über den Katakomben
über den Katakomben
hier geht's rein
hier geht's rein
niedrig
niedrig
unwegsam
unwegsam
wegweisend
wegweisend
eingestürzt
eingestürzt
das macht Spass
das macht Spass

Odessa

Ukraine  PLOCK!    "..umph...aua! AUA!!" .... "schon wieder..."

düster ist es, nur das Licht der kleinen LED Lampe sorgt für minimale Entscheidungsfreiheit, wohin man die Füsse setzen darf. Für die Decke reicht es aber nicht aus und so stosse ich mir jetzt schon zum x-ten Male den Kopf an einer vorstehenden Felskante. Auf was habe ich mich da bloss eingelassen...

Nach einer recht kurzen Nacht steht heute ein Austag auf dem Programm. Ein bisschen relaxen, ein bisschen Stadtbummel ... mal sehen, was sich unsere Gastgeber ausgedacht haben.

Nach einem sehr guten Frühstück geht's runter zu den Motorrädern wo Sascha mit seiner Tenere schon auf uns wartet. Valerij und Orest fahren zusammen mit unseren heutigen Führer _Sascha_ (die Unterstriche mache ich mal zum besseren Unterscheiden ;-) im BMW, denn Valerjis DR750 ist noch nicht ganz fertig. Valerij hatte kurz vorm Urlaub noch mit Eugen (der uns vor 2 Jahren, und auch diesmal wieder, den Kontakt nach Odessa vermittelt hat) gesprochen und gebeten, dass wir günstig einen DR800 Vergaser besorgen. Da kurz vorher das DR-BIG Jahrestreffen durch 'unseren' Harz-Heide Stammtisch ausgetragen wurde und viele von unserer Tour wussten, haben wir noch rechtzeitig einen Vergaser organisieren können. Das Teil war unser Gastgeschenk und wartet nun auf den Einsatz in Valerjis Mopped.

Doch zuerst brauchen Thomas und ich ein paar Hrwy...Griw... aehm... einheimisches Geld - Sascha fährt vor und an einem Bank-o-Mat in der Nähe ziehe ich mir was - Thomas bekommt allerdings nix. Nummer falsch? Karte gesperrt? Ich leih ihm erstmal was - probieren wir es halt später noch mal an einem anderen Automaten.

Unterwelt

Jetzt gehts in die Katakomben von Odessa. Der BMW fährt voraus und wir hinterher. Und er fährt und fährt und ...fährt... Odessa liegt schon knapp 20km hinter uns, die Hauptstrasse haben wir schon vor 5km gegen eine Nebenstrasse getauscht, aber jetzt geht's in einen kleinen Feldweg rein und nördlich eines Sees stoppen wir auf einem Hügel. Die Sonne brennt, das Gras steht kniehoch, ein paar Büsche ... doch wo sind hier Katakomben?

Sie sind aber da, denn nach Ausgabe von Taschenlampen führt uns unser Guide _Sascha_ zu einem, durch einen Busch versteckten, kleinen Loch, welches einen Einstieg unter die Erde ermöglicht - angenehm kühl ist es hier, wenn auch recht hohe Luftfeuchte zu einer erhöhten Transpiration Anlass gibt. Auch die vielen eingestürzten Gänge rechts und links, das Geröll am Boden, das von der Taschenlampe minimal erhellt wird und die tiefe Decke lässt einen ins Schwitzen kommen. _Sascha_ hat hier schon mehrere Tage unter der Erde verbracht und die Gänge erforscht. Er ist nicht der Einzige mit diesem Hobby, denn an den Abzweigungen finden sich viele Symbole, die er und andere dort als Markierungen hinterlassen haben. Ohne Wegmarkierungen und in unseren Fall ohne Führer ist man hier wohl hoffnungslos verloren...

Dieses Labyrinth zieht sich auf nahezu 2000 (oder 3000? oder doch nur 400? - so richtig scheint es keiner zu wissen wie viele Kilometer es nun sind) Tunnelkilometern bis weit unter Odessa und ist somit das grösste seiner Art. Es entstand beim Aufbau von Odessa weil der Muschelkalk zum Bau der Häuser abgebaut wurde, in den nachfolgenden Jahrhunderten diente es als Versteck für Piraten, Schmuggler usw. Im 2. Weltkrieg operierten dann die Partisanen von hier aus und jetzt stösst sich der wackere Autor dieser Zeilen schon wieder den Kopf...

Aber da vorne ist wieder Tageslicht und ein kleines Picknick, für das Valerij Wurst, Brot und Getränke mitgenommen hat, schliesst sich an bevor uns unsere Gastgeber zu einem Quadverleih bringen.

Offroadwelt

Der Instruktor vor Ort fährt vorweg und Thomas und ich hinterher, während der Rest wartet. Das Blöde an so einem Quad ist ja, dass es vom Lenkimpuls* nie was gehört hat und somit fährt das dumme Teil immer in die andere Richtung, als ich eigentlich will. Thomas kommt damit schneller klar, ich bin kurz davor das Teil im Getreidefeld, in das ich immer wieder reinfahre, abzustellen, aber schliesslich klappt es doch.

Zuerst werden wir über sanfte Bodenwellen geleitet, die mutieren mit der Zeit zu ausgewachsenen Senken, steile Bergauf- und abfahrten schliessen sich an, Rüttelpisten lockern die müden Knochen auf und es wird immer heftiger, während der Spassfaktor steigt und steigt. Am Ende sind wir aber froh wieder zurückzukommen, denn es strengt doch an (seltsamerweise taten mir am meisten die Knie weh). Mit unseren dicken Reiseenduros wäre die Strecke nicht zu schaffen gewesen und leider gibt es auch keine Fotos von der rasanten Fahrt, aber solche Quads sind schon schöne Teile fürs Gelände und evtl. auch mal einer überlegung für eine grössere Tour wert...

Am Abend dann noch die obligatorische Schraubereinlage - diesmal ist Thomas KTM dran, weil der Sturzbügel an einem Benzinhahn des grossen Tanks anliegt. Dass wieder zuwenig Öl beim Tiger bemängelt wird, kenn ich ja schon (ich besorge mir noch mal einen richtigen Peilstab), aber es ist ja nett, wenn sie sich Sorgen machen. Jetzt gibt's noch Abendbrot, das man zeitlich auch so nennen darf, und dazu den obligatorischen Wodka und morgen geht's dann weiter in Richtung Russland.

  

Ein paar zusätzliche Informationen zu der Unterwelt finden sich hier:
Odessa Katakomben

*für die nicht motorradfahrenden Leser: Ein Motorrad lenkt man, indem man dem Vorderrad mit dem Lenker einen leichten Druck in die entgegengesetzte Richtung gibt, in die man fahren will. Das Motorrad kippt aufgrund der Kreiselkräfte auf die Seite, der man den Lenkimpuls gegeben hat und man fährt entsprechend die Kurve. Beim Fahrradfahren verhält es sich genauso (ruhig mal ausprobieren) - beim Quad muss man aber, wie beim Auto - bewusst den Lenker in die gewünschte Richtung drehen, denn das Quad kippt nun mal nicht beim Lenkimpuls.

next

- nach oben -


Text&Bilder ©2oo8 - Andreas Just      Letzte Änderung: 29.o9.2oo8