts an die Böschung ran und über die heruntergelassene und jetzt arg morsch klingende Ladeklappe wird die BMW auf die Ladefläche geschoben.

Der Kamaz fährt mehr als zügig vor und wir wollen hinterher, aber der Druck auf den Startknopf des Tigers wird mit... ja mit was?... Mit NIX quittiert!
Die neue Batterie ist schonwieder runter - evtl. wäre Abbrechen doch die bessere Wahl gewesen, aber Thomas ist ja noch da, das Starthilfekabel auch und ein paar Minuten später brettern wir dem LKW hinterher, den wir aber nicht mehr einholen können.

Der ist nach Aussage von Olaf mehr als geheizt, während er auf der Ladefläche krampfhaft versuchte, die BMW zu sichern, die er vorsorglich vorm Losfahren schonmal auf die Seite gelegt hat.

Entscheidung

Auf einer Wiese vor einer kleinen Siedlung namens Tolbo sehen wir ihn dann stehen. Kurzerhand wird dieser Platz zum Zeltplatz und jetzt sollte abgeklärt werden, wie weiter vorzugehen ist. Ein paar gefrustete Hochprozentige und einige Selbstgedrehte später fällt die Entscheidung, dass wir weiter fahren.

Olaf kontaktiert per Handy die BMW-Hotline, damit die ein neues Federbein in die Mongolei schicken. BMW meinte dann wohl, dass er viel zu weit mit dieser GS-Adventure gefahren sei und sie ihm deshalb nicht helfen können (Kleine Anekdote: der Werbefilm für diese Maschine ist u.a. in der Gobi gedreht worden).

Sein Händler und der ADAC (plus) zeigen sich da flexibler und kümmern sich darum, dass sowohl ein Federbein, als auch ein neues BMW-Navi (welches schon in Russland den Geist aufgegeben hat) nach Ulaanbaatar kommen.

Und dann ist da noch das Saftproblem des Tigers. Leider sind die 7Ah nun doch etwas wenig, so dass eine andere Lösung gefunden werden muss. Da die Ladeelektrik der BMW noch heil und Olafs Batterie auch quasi neu ist, tauschen wir jetzt mal die Originalbatterien der Triumph und der BMW. Wenn ich ab jetzt ohne Licht fahre, sollte die Ladespannung und die erreichbare Kapazität zum Starten reichen...

In der Nähe der Ortschaft sind wir natürlich eine Attraktion. Bis spät in die Nacht kommen Besucher vorbei, schleichen mehr oder weniger laut um die Zelte, um dann wieder in der Ferne zu verschwinden. Irgendwann döse ich weg und Träume von asphaltierten Strassen durch tolle Landschaften, lassen mich die Nacht prima schlafen. Warten wir mal ab, was die Realität noch für Überraschungen zu bieten hat....

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8