erstes Hotel
erstes Hotel
Stalin...aehm Wolgograd
Stalin...Wolgograd
Waschtag
Waschtag
manchmal auch schön
manchmal auch schön
Interesse
Interesse
typisches Ortsschild
typisches Ortsschild

Richtung Ural

Russland  Die Kelle in der Hand des Polizisten deutet uns an anzuhalten. Gerade eben haben wir den blöden LKW überholt, der die ganze Zeit vor uns herzuckelte und nun braust er wieder vorbei. Man sollte halt nicht im Überholverbot an anderen Fahrzeugen vorbeifahren. Dass das Verbot irgendwo während unseres Überholvorgangs begann und wir es absolut nicht gesehen haben, ist dabei nebensächlich - zumindest für die Polizisten sind wir jetzt gefundene Opfer, immerhin lief währenddessen meine Onboardkamera, so dass es zumindest ein bischen Material für den Film zur Reise gibt...

Da ich kein Wort verstehe, was der nette Vertreter der Exekutive von mir will, wendet er sich an Thomas, der dann mit ins Polizeiauto einsteigt. Dort gibt es die Alternative: Zerschneiden des Führerscheins oder ein kleiner Obolus - Thomas entscheidet sich natürlich für den kleinen Obolus in Höhe von 20$, wobei mir das Durchschneiden des internationalen Führerscheins (den richtigen Schein bekommt hier sowieso keiner von mir) auch egal gewesen wäre, die bekommt man ja schnell ersetzt ;-)

Polzeikontrollen gibt es hier wirklich viele. Massive Betonblöcke mit schmalen beschrankten Durchfahrten verengen fast jeden Ortsein- und ausgang. Die Schranken sind zwar immer offen, aber kellenschwingende Polizisten finden auch so genug Gründe jemanden rauszuwinken. Dazu kommen dann noch Kontrollen auf freier Strecke, die sowohl Geschwindigkeit als auch Überholverbote umfassen.

Geschwindigkeitsmessungen werden JohnWayne-mässig aus der Hüfte gemacht und das Thema Überholverbot... nunja - es gibt Schilder, die es einleiten, aber selten welche, die es wieder aufheben.
Bei den Geschwindigkeitsbegrenzungen ist es noch schlimmer - wir rätseln immer noch, wann die Begrenzung denn nun zu Ende ist. Alles in allem können wir aber die Schauergeschichten bzgl. Polizeiabzocke nicht bestätigen - wenn man sich ein bisschen an die Regeln hält und dann noch unauffällig an den Kontrollen vorbeifährt (dazu ist der Windschatten von LKWs ideal), passiert auch nicht viel.

Rostov am Don, Stalin..aehm Wolgograd, Saratov, Samera, Ufa und weitere Städte haben wir zwischenzeitlich hinter uns gelassen. Die Strecke an der Wolga war sehr faszinierend. Es sieht aus wie eine Dünenlandschaft, die komplett von Gras bedeckt ist. Und der Fluss selbst ist schon recht mächtig und immerhin mit knapp 3500km der Längste in Europa. Die Orte Marx und Engels will ich nicht unterschlagen, denn da sind wir auch durchgekommen und die Namen sind doch eine Erwähnung wert.

Saftlos

In Samara ist mein Tiger mitten im Stau mal wieder mit leerer Batterie stehen geblieben - Stop&Go zzgl. Licht hat dem Regler und der miesen Triumph-Verkabelung* keine Chance gegeben. Immerhin hat keiner gehupt, als ich den widerborstigen Tiger von der Strasse quer durch den Verkehr in eine Garageneinfahrt geschoben habe, denn Regen gabs zu allem überfluss auch noch. Mit Starthilfe von Thomas' KTM und viel, viel Frust im Bauch gings dann weiter.

Übernachtet wird auf Raststätten oder in kleinen Hotels, die meistens jemanden haben, der nachts auf die Fahrzeuge aufpasst, wo der Parkplatz verschlossen wird oder wir die Motorräder sogar in einem abgeschlossen Gebäude unterstellen konnten. Die Aufpasser sind teilweise sogar bewaffnet, aber wir haben nie eine Situation erlebt, die das rechtfertigen würde - Abschreckung ist wohl eher die Doktrin.

Und nun haben wir unsere erste Abzocke hinter und den Ural vor uns. Oder sind wir schon drüber? Die Markierung wo Europa aufhört und wo Asien anfängt ist irgendwie an uns vorbeigerauscht genauso wie der Ural. Zugegeben gibt's ein paar mehr Kurven und man kann nicht mehr bis zum Horizont blicken, aber insgesamt ist das hier doch nix anderes als ein kleines Mittelgebirge. Ich hatte mit dem Ural immer eine mächtige Bergkette assoziiert und bin nun doch etwas enttäuscht.

"Egal!"

Dies ist jetzt Asien und jetzt heisst es erstmal für lange Zeit Sibirien.

  

*Ich hatte nach der Krimtour den Stator, den Regler und die Batterie gewechselt und war die Meinung dass alles OK ist. Wie sich aber schliesslich herausstellte war das Problem die idiotische Verkabelung ab Werk. Hier sollte Triumph doch evtl. mal Fachleute ranlassen. Inzwischen habe ich den Ladebereich selbst neu verkabelt, wieder eine neue Batterie spendiert und es sieht derzeit recht gut aus.

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Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: o1.1o.2oo8