Klönabend
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trockener Zeltplatz
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tolle Strecken
tolle Strecken
Fotoglück
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am Fluss
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Reifenwechsel
Reifenwechsel
Hotel
Hotel

Richtung Altai

Russland  So langsam nervt dieser Besoffene. Seine Freunde (oder Betreuer?) ziehen ihn ständig weg, aber er ist so fasziniert von uns, dass er immer wieder zurückkommt und versucht uns ein Gespräch aufzuzwingen. Verstehen tut man bei seinem Gelalle aber sowieso nix, denn der hat sich wirklich die Kante gegeben, ist dabei aber immerhin nicht alleine. Hier am See verbringen viele ihr Wochenende bei Diskomucke, Baden, Bier und besonders Wodka, während wir mittendrin zelten und uns einen Austag gegönnt haben.

Der wird genutzt um ein wenig Kleinkram an den Motorrädern zu machen (ich tausche in vager Hoffnung die Zündkerzen, checke die Kerzenhalter und überprüfe noch mal alle Strippen), ein bisschen waschen, baden und relaxen. Das Wetter ist prima und abends beim Lagerfeuer lässt es sich - zumindest für Thomas und Olaf - prima mit RussInnen klönen. Biernachschub findet Olaf im Wasser, denn da hat es wohl irgendjemand kalt gestellt, anscheinend vergessen und bevor das schlecht wird...
Wir können ja nicht ahnen, dass dann am Abend jemand voller Hoffnung, aber ergebnislos, rumsucht.

Die Landschaft wird hügeliger, breite Flüsse ziehen durch tiefe Täler, Kurven gibt es auch wieder und das Wetter wird schmuddeliger. Nachdem wir immer mal wieder kurze Regenschauer abbekommen haben, wird es Zeit für eine überdachte Unterkunft, aber hier gibt es scheinbar keine Truckstops. Da vorne ist aber ein kleines Cafe mit einer überdachten 'Terasse'. Eine kurze Anfrage, ob wir darunter unsere Zelte aufschlagen können, wird bejaht und so stehen die Zelte trocken und das Wetter kann uns nix anhaben. Olaf hat seine Unterkunft aber netterweise neben die Motorräder gestellt und kann so in der Nacht wunderbar dem Regen lauschen, der auf sein Zelt peitscht. Der entspringt ja immerhin SEINER Wolke. Denn irgendwie ist das schöne Wetter, seitdem Olaf uns begleitet, recht grenzwertig geworden und jede dunkle Wolke muss einfach ihm gehören ;-)

Nach einem kurzen Frühstück im Cafe geht's weiter und nachdem Olafs Wolke eine andere Richtung eingeschlagen hat, lässt sich auch die Sonne wieder blicken. Die sanften Hügel wandeln sich mehr und mehr zu schroffen Felsen und immer mehr Kurven zeigen, dass wir dem Altai schon sehr nahe sind. Das Glück ist mir beim Fotografieren holt - gerade bin ich vom Motorrad gestiegen, hab die Kamera rausgeholt und ans Auge gesetzt, um ein paar freilaufende Pferde abzulichten, als die beiden Hengste sich ein kleines Scharmützel liefern. Wenn das doch immer so klappen würde - all die tollen Erlebnisse unterwegs lassen sich aber nun mal leider nicht immer ablichten, aber die Erinnerung daran bleibt unvergesslich und dient als Basis für Reiseberichte, Erzählungen und Anekdoten.

Kühe warten in Bushäuschen auf etwas Abkühlung, denn inzwischen brennt die Sonne regelrecht vom Himmel, während wir das Fahren hier richtig geniessen. Toller Strassenbelag, tolle Streckenführung und hinter jedem Knick ein neuer, grandioser Ausblick. Ein gewaltiges Bergmassiv ist am Horizont zu sehen, das die Alpen in der Erinnerung zum sanften Mittelgebirge mutieren lässt.

Reifenwechsel

Langsam wird es aber auch Zeit an einen Reifenwechsel zu denken. Wir transportieren alle jeweils einen Satz Neureifen, der nun nach fast 7000km und kurz vor der Mongolei die rundgefahrenen Pneus ersetzen und dann, als positiven Nebeneffekt, das Gewicht der Motorräder verringern soll. Nach etwas Suchen findet sich in Chibit ein kleiner Reifenservice, dessen Chef uns extrem unfreundlich zu verstehen gibt, dass er bald Feierabend macht. Zum Glück ist etwas weiter eine noch kleinere Werkstatt, dessen Besitzer wie selbstverständlich auch eine überstunde einlegt. Angesprochen auf den unfreundlichen Kollegen 2 Strassen vorher, lacht er nur.

Die Räder müssen wir selbst ausbauen - hinten klappt es am Tiger dank Hauptständer ganz gut - um das Vorderrad hochzubekommen, wird kurzerhand alles mögliche an Gewicht auf das Topcase gepackt und dann das Vorderrad demontiert. Nachdem ich nun die Räder wieder montiert habe, muss ich den Bock nur noch vom Hauptständer bekommen. Das klappt auch prima, doch statt auf die linke Seitenständerseite kippt die Fuhre nach rechts genau auf das Fahrrad der hübschen Tochter des Chefs. "Ooops! Sorry! ... ist mir ja peinlich..." Aber es ist nix weiter passiert - das Fahrrad fährt noch und nachdem die Tochter bei Thomas eine Runde mitfahren durfte, war das schon wieder vergessen. Als Dankeschön für den zügigen Reifenwechsel gibt es zum vereinbarten Preis noch eine Flasche Wodka von uns, die Olaf zwischenzeitlich organisiert hat.

Da meine abmontierten TKC noch ausreichend Profil haben, schnappt sich Olaf die und will sie evtl. später montieren. Dazu hat er noch seinen 2.Satz Tourance. Macht 4 Reifen auf dem Heck der BWM... die alten KTM-Reifen werden kurzfristig verschenkt.

Ein paar Tropfen lassen dann Thomas und mich in ein Hotel ziehen, während Olaf sich draussen einen Platz zum Zelten sucht. Das Hotel ist zwar wirklich etwas in die Jahre gekommen, aber bevor alles nass wird, haben wir unser Zimmer auch schon bezogen. Morgen steht mal wieder ein Grenzübergang an - die Mongolei wartet auf uns.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8