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Volt, Watt, Ampere, Ohm....

...ohne mich gibts keinen Strom (Der Elektrolurch - Guru Guru)

Auf der Krim ging es los - die Batterie hatte immer weniger Saft und wenn es warm war, musste ich immer etwas warten, bis der Tiger (955i Baujahr:2oo1) wieder zu starten war oder alternativ Starthilfe geben lassen.
Nach Anschaffung einer neuen Batterie war trotzdem irgendwie war der Wurm drinnen. So richtig Power zum Durchziehen des Starters war nie mehr vorhanden und im Sommer 2oo7 kamen dann die ersten Liegenbleiber dazu. Teilweise so krass, dass nur noch Autobatterien halfen und das Motorrad sogar im Standgas ausging.

Schaltbild
Hauptteile des Ladebereichs
 
Von einem guten Freund habe ich einen Ersatzregler bekommen und frohen Mutes bin ich dann damit nach 130km wieder liegengeblieben. Zum Glück hatte ich eine vollgeladene Ersatzbatterie dabei (man wird ja misstrauisch ;-) und kam auch wieder nach Hause. Es wird also Zeit das ganze mal ernsthaft anzugehen:

Die notwendigen Messpunkte lassen sich im Schaltbild recht schnell finden, nur die Punkte am Tiger zu lokalisieren ist immer etwas mühsam, weswegen ich hier mal ein paar Fotos mit Buchstaben versehen habe, die denen in der kleinen Skizze entsprechen.

nach Abnahme der Sitzbank
nach Abnahme der Sitzbank
 
Batteriekasten entfernt
Batteriekasten entfernt
 

Blick von links unter Tank
Blick von links unter Tank
 
Blick von rechts
Blick von rechts
 


 
Folgende Messwerte sollten sich bei ca 3000 UPM und ausreichender Last (d.h. Fernscheinwerfer und evtl Heizgriffe) einstellen:

Ladespannung zu niedrig? Regler ausbauen
Der Regler lässt sich am besten ausbauen, wenn man den Tank aus dem Weg schafft: Blinkerträger vorne abschrauben, Inbus am Lenkkopf lösen, Batteriekorb ausbauen, Tankschraube entfernen und die Schläuche abziehen.
Nun lässt sich der Tank hinten anheben und mit z.B. einem untergelegten Holzbrettchen auf den Rahmen legen. Jetzt sind die Schrauben und auch die Stecker des Reglers frei zugänglich.

LiMa-Stator ausbauen

Stator im Motordeckel
Stator im Motordeckel
Beim öffnen des linken Motordeckels sollte man etwas zum Öl auffangen unterlegen. Es ist nicht viel, was dort rauskommt, sorgt aber trotzdem für Flecke...
Es reicht übrigens, einen evtl Motorschutzbügel nur zu lockern. Man kommt relativ gut an alle Schrauben und allzuviel Platz benötigt der Deckel beim Abnehmen nicht. Wenn er dann ab ist, sieht man den mit 3 Schrauben befestigten Stator und evtl auch schon verschmorte Wicklungen.
Es gibt nun 4 Möglichkeiten:
  • Originalersatzteil bestellen
    Mit fast 500EUR aber nicht gerade das Schnäppchen.
     
  • Gebrauchtteil suchen und kaufen
    Erstmal finden und dann ist die Frage in welchem Zustand der Stator ist.
     
  • Stator neu wickeln lassen
    Es gibt einige Unternehmen, die sowas anbieten - Kosten liegen wohl bei 100-150EUR.
     
  • Austauschstator besorgen
    Liegt preislich bei ca 100-130EUR für den Tiger. Ich habe hier bestellt (ArtNr: 210030075Z) oder einfach mal bei ebay suchen und bei entsprechenden Anbietern nachfragen.
    Nach meinen Recherchen (abgesehen vom Stecker) passt auch der Stator der Honda VFR750 und angeblich auch welche von MZ.
Der Austauschstator passt sowohl mechanisch, als auch elektrisch, sogar der mitgelieferte Stecker wäre nutzbar. Nur das Kabel - genauer die Kabeldurchführung am Motor - passt nicht so ganz, denn sie fehlt und ist leider am alten Stator verschweisst. Ich habe die komplette Strippe dann am Altteil abgeschnitten und am neuen montiert. Hierzu mussten die Litzen am alten Kabel aber erstmal sauber gemacht werden, damit sie überhaupt Lötzinn annehmen. Etwas Salzsäure hilft da ganz gut: Litze reinhalten, etwas einwirken lassen und dann an den Lötkolben zum Verzinnen.
Die Litze und den Draht vom neuen Stator wurden zuerst zusammengequetscht (die abgeknipste Kabelanschlusseite von Flachsteckern ist dafür prima geeignet) und dann verzinnt. 2 Lagen Schrumpf- und 1 Lage Gewebeschlauch sorgen für Vereinsamung der Kontakte und schliesslich auch für 14,4V im Leerlauf bei aktiven Fernlicht ;-)

Deckeldichtung

neue Dichtung
selbstgemachte Dichtung (Vorlage)
Die ca 20EUR teure Dichtung geht mit grösster Wahrscheinlichkeit kaputt. Ich habe mir eine aus 0,9mm Dichtungspapier (gibt's im Autoersatzteilehandel oder z.B. auch bei Louis) selbst gebastelt:
Wer einen Tintendrucker mit relativ geraden Papierlauf hat, kann sich diese Grafik bei 300dpi auf das Filterpapier drucken und dann auschneiden (eine gebogene Nagelschere ist dazu ideal und für die Löcher ein Stanzeisen).

Ob sich das lohnt? ...muss jeder selbst wissen..zumindest hält man die Dichtung so relativ schnell in den Händen.


 
Ich würde mich freuen, wenn diese Infos jemanden nützlich sind und wünsche viel Spass beim Elektrolurch jagen...