Altai
Altai
in der Mongolei!
in der Mongolei!
Reifentransporter
Reifentransporter
gen Osten
gen Osten
surreale Strasse
surreale Strasse
Licht und Schatten
Licht und Schatten
erster Zeltplatz
erster Zeltplatz

Im Altai

Russland  An einem militärischen Kontrollposten mit 2 bewaffneten Soldaten wird unser Vorwärtsdrang gestoppt. Gerade eben haben wir noch die Maschinen bis zum Stehkragen vollgetankt und fahren nun schon einige Kilometer auf dem Asphaltband, das sich über dieses Plateau hinwegzieht und an dessen Ende der Grenzübergang sein muss. Die beiden Soldaten wollen unsere Papiere sehen und nach einem kurzen Handy-Gespräch, das sie wohl mit ihrem Vorgesetzten geführt haben, dürfen wir dann weiter.

Kurz bevor sich das Plateau in den Bergen verliert tauchen die russischen Grenzgebäude auf. Da wir ausreisen, dauert es diesmal nicht allzu lange. Die mühsam erkämpfte Deklaration müssen wir leider abgeben, obwohl wir in einigen Tagen doch wieder nach Russland einreisen - zumindest ist unsere Versicherung länger gültig.

Rechts und links der Grenze sieht man doppelte Zäune und Grenzanlagen soweit das Auge blicken kann - das erinnert ein bisschen an den antifaschistischen Schutzwall, der einst Deutschland durchtrennte. Ich hätte diesen Länderübergang doch eher als Grüne Grenze angesehen, da es ja nun wirklich nicht allzu viele Bewohner im Altaigebirge gibt.

Mongolei  Knapp 20km Niemandsland liegen hinter uns, bevor die mongolische Grenzstation erreicht wird. Reisende werden hier von hübschen Mongolinnen in Kampfanzug und Stöckelschuhen empfangen. Eine sehr seltsame Kleiderordnung, die hier wohl normal ist - leider habe ich davon kein Foto gemacht, aber an Grenzen herrscht ja eh meist Fotografierverbot...

Eine in zivil gekleidete Frau (aber auch auf Pumps) lotst uns durch all die notwendigen Stationen, die so ein Grenzübertritt für einen bereithält. Dass an jeder zweiten Station lieber gedaddelt, als gearbeitet wird, kennen wir ja schon von anderen Grenzen. Die Frau hat aber wohl Vorgesetztenmacht und so kommen wir recht zügig durch. Etwas Geld können wir bei ihr tauschen - sogar zu einem recht guten Kurs. Eine Versicherung fehlt auch noch und nachdem sich das Tor in Richtung Mongolei öffnet, ist auch erwartungsgemäss der Asphalt zu Ende und eine üble geschotterte Wellblechpiste erwartet uns, die aber eigentlich (wenn wir schon wüssten wie es weiter geht) für mongolische Verhältnisse überragend gut ist.

Wellblech

Etwas Überwindung kostet es am Anfang ja schon auf so einer Strecke mit 60,70,80 Sachen hinwegzuheizen, aber langsamer ist einfach nicht zu empfehlen, denn das Wellblech ist tief und die Schaukelei dann kaum auszuhalten. Diese Top-Piste geht aber leider zu Ende und simple, tief eingeschnittene Fahrspuren folgen.

Wir folgen auch, nämlich erst dem falschen Weg Richtung Norden und davor warnt eigentlich jeder: Die Nordroute ist landschaftlich wohl schöner, wartet dafür aber auch mit viel Sumpf, Schlamm und breiten - je nach Jahreszeit und Niederschlagsmenge - unpassierbaren Flüssen auf. Die Südroute durch die Altai-Gobi ist dagegen streckenmässig erheblich weiter, dafür mit weniger Flüssen und mehr Wüstenabschnitten auch einfacher zu fahren. Laut Reiseführer befinden wir uns aber auch so im anspruchsvollsten Teil der Mongolei - dies als kleiner Hinweis auf das Kommende.

Bevor die Traveller aber nun ganz im Norden entschwinden werden sie von ein paar Jugendlichen abgefangen und zu ihnen nach Hause eingeladen. Der erste Buttermilchtee, die ersten "Quarkkaustückchen" und der erste Smalltalk in exotischer Umgebung sind ganz nett, aber wir wollen weiter und nicht schon hier übernachten. Gegen einen kleinen Obolus zeigen uns die Jugendlichen noch den richtigen Weg in Richtung Süden. Dabei wird natürlich das ganze Dorf durchfahren, um jedem zu zeigen, wen man da aufgegabelt hat - anders ist der Zickzack-Kurs wohl nicht zu erklären ;-).

Da es hier nicht allzu viele Alternativen gibt, rechts und links geht es steil bergan, muss der ausgefahrenen Fahrspur gefolgt werden. Mit den schweren Motorrädern hat das schon was herausforderndes, aber plötzlich sehen wir eine nigelnagelneue Asphaltstrasse, die sich schurgerade durch die Einsamkeit zieht. Allerdings ist die knapp ein bis zwei Meter auf einem Damm gebaut und die Ränder sind mit lockeren Schotter abgegrenzt.

"Ist das blöd!"

Ein toller Strassenbelag und man kommt nicht drauf... aber Thomas findet dann nach einigen hundert Metern Schlaglochvermeidemodus doch eine Auffahrtmöglichkeit und auf glatten Untergrund geht es entspannt weiter. Überhol- und Halteverbotsschilder haben was vollkommen Surreales an diese Strasse, die hier so überhaupt nicht hinpassen will.
Eine Kreuzung - nunja.. an einer Stelle wo die Strasse eine Querstrasse hat, die so knapp 10m rechts und links in die Wüste führt, bevor sie übergangslos zum Wüstenboden wird - lädt zum Abbiegen ein und wir suchen uns unseren Zeltplatz für die erste Nacht in der Mongolei.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8